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Silvio Vitale: "Unsere Mitarbeiter wollen wieder arbeiten"

27.03.2020

Nach anfänglichen Baustopp wird auch Silvio Vitale, Geschäftsführer des Bauunternehmens Waizenauer, den Baubetrieb wieder aufnehmen. Warum man vielleicht langfristig etwas positives aus dieser Krise ziehen könnte, berichtet er im Interview.

Silvio Vitale, Geschäftsführer des Bauunternehmens Waizenauer, über seinen Umgang mit der Krise.

Wie gehen Sie in Ihrem Betrieb mit der aktuellen Situation um?
Silvio Vitale:
Wir haben seit 17. März den Baustellenbetrieb für 14 Tage praktisch eingestellt. Es herrschte anfangs große Verunsicherung bei allen und auch die Versorgung mit Baumaterialien war nicht gesichert.

Sie haben im Unternehmen 155 Mitarbeiter. Sind diese nun in Kurzarbeit?
Vitale:
Der Großteil der Mitarbeiter ist entweder im Homeoffice oder baut Resturlaub ab. Natürlich ist auch Kurzarbeit bei uns ein Thema.

Viele Unternehmen fühlen sich alleine gelassen und sind unsicher, wie sie reagieren sollen. Was halten Sie von dem Vorgehen der Regierung?
Vitale:
Sehr gut fand ich das schnelle Handeln der Regierung. Allerdings gibt es  In Österreich  sowieso viel zu viele Vorschriften und Regularien. Deshalb finde ich es gar nicht so schlecht, dass die Regierung die Entscheidung den Unternehmen überlässt. Wir sind als Unternehmer ohnehin gewohnt, Verantwortung in diesen Dingen übernehmen zu müssen. So wie die Vorgaben jetzt sind, ist ein Baustellenbetrieb durchaus möglich. Wenn man die Maßnahmen richtig umsetzt, kann man seine Mitarbeiter auch schützen.

Die Entscheidung obliegt aber nicht nur den Bauunternehmen, sondern auch den Auftraggebern. Ist Ihre Entscheidung zum Baustopp bei allen Auftraggebern auf Verständnis gestoßen?
Vitale:
Beim Großteil schon. Ein Auftraggeber hat leider gar kein Verständnis gezeigt. Mit einem anderen haben wir uns geeinigt, noch zwei Tage weiter zu arbeiten – von diesem wurden wir aber auch in puncto Schutzmaßnahmen sehr gut unterstützt.

Planen Sie den Baubetrieb unter den aktuellen Begebenheiten wieder aufzunehmen?
Vitale:
Natürlich müssen wir vorher verschärfte Schutzmaßnahmen treffen. Schutzausrüstung wie Handschuhe, Brillen und Masken haben wir im Unternehmen. Eine Herausforderung wird noch ausreichend Desinfektionsmittel - hier sind die Lieferzeiten gerade viel zu lang. Und wir werden unsere Mitarbeiter entsprechend schulen.
Aber nach den ersten Tagen hat sich die Unsicherheit wieder etwas gelegt und unsere Mitarbeiter wollen auch wieder arbeiten. Vielen fällt zuhause die Decke auf den Kopf.
Die Sicherheit unserer Mitarbeiter steht an erster Stelle, aber wenn wir diese gewährleisten können, werden wir den Baustellenbetrieb wieder aufnehmen.

Mit welchem Zeithorizont rechnen Sie bis auf Baustellen alles wieder seinen gewohnten Gang geht?
Vitale:
Nach Ostern wird sicher auch auf den Baustellen keine Normalität einkehren. Ich rechne fix damit, dass uns Schutzmaßnahmen sicher bis September beschäftigen werden. Aktuell haben wir volle Auftragsbücher, aber keiner kann vorhersagen, welche Auswirkungen die Krise auf die gesamte Wirtschaft hat.

Blicken Sie eher optimistisch oder pessimistisch in die Zukunft?
Vitale:
Immer optimistisch, sonst könnte ich nicht in der Baubranche arbeiten. Vielleicht können wir langfristig gesehen auch etwas Positives aus dieser Situation mitnehmen. Die Baukultur in Österreich ist geprägt durch Hektik, Druck und Improvisation – vielleicht entsteht nun die Chance, daran etwas zu ändern.

Autor/in:
Sonja Meßner
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