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Städte für morgen

04.06.2010

Auf der Real Corp, der internationalen Konferenz für Städte- und Raumplanung, wurden zukünftige Strategien für die urbane Entwicklung diskutiert. Die größte Herausforderung bildet das enorme Bevölkerungswachstum.

Die Real Corp, eine der wichtigsten Konferenzen in Europa im Bereich Städte- und Raumplanung, fand heuer zum 15. Mal statt. Rund 400 Stadt- und Raumplaner, Bauexperten, Architekten, Ökologen, aber auch IT-Fachleute waren zum halbrunden Jubiläum nach Wien gekommen, um über das Motto „Städte für alle: Lebenswert, gesund, prosperierend“ zu diskutieren. Die Palette an Vorträgen war dabei naturgemäß breitgefächert: von Beiträgen über Strategien für nachhaltige Stadtentwicklung über Simulations- und Bewertungsmodelle energieeffizienter Gebäude bis hin zur Präsentation aktueller Stadtentwicklungsprojekte.
Vor welchen Herausforderungen die Planer in Zukunft stehen, machte gleich zu Beginn der Konferenz Ingolf Schädler, Bereichsleiter für Innovation im Ministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, deutlich. Derzeit lebten etwa 50 Prozent aller Menschen in urbanen Gebieten, so Schädler. Bis 2050 werden es schon 70 Prozent sein, während gleichzeitig die Weltbevölkerung von rund sechs Milliarden auf – je nach Schätzung – neun bis zwölf Milliarden anwachsen wird. Die Anzahl der Menschen könnte sich also in den nächsten Jahrzehnten verdoppeln, wobei als ein Megatrend die rapide Alterung der Gesellschaft die demografische Entwicklung maßgeblich beeinflussen wird.

Planen für den Durchschnitt?
Michel Sudarskis, Generalsekretär der International Urban Development Association (INTA), wies zudem auf die Bedeutung der steigenden Mobilität der Gesellschaft hin: Temporäre Stadtbewohner werden für das Stadtleben in Zukunft sogar wichtiger sein als die ständig dort lebende Bevölkerung, meint Sudarskis. „Wir müssen uns die Frage stellen, ob wir für den Durchschnitt der Menschen oder für ganz spezielle Bedürfnisse einer Bevölkerungsgruppe planen.“ Die traditionellen Planungsinstrumente erweisen sich dabei allerdings als immer weniger effektiv. Bei INTA will man mit dem Forschungsprojekt „Objective 2030“ Trends für neue, intelligente und nachhaltige urbane Entwicklung nachspüren und neue Planungsprinzipien entwickeln.

Emissionsreduktion
Die städtische Entwicklung liegt dabei schon längst nicht mehr nur in der Hand von öffentlichen Behörden und gemeinnützigen Organisationen. Immer stärker engagieren sich auch Unternehmen und Konzerne aus der Privatwirtschaft in dem Bereich. Die Firma Siemens etwa hat vor einiger Zeit eine Forschungs- und Publikationsreihe zum Thema nachhaltige urbane Infrastruktur verschiedener europäischer Großstädte gestartet und zudem Ende 2009 einen „Green City Index“ herausgebracht. An der Spitze lagen dabei die skandinavischen Länder; den ersten Platz belegte Kopenhagen, Wien landete unter 30 Städten immerhin auf dem guten vierten Rang.

Stefan Denig, Leiter der Abteilung Issue Management bei Siemens in München, erläuterte anhand des Beispiels London die CO2-Einsparungsmöglichkeiten einer Stadt. Bis zum Jahr 2025 könne man die Emissionen um 43,7 Prozent (im Vergleich zum Stand von 1990) senken – und zwar durch technologische Maßnahmen. Das größte Einsparungspotenzial besteht dabei bei Gebäuden. Mithilfe von neuen, intelligenten Gebäudesystemen könne man die Energiekosten und den Kohlendioxid-Ausstoß um 20 bis 30 Prozent senken, so Denig.

„Aber Technologie kann nicht alles alleine machen. Auch die Verhaltensweisen müssen sich ändern.“ Die europäischen Städte hätten schon viel erreicht, ist Denig überzeugt, es gebe aber noch jede Menge zu tun. Der durchschnittliche Anteil an erneuerbaren Energiequellen am Gesamtverbrauch liegt beispielsweise derzeit erst bei 7,2 Prozent – laut EU-Vorgabe sollten bis 2020 daraus 20 Prozent werden.

Thomas Prlic

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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