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Starke Zukunft im Spezialbau

04.03.2011

Aufbruchstimmung war bei der 7. Fachausstellung „Grundbau – Brunnenbau“ und der 8. österreichischen Geotechniktagung zu spüren. Wissenserweiterung, Fachaustausch und Networking standen im Mittelpunkt.

Rund 70 Aussteller gestalteten die breitangelegte Leistungs- und Produktschau der Fachausstellung „Grundbau – Brunnenbau“, veranstaltet von der Vöbu, der Vereinigung der österreichischen Bohr-, Brunnenbau- und Spezialtiefbauunternehmungen. Rund 380 Teilnehmer aus Österreich und dem Ausland kamen zur 8. Geotechniktagung, die von Dietmar Adam, TU Wien, Institut für Geotechnik, geleitet wurde. In diesem Jahr widmete sich die Geotechniktagung den unterschiedlichen Verfahren zur Gründung von Bauwerken, wobei die Vielfalt von Tiefgründungen, Hybrid- bzw. Kombinationsgründungen und die Bodenverbesserung anhand von 18 Vorträgen aus dem In- und Ausland aufzeigen konnte, welche Möglichkeiten zur Bauwerksgründung bestehen. „Das Bewusstsein, dass alle Verfahren ihre Berechtigung besitzen – vorausgesetzt, sie werden richtig eingesetzt – konnte an diesen zwei Tagen geschärft werden“, zeigt sich Dietmar Adam begeistert.

Die Verleihung der Grundbaupreise im Rahmen der Tagung war von Anfang an Tradition. In diesem Jahr wurde der von der Firma Keller Grundbau gestiftete Preis an Gregor Schwarz für seine an der TU Graz verfasste Masterarbeit „Technischer und wirtschaftlicher Vergleich von Bodenplatten mit unterschiedlichen Gründungssystemen“ und an Adrian Kainrath für seine an der TU Wien absolvierte Diplomarbeit „Beitrag zur Untersuchung von Verformungsproblemen an Steinschüttdämmen mittels elasto-plastischer Stoffgesetze“ verliehen. Eugeniusz Dembicki von der Technischen Universität Danzig erhielt im Rahmen der Geotechniktagung die Goldene Ehrenmedaille des ÖIAV für sein Lebenswerk erhielt.


Philosophie und Geotechnik
Der launige Vortrag von Heinz Brandl erwies sich als Publikumsrenner. Brandl sorgte mit seinen Worten für Erheiterung, aber regte ebenso zum Nachdenken an. Nach den bisherigen hochkarätigen internationalen Persönlichkeiten aus den USA, Australien, England, Belgien und Schweden hielt erstmals ein Österreicher die renommierte „Vienna Terzaghi Lecture“, zu der alle zwei Jahre an den Ursprungsort der modernen, wissenschaftlichen Bodenmechanik eingeladen wird, die mit Karl von Terzaghi vor mittlerweile 83 Jahren an der Technischen Universität in Wien ihren Ausgang nahm. Brandl ist somit der erste Österreicher, der die Vienna Terzaghi Lecture hält.


Geotechnik als Basis
Der Titel seines Vortrages verriet bereits viel über die wissenschaftliche Freiheit, die sich Brandl nicht zuletzt aufgrund seiner langjährigen Berufs- wie auch Wissenschaftserfahrung herausnimmt: „Der Geotechnikingenieur in der Gesellschaft: philosophische Gedanken, Herausforderungen und Empfehlungen“. Einmal mehr rückte Brandl die Geotechnik als Basis für jedes Bauvorhaben ins rechte Licht: „Die Gesellschaft ist sich keineswegs bewusst, in welch großem Umfang die Geotechnik die Voraussetzung für den hohen Lebensstandard der Industrieländer und für die Entwicklung der Schwellenländer schafft. Brandl machte weder halt vor Kritik gegenüber der überbordenden Normenflut noch vor dem Bürokratiewildwuchs bei der Abwicklung von Bauprojekten – und illustrierte seine Ausführungen jeweils mit spektakulären Fotos aus der Praxis. Brandl schlug einen perfekten Bogen über die Grundlagen der Bodenmechanik, vom Erdbeben bis zur Entwicklung von Geotextilien. Anhand von 100 Meter hohen Autobahndämmen zeigte er die Einsatzgebiete von Geotextilien auf und versäumte dabei nicht, auf das unabdingbare Know-how der Geomechanik hinzuweisen.


Theorie und Praxis
Das abschließende Highlight am Ende der Tagung war die hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion. Norbert Vogt von der TU München als Vertreter aus Wissenschaft und Forschung, Georg Vavrovsky für die Bauherrschaft, Peter Preindl für die Bauindustrie und Peter Waibel als Vertreter der Planer diskutierten unter der Leitung von Heinz Brandl über die Rolle der Geotechnik im Bauwesen sowie über aktuelle und zukünftige Herausforderungen.

Die Kooperation mit der 7. Fachausstellung der Vereinigung Österreichischer Bohr-, Brunnenbau- und Spezialtiefbauunternehmungen bewährte sich ausgezeichnet, auf diese Weise ergaben sich wertvolle Synergien zwischen Theorie und Praxis sowie zwischen Forschung und Anwendung. Bereits in der Vorbereitungsphase dieser Messe zeigte sich, dass das Interesse der Branche an dieser Fachveranstaltung sehr groß war, die angebotenen Stände waren bereits Monate vor Beginn der Veranstaltung ausgebucht.

Die Tagungsteilnehmer der Geotechniktagung sowie die Besucher der Fachausstellung informierten sich über die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet des Grund- und Spezialtiefbaus. Die im Rahmen der Fachausstellung frei zu besuchenden Firmenpräsentationen waren ebenfalls ein Anziehungspunkt für Besucher, und für die Aussteller ergab sich eine gute Gelegenheit, im Rahmen eines Fachvortrags spezielle Themen eingehend zu präsentieren. Vielfach wurden die Diskussionen im Anschluss an die Vorträge am Messestand fortgesetzt. „Die Stimmung auf der Messe kann auch als Barometer für die allgemeine Stimmung in der Branche gewertet werden. Die Firmen zeigen sich vorsichtig optimistisch und blicken aufgrund der Erholung der Wirtschaft hoffnungsvoll in die Zukunft. Das Jahr 2011 wird sicher für die gesamte Branche eine Herausforderung werden. Die österreichischen Firmen haben durch ihr Bekenntnis zu beständiger Qualität und Mut zur Innovation die besten Voraussetzungen, sowohl im In- als auch im Ausland erfolgreich und konkurrenzfähig zu bleiben“, ist Adam überzeugt.

Eine weitere gelungene Gelegenheit zum Erfahrungs- und Gedankenaustausch bot schließlich die Ausstellerparty am Abend des ersten Tages. Die Firma Grund- Pfahl- und Sonderbau mit Geschäftsführer Klaus Breit lud alle Aussteller und Tagungsteilnehmer zur Ausstellerparty in die Crystal Lounge des Austria Center Vienna ein, wo in entspannter Atmosphäre die Teilnehmer von Geotechniktagung und Fachausstellung den Tag ausklingen ließen.
Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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