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Die Arbeitgebervertreter fordern, insbesondere Kleinstbetriebe im Gewerbe und Handwerk stärker zu fördern – etwa durch eine Verlängerung oder gar den Ausbau des erfolgreichen Handwerkerbonus.

Spartenvertreter für Marktstimulation

19.07.2017

Die Bauwirtschaft – vor allem der Holzbau – sieht positiv in die Zukunft, wenngleich der steigende Personalbedarf Sorge bereitet. Das Lohn- und Sozialdumpinggesetz müsse von Initiativen auf europäischer Ebene begleitet werden, um zu greifen.

Die Herausforderungen für die Betriebe in Gewerbe und Handwerk werden nicht kleiner, meint die Obfrau der Bundessparte Gewerbe und Handwerk, Renate Scheichelbauer-Schuster: „Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern entwickeln sich deutlich besser als Kleinbetriebe unter zehn Mitarbeitern.“ Sie sehe „insgesamt eine labile Konjunktursituation“, der die Reform der Gewerbeordnung sowie die Mindestlohn-Einigung „einen neuen Wettbewerbs-Rahmen“ verpassen. In den vergangenen Jahren sei die Schere zwischen Kleinbetrieben und KMU „immer weiter aufgegangen“, ergänzte Walter Bornett, Direktor der KMU-Forschung Austria, bei einem gemeinsamen Pressegespräch.

Handwerkerbonus verlängern

Gerade jene mit weniger als zehn Bediensteten müssten deshalb unterstützt werden – etwa über die Verlängerung des Handwerkerbonus, der 2017 mit 20 Millionen Euro dotiert war. „Angesichts der Mittel, die in andere Bereiche fließen, und die sich in hohen dreistelligen Millionenbereichen bewegen, sollte man auch an die Substanz unseres Wirtschaftsstandortes denken“, so Scheichelbauer-Schuster. Der Handwerkerbonus liefere wesentliche Impulse: „Sowohl Österreichs Konsumenten als auch die Betriebe profitieren.“ Und da die wirtschaftliche Situation der Kleinbetriebe sich nicht wie gewünscht entwickle, „sollte eine Entscheidung über eine Verlängerung oder sogar Höherdotierung so rasch wie möglich fallen“, so ihr Appell an die politisch Verantwortlichen.

Europäische Kooperation

Handlungsbedarf ortet die Sparten-Obfrau angesichts neuer rechtlicher Rahmenbedingungen, etwa die wirksame Durchsetzung des Lohn- und Sozialdumpinggesetzes betreffend. Die Lohnschere zwischen Österreich und Ungarn bzw. Slowenien sei in den letzten elf Jahren gleich geblieben, sagt Bornett. Genau aus diesen Nachbarländern sei der größte Wettbewerbsdruck auf die Klein- und Mittelbetriebe der Bauwirtschaft sowie im Dienstleistungsbereich zu spüren. Der bis 2020 umzusetzende Mindestlohn in der Höhe von 1.500 Euro werde dieses Ungleichgewicht verschärfen. Weshalb die Schaffung eines „europaweiten vollelektronischen Kontrollsystems zur Abfrage der Sozialversicherungs-Meldung von im Ausland sozialversicherten Arbeitnehmern“ vorangetrieben werden müsse.

Bauwirtschaft auf Personalsuche

22 Prozent der Betriebe in Gewerbe und Handwerk melden für das erste Quartal 2017 Steigerungen um durchschnittlich 11,7 Prozent, fast 60 Prozent hatten Auftragseingänge auf Vorjahresniveau und ein Fünftel verzeichnete Rückgänge um durchschnittlich 13,9 Prozent. Für das zweite Quartal beurteilen 26 Prozent der Betriebe die Geschäftslage mit „gut“' (Vorjahr: 21 Prozent), 59 Prozent mit „saisonüblich“ (Vorjahr: 54 Prozent) und 15 Prozent mit „schlecht“ (Vorjahr: 25 Prozent), was insgesamt zu einer verbesserten Einschätzung der Konjunktur führt. Nach Branchen vermelden im investitionsgüternahen Bereich Holzbau, Bau, Metalltechnik und die Elektriker mit jeweils um die zehn Prozent einen deutlich erhöhten Auftragsbestand gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres. Auch für das dritte Quartal bleiben die Erwartungen an die Konjunktur zumindest im Holzbau hoch. Holzbau, Bau sowie Dachdecker, Spengler und Glaser vermelden zudem einen besonders hohen Personalbedarf.

Autor/in:
Bernhard Madlener
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