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Sanierung miteinander, nicht gegeneinander

22.09.2004

Sanierungen erfolgreich und schnell abwickeln, so der Wunsch von Wohnbauträgern, doch in der Praxis gibt es oft Probleme. HausbewohnerInnen werden bei Sanierungen oft als Störfaktor erlebt, der den Organisationsaufwand für Wohnbaugenossenschaften erhöht. Dementsprechend groß war das Interesse am Expertenworkshop „Konfliktfreie Sanierung“, der am 17.09.2004 von der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT), dem Interuniversitären Forschungszentrum (IFZ) und dem Grazer Umweltamt im Grazer Rathaus initiiert wurde. 70 TeilnehmerInnen aus der Wohn- und Baubranche holten sich dabei Empfehlungen, wie Sanierungen besser und effizienter gestaltet werden können.

„Besserer Wohnkomfort, gesundes Raumklima, geringere Energiekosten und ein Beitrag zum Umweltschutz“, fasst Mag. Jürgen Suschek-Berger vom IFZ die Argumente zusammen, die für eine umfassende, ökologische Sanierung sprechen. Obwohl die Vorteile überwiegen, ist erstaunlich, wie oft BewohnerInnen oder WohnungseigentümerInnen geplante Sanierungsvorhaben zu Fall bringen. Der Grund: Es fehlt einfach an entsprechendem Bewusstsein und ausreichenden Informationen.

„Es leuchtet jedem ein, dass ein Auto mit der Zeit an Wert verliert und es gewartet werden muss. Bei Gebäuden glauben die Leute aber, dass sie für alle Ewigkeit halten werden“, spricht DI Manfred Koblmüller vom Österreichischen Ökologie-Institut ein grundlegendes Problem an und ergänzt: „Im Grunde herrscht hier ein richtiges Bildungsdefizit.“

Einen weiteren Grund für Konflikte bei Sanierungsvorhaben ortet DI Walter Hüttler von der Energieverwertungsagentur aber auch in der oftmals unprofessionellen Kundenbeziehung zwischen Hausverwaltung und HausbewohnerInnen. „Oft vertrauen die EigentümerInnen ihrer eigenen Hausverwaltung nicht, weil sie schlechte Erfahrungen gemacht haben“, so Hüttler.

Wie können Sanierungen erfolgreicher gestaltet werden?

„Sanierung miteinander, nicht gegeneinander!“, so lautet das Resümee der drei Experten, die unabhängig voneinander Forschungsprojekte zu diesem Thema durchführten. Die Forschungsprojekte wurden vom BMVIT im Rahmen der Programmlinie „Haus der Zukunft“ gefördert. Es wurden dabei konkrete Sanierungsvorhaben begleitet und evaluiert bzw. die BewohnerInnen-Beteiligung moderiert. Was sich dabei klar zeigte: Frühzeitige Einbindung und Beteiligung der BewohnerInnen bringt eine größere Identifikation mit dem Sanierungsprozess und ist effektiv, weil nachträgliche Änderungen vermieden werden.

„Die Beteiligung der BewohnerInnen bedeutet für die Wohnbaugenossenschaften allerdings einen Mehraufwand. Daher ist es sinnvoll standardisierte Beteiligungsmöglichkeiten zu entwickeln, die auf die jeweilige Situation (z.B. Wohnungseigentum oder Wohnungsmiete) abgestimmt werden. Umgekehrt profitiert die Wohnbaugenossenschaft durch die Einbindung, denn die BewohnerInnen sind schließlich ExpertInnen für ihr Wohnumfeld und können hilfreiches Know-how für den Sanierungsprozess einbringen“, so Suschek-Berger.

„Damit BewohnerInnen sich einbringen können, ist es aber nötig die Informationen gut und verständlich aufzubereiten. Hier gibt es noch große Defizite bei den HausverwalterInnen, die sich im sozialen, kommunikativen Bereich weiterbilden sollten“, ergänzt Hüttler.

Abhilfe schafft hier eine externe Prozessbegleitung. „Diese ist aber in der Realität nicht finanzierbar“, wirft Koblmüller ein und fährt fort: „Wünschenswert wäre es, die Prozessbegleitung bei Sanierungen als Fördergegenstand zu etablieren.“

Detaillierte Ergebnisse aus den Forschungsprojekten werden zur Zeit ausgearbeitet und werden demnächst in Form von Leitfäden und Handbüchern vorliegen. Nähere Informationen dazu:
ÖGUT – Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik
Tel: 01/3156393-22
E-Mail: office@HAUSderzukunft.at
http://www.hausderzukunft.at

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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