Direkt zum Inhalt
Die Sanierung könnte der "Turbo" aus der Corona-Krise sein.

Sanierung soll heimischer Wirtschaft Schwung geben

28.04.2020

Die Corona-Krise hat faktisch über Nach einen wesentlichen Motor der heimischen Wirtschaft, den Bausektor, ins Stottern gebracht. Mit einer massiven Ankurbelung der Wohnhaussanierung kann dieser, laut einer Studie, wieder belebt werden.

Seit zwei Jahrzehnten beinhalten Regierungsdokumente Ziele für Sanierungsraten – allerdings ohne die Sanierungsrate näher zu definieren. Dementsprechend breit streuen die bisher angewandten Formeln. „Wir haben eine neue Formel entwickelt, die die Sanierungsrate zuverlässig messbar, sektoral und regional aufschlüsselbar und mit bestehenden rechtlichen Regeln kompatibel macht“, sagt Wolfgang Amann, Geschäftsführer des IIBW Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen und Mitautor der Studien „Zur aktuellen thermisch-energetischen Sanierungsrate in Österreich“ und „Steuerliche Maßnahmen zur Dekarbonisierung des Wohnungssektors“. Erstere hat die Neudefinition der Sanierungsrate aufgestellt. Die Formel soll alle thermisch relevanten Maßnahmen berücksichtigen und möglichst zeitnahe Analysen der Auswirkungen neuer Politikinstrumente zulassen.

Neue Formel

Aufgrund dieser Anforderungen wird seitens der Experten folgende Formel vorgeschlagen:

  • Im Zähler steht die Summe umfassender thermisch-energetischer Sanierungen sowie kumulierter Einzelmaßnahmen (je 4 Einzelmaßnahmen ergeben ein umfassendes Sanierungsäquivalent)
  • Im Nenner steht der Gesamtbestand an Wohnungen im jeweiligen Segment

„Diese vorgeschlagene Definition für die thermisch-energetische Sanierungsrate hilft ein vollständiges Bild der Sanierungsaktivitäten in Österreich zu liefern“, sagt Wolfgang Schieder vom Umweltbundesamt, Team Gebäude und ebenfalls Autor der Studie.

Ergebnisse

  • Geförderte Sanierungen mit All-time-high 2009: Die Sanierung innerhalb der Wohnbauförderung erreichte 2009 eine Sanierungsrate von 1,8 Prozent. Seither sind geförderte Sanierungen kontinuierlich rückläufig und erreichten 2018 eine Rate von nur noch 0,5 Prozent.
  • Ungeförderte Sanierungen mit gegenläufigen Trend: Rückläufige Förderungsaktivitäten führten zu einer Verlagerung zu „Einzelsanierungen aus dem Baumarkt“. Zwischen 2009 und 2012 stiegen ungeförderte Sanierungen von 0,4 Prozent auf fast 1,0 Prozent und blieben seither auf etwa diesem Niveau.
  • Die Gesamtsanierungsate sank zwischen 2009 und 2018 von 2,1 Prozent auf 1,4 Prozent.
  • Hoher Sanierungsbedarf in allen Bestandssegmenten: Zur Erreichung einer vollständigen thermisch-energetischen Ertüchtigung des Wohnungsbestands bis 2040 muss die Sanierungsrate (umfassende Sanierungen und kumulierte Einzelmaßnahmen) kurzfristig auf 2,6 Prozent und ab 2025 auf 3,2 Prozent erhöht werden.

„Die Erkenntnisse aus der Studie zur Sanierungsrate haben offen gelegt, dass eine deutliche Anhebung der Sanierungsrate nur mit einem Maßnahmenbündel für die einzelnen Bestandssegmente zu erreichen sein wird. „Einzelaktionen, wie in der Vergangenheit, werden und nicht weiterbringen. Wir brauchen daher in Österreich dringend eine Sanierungsstrategie“, sagt Roland Hebbel, GDI 2050, ZIB – Zentralverband Industrieller Bauproduktehersteller. Die seit vielen Jahren geforderte Reform des Wohnrechts für Miet- und Eigentumswohnungen stehe dabei an vorderster Front, ebenso eine starke Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung. „Eine Ausweitung der Fördermaßnahmen bzw. –instrumente ist für alle Segmente wichtig, steuerliche Maßnahmen für Eigenheime und private Mietwohnungen sind dabei besonders effektiv.“

Werbung
Werbung