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Sanierung als Klima-Turbo

14.01.2011

Das Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen GmbH unter der Leitung von Wolfgang Amann hat im Auftrag der Grünen eine Studie zum Thema Wohnbau und Sanierung in Österreich erstellt.

 Die Studie bietet laut Gabriela Moser, Bautensprecherin der Grünen, nicht nur einen profunden Überblick, sondern wirft auch ein kritisches Licht auf fehlende Maßnahmen und den Reformbedarf bei der thermischen Sanierung. Wolfgang Amann führt aus, dass die Energiestrategie Österreichs zum einen noch einen weiten Weg vor sich und zum anderen noch einigen Nachholbedarf hat, um festgesetzte Ziele auch tatsächlich zu erreichen.

„Die Sanierungsrate von einem Prozent auf drei Prozent zu erhöhen ist wünschenswert, allerdings ist nicht klar, auf welchem Weg man das erreichen will“, so Amann. Als wichtigen Ansatz nennt Amann die Umsetzung von mindestens drei Sanierungsmaßnahmen innerhalb einer thermischen Sanierung. „Nur die Fenster auszutauschen ist zu wenig – das ist keine thermische Sanierung“, so der Experte.


Reformbedarf
In der Studie erläutert Amann zahlreiche Punkte zum Reformbedarf. „Die im Regierungsprogramm festgeschriebenen Maßnahmen sind keineswegs ambitioniert. Es besteht ein gewisses Maß an inhaltlichem Konsens zwischen den Regierungsparteien über die angestrebten Maßnahmen“, so Amann. Dennoch empfiehlt der Experte unter anderem eine Anpassung des Erhaltungsbegriffs im Mietrechtsgesetz und im Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz. Auch bei den thermischen Sanierungsmaßnahmen als öffentlich-rechtlichen Auftrag sieht der Experte Nachholbedarf, ebenso nennt er die Anpassung des Betriebskostenkatalogs an den Stand der Technik und die Einsparungsfinanzierung (Contracting) in allen Wohnrechtsregimen als reformbedüftig.

Wirtschaftliche Potenziale
Einen besonderen Schwerpunkt der Studie bildet die Re-Construction. „In vielen Fällen ist der Abriss eines Gebäudes und die Errichtung eines Neubaus nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ökologisch und stadtstrukturell von Vorteil“, ist Amann überzeugt. „Re-Constructing im WGG könnte effektiver gestaltet werden, wenn die vorgesehene Vorwegprüfung der Wirtschaftlichkeit von Sanierungen in einer Richtlinie klarer definiert würde. Möglichkeiten der Einführung von Re-Constructing im MRG-Regime unter Abwägung der bestehenden divergierenden Interessen sollten geprüft werden“, empfiehlt der Studienautor.

Einig sind sich Gabriela Moser und Wolfgang Amann in jedem Fall dahingehend, dass im Wohnbau und in der Sanierung viel wirtschaftliches und ökologisches Potenzial steckt, das noch unzureichend genutzt wird. Als ein Erfolgsmodell nennen sie den Sanierungsscheck, der nach der Pause 2010 im Jahr 2011 wieder weiterlaufen wird. „Im Rahmen des Konjunkturpakets 2008/2009 wurden thermische Sanierungen von öffentlichen Gebäuden im Umfang von 300 Millionen Euro durch die Bundesimmobiliengesellschaft in Aussicht gestellt. Real erfolgten 250 Maßnahmen mit Errichtungskosten von 75 Millionen Euro und mietvertraglich abgesicherte Schulsanierungsprojekte im Umfang von 25 Millionen Euro, also wurde nur ein Drittel des versprochenen Volumens in Angriff genommen“, so Moser.

Potenzial sieht Moser in der Förderung der Wohnbauanleihen als Zukunftsvorsorge: „Seit 2007 nimmt die Wohnbautätigkeit in Österreich mit durchschnittlich minus acht Prozent ab, steigende Wohnungspreise sind die Folge.“ 100 Millionen Wohnbauinvestitionen führen laut Wifo zu 1.000 Arbeitsplätzen. Eine Umschichtung der staatlichen Förderung der börsenorientierten Zukunftsvorsorge in Richtung bessere Förderung der Wohnbauanleihen wäre sinnvoll. Dadurch entstünde eine Art „Wofinag“ (außerbudgetäre Wohnbaufinanzierung), die den Anlegern sichere Zukunftserträge bietet.

Diana Danbauer

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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