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Schritte in die Gebäudezukunft

11.03.2011

Dass Plusenergiegebäude realisierbar sind, stand beim Workshop „Haus der Zukunft in der Praxis" außer Zweifel. Experten referierten über innovative Möglichkeiten bei Energieeffizienz und alternativen Energien.

Schon die Gebäuderichtlinie der Europäischen Union gibt vor, was künftig Standard sein muss: Ab 2020 ist das Niedrigstenergiegebäude Pflicht. Die Technik selbst ist diesem Plan jedoch weit voraus. Längst ist das Plusenergiehaus, das zumindest rechnerisch übers Jahr mehr Energie erzeugt, als es verbraucht, keine Utopie mehr.
„Gebäude sind die Kraftwerke von morgen“, prophezeit Hubert Fechner von der FH Technikum Wien anlässlich der Workshops „Haus der Zukunft in der Praxis“ in der Wiener Urania. Wärme wie Strom können durch Sonnenenergie auch auf Österreichs Dächern ausreichend gewonnen werden – zur Aufbereitung von Warmwasser, zur Wärmeversorgung oder gar zur Kühlung.

Inzwischen stehen unterschiedliche Konzepte von solaren Luft-Systemen über thermischelektrische Hybrid-Kollektoren bis zu Hybrid-Kollektoren mit Luft oder Wasser zu Verfügung. In Fassaden integrierte Solarthermie bietet zudem einen hohen Grad an Flexibilität. Es ist keine Zukunftsmusik mehr: Gebäude- wie Fassadenintegration von Kollektoren und von Photovoltaik sind heute einfach realisierbar, die Wirkungsgrade moderner Anlagen weiter im Steigen, die Preise der massengefertigten Photozellen deutlich leistbarer. Rund 30 Terawattstunden an energetischem Output könnten, so Fechner, allein auf heimischen Dächern und Fassaden erzeugt werden. Deutschland zeigt es vor: Waren 1992 erst 68 Megawatt an Photovoltaik installiert, so waren es vergangenes Jahr bereits 17.000 MW.

Dass das Haus der Zukunft als Energielieferant aber auch ein Hightechprodukt ist, steht auch für Thomas Bednar, Institut für Hochbau und Technologie, außer Zweifel. Zwar könne auf Erfahrungen mit Niedrigstenergiegebäuden gebaut werden, für die richtigen Schritte zum Plusenergiehaus muss die Planung jedoch neu gedacht werden. „Beispielsweise ist bereits im Vorfeld eine umfassende Berechnung oder Simulation notwendig, in der auch Abschätzungen des tatsächlichen Energieverbrauchs aller Energieträger erfolgen muss“, so Bednar. Bereits die Ausschreibung zu einem Plus­energiegebäude muss die hohen Anforderungen berücksichtigen und die alternativen Leistungen genau beschrieben sowie auf Gebrauchstauglichkeit achten.

Ein konkretes Projekt in Melk stellt ambitionierte Energiekonzepte unter Beweis: Als Innovationsleuchtturm soll mit „gugler! Build & print triple zero“ eine „ökoeffektive Plusenergiedruckerei“ entstehen. „Triple zero“, weil mit „zero emission“, „zero energy“ und „zero waste“ gleich drei Ziele angestrebt werden. Einbezogen in das Konzept ist nicht nur der neu geplante Zubau, sondern auch der derzeitige Bestand, der im Jahr 2000 errichtet wurde. Es erfolgt nicht nur eine flächenmäßige Erweiterung, sondern zusätzlich sind ein neuer Seminarbereich, ein Gästehaus und ein Bio-Gastronomiebereich geplant. Der gesamte Bereich soll ein Plusenergiegebäude werden. Der Bestand wird energetisch mit entsprechender Lüftung, Fenstern und Verglasungen aufgerüstet, die Abdeckung des Energiebedarfs erfolgt aus Produktionsabwärme, Solarenergie, Windenergie und voraussichtlich Grundwasser.

Über eines waren sich die Experten des Workshops einig: Das große Potenzial bei Einsparungen des Energieverbrauchs liegt im Gebäudebestand. „Haus der Zukunft“ ist ein Forschungs- und Technologieprogramm des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie. Weiterführende Informationen sind online unter www.hausderzukunft.at zu finden.

(Redaktion: Helmut Melzer)

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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