Direkt zum Inhalt

Sparsam, effizient und kompetent

11.09.2009

Die erste und bis dato einzige Radladerfahrerin Österreichs beeindruckt die Bauwirtschaft mit ihrem Know-how. Souverän und mit einer bezaubernden Leidenschaft dirigiert sie ihren Radlader durch die Kiesgrube. Text: Gisela Gary

„Ich weiß gar nicht, wie ich das erklären soll, aber für mich ist mein Job das Großartigste, was ich mir vorstellen kann. Ich freue mich jeden Tag aufs Neue, hier arbeiten zu dürfen“, strahlt Margit Schnabel, erste Radladerfahrerin Österreichs und zugleich vermutlich einer der euphorischsten Menschen, der am Bau zu finden ist.
Ihre gute Laune und ihre Freude an ihrem Aufgabengebiet steckt an – ihr Chef, Benedikt Haslinger, Prokurist von der Koller GmbH, lacht ebenfalls und bestätigt: „Wir haben Glück mit Margit, denn sie sorgt für eine gute Stimmung, seit sie bei uns ist, gibt es kaum Streitereien mehr, sie hat wesentlich zur Teambildung beigetragen.“ Doch der harmonische Teil, also ihre auffallend hohe Sozialkompetenz, ist nur ein Aspekt, warum Haslinger überaus zufrieden mit seiner weiblichen Mitarbeiterin ist.

Schnabel ist Teil des rund 12-köpfigen Teams des Transport-Kies-Erdbauunternehmens Koller. Ihr Arbeitsplatz ist die Kiesgrube in Markgrafneusiedl oder – je nach Auftragslage – die benachbarte Deponie.
Die Koller GmbH ist eine Tochtergesellschaft der ABW Abbruch, Boden- und Wasserreinigungs GmbH, welche im Eigentum von Bilfinger Berger Baugesellschaft mbH, Porr Umwelttechnik GmbH und Hinteregger & Söhne Baugesellschaft mbH steht. Das Unternehmen ist in der Rohstoffgewinnung, Erdbau und Entsorgung tätig. 2008 wurde ein Umsatz von etwas mehr als 14 Millionen Euro erzielt. Die Firma beschäftigt an ihren Standorten in Wien und Niederösterreich im Jahresdurchschnitt 80 Mitarbeiter.

Liebe für Liebherr
Margit Schnabel ist seit einem Jahr bei Koller in Markgrafneusiedl. Seit einigen Monaten fährt sie einen Liebherr L 566, ein 25 Tonnen schwerer Radlader, und erregt damit in der Männerdomäne Schottergewinnung Aufsehen. Beispielsweise überragen die zwei Meter großen Reifen des Radladers die 1,60 Meter große Frau deutlich. Das Leben von Margit Schnabel verlief anfangs recht konventionell: Schneiderlehre, zwei Söhne, ein Bürojob, später Verkäuferin.
Die Selbstständigkeit der Kinder nahm sie zum Anlass, ihre Jugendträume zu realisieren. Mit 40 machte sie den Motorradführerschein, mit 45 die Führerscheine C und E – für Lkw und Anhänger. Ihre Bewerbungen bei Bau- und Erdbauunternehmen wurden alle – freundlich, jedoch ohne Begründung – abgelehnt. Benedikt Haslinger, selbst leidenschaftlicher Motorradfahrer, war bereits beim Vorstellungsgespräch beeindruckt: Margit Schnabel sauste mit ihrer schweren Kawasaki zu dem Termin. Haslinger traute der Meidlingerin die Arbeit in der Kiesgrube auf Anhieb zu.

Die ersten Tage waren hart, so Schnabel: „Ich bin ja noch nie mit einem Radlader gefahren! Doch Haslinger stellte mir einen sehr erfahrenen Kollegen zur Seite, und so lernte ich das Handwerk.“ Bereits in der ersten Woche übernahm sie das Steuer selbstständig und gliederte sich in den Arbeitskreislauf ein. Neben ihrer Arbeit mit dem Lader kommt sie auch bei der Waage zum Einsatz – „da bin ich aber nicht so glücklich“.
Auf ihren Radlader angesprochen, kommt sie richtig ins Schwärmen – aber auch Haslinger bestätigt: „Wir haben uns natürlich auch die Radlader der Mitbewerber angeschaut, aber die Liebherr-Geräte sind für uns die einzigen, wo das Preis-Leistungs-Verhältnis einfach stimmt.“

