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Schattenwirtschaft - Stopp für Betrug am Bau

29.03.2007

Die Schattenwirtschaft in Österreich ist seit dem Rekordjahr 2004, als 23 Milliarden Euro schwarz erwirtschaftet wurden, wieder kontinuierlich gesunken. Die erfreuliche Entwicklung stellt der Linzer Volkswirtschaftsprofessor Friedrich Schneider in seiner aktuellen Studie zur Schattenwirtschaft in Österreich fest.

Die Ursachen für den Rückgang erklärt Schneider unter anderem mit der 2005 in Kraft getretenen Steuersenkung und dem Anfang 2006 eingeführten Dienstleistungsscheck. Der Anteil der Schattenwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird laut Schneider heuer auf 9,4 Prozent nach 9,7 Prozent im vorangegangenen Jahr zurückgehen. Die Bundesländer Wien mit 5,79 Milliarden Euro, Niederösterreich mit 3,47 Milliarden Euro und Oberösterreich mit 3,51 Milliarden Euro sind von der Schattenwirtschaft am härtesten betroffen. Walter Ruck, Landesinnungsmeister Bau Wien, ist überzeugt: „Solange nachgefragt wird, wird angeboten. Solange Pfusch attraktiv ist, solange wird gepfuscht. Und solange Pfusch als Kavaliersdelikt angesehen wird, fühlt sich auch niemand gezwungen, sich alternativ zu verhalten. Der Pfusch ist nicht unbedingt ein branchenspezifisches Problem, sondern ein gesellschaftliches. Lösungsvorschläge gibt es genug. Die Lohnnebenkosten zu erhöhen, gehört sicherlich nicht dazu.“

Trotz eines leichten Rückgangs in den vergangenen zwei Jahren ist die Zahl der „Vollzeit-Inlands-Schwarzarbeiter“ in Österreich seit 1995 kräftig angestiegen, relativiert Schneider. Gab es 1995 575.000 Vollzeitpfuscher, so stieg die Zahl 2004 auf den Rekordwert von 789.000 Betroffene und wird heuer nach 716.000 im Jahr 2006 auf 709.000 zurückgehen. Die Anzahl der illegalen ausländischen Beschäftigten erhöhte sich im selben Zeitraum von 75.000 auf 97.000 Personen, geht aus der Schneider-Studie hervor.
Robert Jägersberger, Landesinnungsmeister Bau Niederösterreich, bestätigt die Problematik Pfusch/Schwarzarbeit – wenn auch geringfügig rückgängig – noch immer als eines der größten Problemfelder für die Bauwirtschaft: „Davon ist vor allem auch der Massivbau betroffen. Durch eine Umstrukturierung der Landesförderungen (Rechnungsnachweise, Förderung von ausgewiesenen Mehrwertsteuerbeträgen und/oder Sozialabgaben) könnten hier gewisse Lenkungsmaßnahmen geschaffen werden. Da dies ein probates Mittel wäre, Pfusch und Schwarzarbeit im Wohnhausbau bzw. der privaten Sanierung zu reduzieren, wäre es aus politischer Sicht sicher lohnend, sich darüber Gedanken zu machen, derartige Parameter für die Erteilung von Förderungen heranzuziehen.“

Rolle des schwarzen Schafes

Am Bau wird am meisten gepfuscht. Schädlicher zusätzlicher Nebeneffekt: Die Schwarzes-Schaf-Rolle. Nicht zuletzt aufgrund von einigen „schwarzen Schafen“, hat der Bau seit Langem mit dem Image des „traditionellen Pfuschers“ zu kämpfen. Immerhin: Auf das Baugewerbe und das Handwerk entfallen laut Schneider 39 Prozent oder 8,2 Milliarden Euro des gesamten Pfuschvolumens in Österreich. Auf die Bereiche „Andere Gewerbe und Industriebetriebe“ sowie Dienstleistungsbetriebe entfallen je 16 Prozent (3,4 Mrd. Euro). In sonstigen Gewerbebetrieben und haushaltsnahen Dienstleitungen wie z. B Nachhilfe, Friseur oder Babysitter werden 17 Prozent oder 3,5 Mrd. Euro erwirtschaftet.

Als wichtigste und effizienteste Maßnahme im Kampf gegen den Pfusch, der in Österreich immer noch mehrheitlich als Kavaliersdelikt betrachtet wird, gilt die Reduktion der Lohnnebenkosten, wofür gegebenenfalls im Gegenzug andere Steuern (z. B. Energie) erhöht werden könnten. 41 Prozent der von Schneider Befragten gaben im September 2006 an, dass sie eine Wohnung oder ein Haus im Pfusch renovieren ließen, 14 Prozent gestanden einen kompletten „schwarzen“ Hausbau ein wie auch Hausumbauten und größere Renovierungsarbeiten.

Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer, wie sie in Deutschland durchgezogen wurde, kritisiert Schneider allerdings „für das Volumen der Schattenwirtschaft als kontraproduktiv“. Ein Rückgang der Schattenwirtschaft sei seiner Meinung nur dann wohlfahrtssteigernd, wenn zumindest ein Teil dieser Schattenwirtschaftsleistungen in der offiziellen Wirtschaft erbracht werden. Werden diese „schwarzen Dienstleistungen“ nicht erbracht, dann sinkt die gesamte – und daher die offizielle sowie die schwarze – Wertschöpfung.
In Österreich ist die Schattenwirtschaft von 22 Milliarden Euro (Jahr 2005) auf 21,2 Milliarden Euro (Jahr 2006) gesunken; dies entspricht einer Senkung von 3,64 Prozent. „Im Jahr 2007 wird die Schattenwirtschaft in Österreich lediglich ein Volumen von 21 Milliarden Euro erreichen – d. h. sie ist zum zweiten Mal leicht rückläufig bzw. sie sinkt geringfügig um 200 Millionen Euro bzw. der prozentuale Rückgang beträgt 0,94 Prozent. Die Ursache für diesen weiteren leichten Rückgang liegt primär im Konjunkturaufschwung! Inwieweit die von der großen Koalition beschlossene geringfügige Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge, die die Lohnnebenkosten erhöht, sich wieder auf eine Steigerung der Schattenwirtschaft auswirkt, kann im Moment noch nicht abgeschätzt werden; diese könnte aber die nochmalige Senkung zunichte machen“, warnt Schneider.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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