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Sanierung - Zeitzeugen erkennen, nützen und schützen

30.05.2007

Das gelungene Zusammenspiel von Alt und Neu, die sensible Renovierung alter Bausubstanz sowie die teilweise völlige Wiederherstellung historischer Gebäude aber auch Brücken und anderer Bauwerke sind Bereiche, die vor allem in den vergangenen Jahren von Europa bis Asien an Bedeutung gewonnen haben.

Das Themenspektrum ist dabei vielfältig. Immer wieder wird im Umgang mit Altlasten der Einsatz neuer Baustoffe und innovativer Technologien abverlangt. Michael Balak, ofi, Österreichisches Forschungsinstitut für Chemie und Technik, Institut für Bauschadensforschung, freute sich über die zahlreichen Teilnehmer und vor allem über die prominenten Vortragenden, bei den 15. Wiener Sanierungstagen zum Thema „Instandsetzung von Infrastrukturbauten“. Alfred Hüngsberg, ÖBB Bau, Brückenbau und konstruktiver Ingenieurbau, informierte über neue Positionen für Bahnabdichtungen auf Brücken. Dabei erklärte Hüngsberg, dass aktuell Neuerungen für Prüfungen auf der Baustelle notwendig werden: „Die europäische Normung, vor allem die EN 14695, Abdichtungsbahnen – Bitumenbahnen mit Trägereinlage für Abdichtungssysteme für Brücken und andere Verkehrsflächen auf Beton, wirft ihren Schatten voraus. Die Qualitätssicherung im Herstellerwerk sieht Fremdüberwachungen nicht mehr vor. Daher ist der Auftraggeber aufgerufen, nicht nur – wie bisher üblich – die Ausführungsqualität, sondern auch die bedungenen Materialeigenschaften zu überprüfen.“ Eine Kombination aus technischen Bedingungen und passenden Positionen soll die Möglichkeit entsprechender Prüfungen erleichtern.

Andreas Gerdes vom Forschungszentrum Karlsruhe, gab einen kurzen Abriss über den verstärkten Einsatz von Bauchemie. Sein Forschungsansatz: von Nano zu Makro. Denn dies könnte laut Gerdes eine Strategie zur Entwicklung bauchemischer Produkte im 21. Jahrhundert sein. Am Beispiel der Tiefenhydrophobierung zeigte Gerdes auf wie mit diesem neuen Ansatz aus Ergebnissen wissenschaftlicher Grundlagenforschung gezielt Technologien für einen präventiven Oberflächenschutz an realen Bauobjekten entwickelt wurden. „Mit diesen Technologien wird es möglich sein, neue, aber auch bestehende Bauwerke nachhaltig vor werkstoffaggressiven Umwelteinwirkungen zu schützen und somit technologisch, ökologisch und ökonomisch aufwendige Instandsetzungen zu vermeiden“, erklärte Gerdes.

Aus alt mach neu

Vor allem Projekte aus den 70er Jahren stehen europaweit zur Generalsanierung an. Die häufig schwierige Entscheidung Abriss oder Sanierung ist in vielen Fällen eine Kostenfrage. Karl Miedler zeigte am Beispiel eines ehemaligen Bürogebäudes eine Untersuchung des Bauwerkszustandes auf – vor dem Umbau in ein Hotel. Das Gebäude sollte bis auf die Tragkonstruktion abgerissen werden. Um eine tatsächliche Aussage über den Zustand des in Ortbetonbauweise errichteten Bauwerks am Wiener Rennweg zu erhalten, musste Miedler eine umfangreiche Prüfung vornehmen. Die Untersuchung erfolgte in Anlehnung an die ÖNorm B 4706 nach breitgefächerten Aspekten. Miedler stellte fest, dass eine aufwendige Betonsanierung nötig ist. Klaus Kriechbaumer von dem Unternehmen Bauschutz, wurde vom Generalunternehmer mit den Sanierungsarbeiten beauftragt. Kriechbaumer erklärte dazu, dass er trotz reichlicher Erfahrung auf dem Gebiet der Betoninstandsetzung mit all seinen Arten von Untergrundvorbehandlungen, Mörtelverarbeitung und Aufbringung von Beschichtungen, es doch auch für ihn immer wieder faszinierend ist, für welch scheinbar einfache Umstände manchmal sehr viel Energie benötigt wird, um effizient, qualitativ hochwertig, termingetreu und doch kostengünstig derartige Arbeiten ausführen zu können: „So wie das Leben im Allgemeinen ist auch das Baustellenleben ein ständiger Lernprozess, der immer wieder hinterfragt und verbessert werden muss, um neuen Gedanken und Ideen eine Chance zu geben.“

Neben weiteren anderen spannenden Erfahrungs- und Forschungsberichten kam auch Urs Meier von der ETH Zürich extra angereist und präsentierte Langzeiterfahrungen bei der Verstärkung von Bauwerken mit kohlenstofffaserverstärkten Polymerbändern. Die sogenannten CFK-Bänder werden in der Schweiz seit über 20 Jahren eingesetzt. Meier zeigte sich davon überzeugt, dass diese kohlenstofffaserverstärkten Polymerbänder hohe Chancen auf dem internationalen Markt haben. CFK werden seiner Meinung nach auch weiterhin bei klassischen Baukonstruktionen den Stahl nicht verdrängen. Ein großes Potential für CFK-Bänder prognostizierte Meier für die Sanierung. Den effizienten Einsatz bewies er mit verschiedenen Projektbeispielen wie zum Beispiel der Ilbachbrücke bei Luzern – die als Durchlaufträger über sieben Felder mit einer Gesamtlänge von 228 Meter ausgebildet ist. Drei CFK-Bänder mit 6,5 Kilogramm Masse wurden aufgeklebt und verleihen der Brücke nunmehr seit 16 Jahren ihre ursprüngliche Tragkraft.

Gisela Gary

Artikel aus: bau.zeitung 21/07, S. 14f

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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