Schnabel probierte bei der Liebherr-Roadshow im Frühjahr den neuesten Radlader aus – „den hätte ich gern, der ist einfach noch größer und kann noch mehr“, lacht sie. Doch der Chef winkt ab – das ist zugleich das Pech des Baumaschinenherstellers: „Unsere Radlader sind in einwandfreiem Zustand, wir nützen den Liebherr-Wartungsservice und letztlich mithilfe der guten Pflege durch Margit Schnabel wird ihr 566 mit Sicherheit am längsten im Einsatz bleiben.“

Wirtschaftliche Fahrweise
Schnabel ist im Team voll integriert – das war nicht von Anbeginn so. Die Männer brachten ihr anfangs viel Skepsis entgegen, doch heute, so lacht sie, gibt’s keine Probleme. „Na ja“, räumt Haslinger ein, „die ärgern sich schon teilweise – Margit verbraucht den wenigsten Treibstoff, ihr Radlader ist der mit Abstand gepflegteste und der den wenigsten Service benötigt. Darüber hinaus arbeitet sie mit höchster Effizienz und Präzision. Aber auch die Abnützungserscheinungen betreffend, ist Margit ihren Kollegen um eine Nasenlänge voraus.“
„Ich gebe einfach nicht so viel Gas – ist ja auch gar nicht notwendig“, erklärt Schnabel ihren geringeren Spritverbrauch, „die Burschen glauben immer, sie müssen voll reinsteigen, das bringt aber gar nichts.“ Und ihre penible Pflege? „Das ist für mich selbstverständlich, nach der Arbeit putze ich ‚meinen Lader‘.“ Ihren Lader? „Ja, mit dem darf nur ich fahren! Das hat aber einen einfachen Grund: Bei mir darf man nur ohne Schuhe einsteigen – ich will keinen schmutzigen Innenraum. Und Schuhe ausziehen, das wollen die Kollegen nicht.“

Innovative Antriebstechnologie
Der L 566 2plus 2 hat eine Kipplast von 15.550 Kilo, 190 kW Motorleistung und ein Einsatzgewicht von 22.500 Kilo. Wirtschaftlichkeit und Umweltfreundlichkeit stehen bei dem Abbaugerät im Vordergrund. Herzstück des Erfolges des Radladers ist die 2plus-2-Antriebstechnologie, die auf einem Getriebe mit zwei verschieden großen direkt angebauten Ölmotoren, die jeweils über eine separate Kupplung verfügen.
Da beim Beschleunigen und beim Verzögern des Radladers alternierend mindestens einer der beiden Ölmotoren aktiv ist, stellt sich der Lader unabhängig von der der erforderlichen Fahrgeschwindigkeit und Zugkraft „rucklos“ auf jede Arbeitssituation ein. Schnabel ist nicht nur eine begeisterte Fahrerin, sie interessiert sich auch für das technische Wohlbefinden ihres Radladers, hat alles über ihn gelesen und erkennt kleine Defekte auch problemlos selbst. Die vielleicht weibliche Intuition ist nur einer der weiteren Gründe, warum die Koller GmbH von ihrer Mitarbeiterin begeistert ist.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
Werbung

Weiterführende Themen

News
11.12.2013

Mit Beginn des Jahres 2014 übernimmt die Würth-Hochenburger GmbH den Teilbereich "Bauprodukte" der Fa. Nägelebau GmbH.

News
11.12.2013

Teckentrup bietet im Bereich Türen und Tore Lösungen für alle Größen an. Nun will das Unternehmen mit einer Niederlassung seine Aktivitäten in Österreich verstärken.

News
27.11.2013

Die Firmengruppe Eder bietet auch kommendes Jahr wieder ein umfassendes Schulungsprogramm für Baumeister und Planer an. Das Thema des Expertenforums 2013/14 lautet „Massivhäuser richtig planen und ...

News
27.11.2013

Für die Errichtung und Gestaltung des Dorfplatzes in Wopfing erhielt Baumit Wopfinger den Anerkennungspreis "Maecenas Niederösterreich". Der Preis wird jedes Jahr für außergewöhnliche ...

News
27.11.2013

Der neue Volvo-Vertriebspartner Ascendum will die Umsätze und den Gewinn kräftig steigern. Die neuen Märkte in Zentraleuropa sollen dazu beitragen.

Werbung