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Stählerne Riesen auswählen

12.08.2011

Die richtige Kranauswahl bei Großbaustellen braucht Erfahrung. Herstellertypen, Geografie und ­Besonderheiten der Baustelle müssen berücksichtigt werden. Gerald Bauer, Absolvent der Fachhochschule Campus Wien, entwickelte ein Computersystem als Entscheidungshilfe für Jungbauleiter und Jungtechniker, das erste Überprüfungen anhand von realen Entscheidungen aus der Praxis bestehen konnte.

Baukrane gehören traditionell zu den zentralen Gerätschaften am Bau. Entsprechend vielfältig ist heute das Angebot unterschiedlicher Hersteller; und entsprechend schwierig kann mitunter die Entscheidung sein, für welchen Kran man sich entscheidet. Genau hier setzt die Diplomarbeit von Gerald Bauer an, Absolvent der FH Campus Wien. Koautor und Betreuer der Arbeit war Gerald Goger, der hauptberuflich bei der Swietelsky Baugesellschaft tätig ist. Die Arbeit widmet sich einem „Entscheidungshilfesystem zur Kranauswahl auf Baustellen“. Damit will Autor Bauer „besonders Jungbauleitern und unerfahrenen Technikern einen Leitfaden vorgeben, um einen geeigneten Baukran zu ermitteln.“
Das passiert mithilfe eines sogenannten „Entscheidungshilfesystems“, also eines Computersystems, welches „gebietsspezifisches“ Wissen von Experten speichert, verwaltet und zur Verfügung stellt, damit es Benutzer für bestimmte Aufgaben wie etwa eine Produktionssteuerung nutzen können. „Deshalb spricht man auch häufig statt von ,Expertensystemen‘ von wissensbasierten Systemen“, so Bauer. Um zu zeigen, wie ein solches Entscheidungshilfesystem funktionieren kann, konzentriert sich der Autor bei den verschiedenen Arten von Baukranen insbesondere auf Turmdrehkrane (TDK).

Hohe Kosten
Bekanntlich kann man Turmdrehkrane unterscheiden nach Verfahrbarkeit (fahrbarer oder stationärer Standort), nach Auslegertype (Laufkatzen-, Knick, Teleskop-, Nadel- und Flat Top) und nach Drehwerk (unten- oder obendrehend). Wie der Autor in Erinnerung ruft, haben alle diese Baureihen ihre speziellen Vor- und Nachteile. Zum Beispiel können Krane mit untenliegendem Drehwerk schnell und ohne zusätzliches Gerät aufgestellt werden, müssen sich aber mit einer niedrigeren Hakenhöhe begnügen. Dagegen wachsen „Obendreher“ mit dem Gebäude mit und können beträchtliche Höhen erreichen, doch ihre Aufstellung dauert bis zu drei Tage. Doch diese Frage ist bei weitem nicht die einzige, die bei der Auswahl zu klären ist.
Zu den entscheidenden Parametern zählt Bauer auch „die Gebäudegeometrie, die Kranstellfläche, die Bauweise, die Gerätetechnik sowie die Kostenansätze und die Berechnungsmodelle zur Ermittlung der erforderlichen Krananzahl“. Schließlich gebe es auch wirtschaftliche Faktoren wie die Anzahl der erforderlichen Krane, da die Kosten für Auf- und Abbau sowie die Vorhaltekosten bei Baukranen sehr hoch seien. „Faktoren sind auch das Gebäudevolumen, Baustoffmenge, maßgebende Verrichtung, maßgebendes Kranspiel und die Beschäftigtenkennzahl. Je nach Erfahrung und den angetroffenen Gegebenheiten des Bauvorhabens kommt im Zuge des Entscheidungshilfesystems eines dieser Verfahren zur Anwendung“, schreibt Bauer.
Die Lösung sieht schließlich so aus: Im Entscheidungshilfesystem werden alle relevanten Faktoren und Krantypen zusammengefasst. Dann ermittelt das System zuerst – abhängig von den Eingaben des Benutzers – die Anzahl der benötigten Krane. Im zweiten Schritt wird der Kranstandort bestimmt, wobei ein Flussdiagramm den Benutzer bei der Auswahl unterstützt. „Entspricht ein gewählter Standort nicht, so wird der Benutzer automatisch wieder zurück zum Start der Standortsuche verwiesen. Dies passiert so oft, bis der Standort den Vorgaben des Entscheidungshilfesystems entspricht“, schreibt Gerald Bauer. Im dritten Schritt wird geklärt, ob ein fahrbarer oder ein stationärer Turmdrehkran einzusetzen ist. Abschließend wird noch die Art und die Größe des erforderlichen Kranes bestimmt.
Wie sein Entscheidungshilfesystem zur Kranauswahl in der Praxis funktioniert, zeigt der Autor anhand von drei Beispielen, und zwar dem Designer Outlet Center Salzburg, dem Shangri La Hotel Wien und der einer U-Bahn-Station der Linie U2 in Wien. Die Ergebnisse des von ihm entwickelten Entscheidungshilfesystems „decken sich weitgehend mit den in der Praxis angewendeten“ Systemen, so das Fazit von Gerald Bauer: Die Einsatztauglichkeit in der Praxis sei somit bestätigt.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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