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Steile Karriere – auf Ziegel gebaut

10.09.2009

An der Spitze eines Weltkonzerns: Der 42-jährige Kärntner über Schicksal, Menschlichkeit in der Wirtschaftskrise und die Zukunft des österreichischen Ziegelherstellers Wienerberger.Text: Helmut Melzer

Die Twin-Towers strecken sich in den blauen Himmel. Kaiserwetter in der Wienerberg-City. Die beste Aussicht hat Heimo Scheuch. Das Büro des neuen Vorstandsvorsitzenden des Ziegelherstellers Wienerberger befindet sich im 32. Stock. Er ist sprichwörtlich ganz oben angekommen.

Ab August sitzt der gebürtige Kärntner aus der 800-Seelen-Gemeinde Mühldorf im Mölltal im Chefsessel eines Weltkonzerns. An seinem Noch-Arbeitsplatz türmen sich die Akten – aber nicht zu viele, und auch ist alles sauber geordnet. Für den Fotografen schlichtet Scheuch ein paar Zettel um, aber viel aufzuräumen gibt es nicht.

Anders bei Wienerberger.
Da ist angesichts der Krise genug zu tun. Die Zeiten waren auch beim österreichischen Erfolgsunternehmen schon einmal rosiger. Die Ziegel unter Scheuchs gläsernen Schreibtischplatte sind es nach wie vor. Gebrannter Ton, auf dem auch die beispielhafte Karriere des 42-Jährigen begründet ist.
Dass er einmal auf höchster Ebene für ein Ziegelunternehmen arbeiten würde, hatte sich Scheuch aber nie vorgestellt:

„Das Wort Karriere wird im Management immer gerne gebraucht. Ich sehe das so: Man macht, was einem Spaß macht.“ Eigentlich, gesteht der Top-Manager, wäre er als Bub gerne Tierarzt geworden. Böse Zungen könnten jetzt gar meinen, dass das ja vom Berufsbild des Managers gar nicht so weit weg ist. Auch das hat bekanntlich mit allerlei Getier zu tun. Aber das ist nicht Scheuchs Sicht der Dinge. „Für mich ist es wichtig, mich mit Menschen auseinanderzusetzen. Ich bin jemand, der nicht über Menschen redet, sondern mit Menschen arbeitet.“

Er gibt sich bescheiden, der neue Kopf von Wienerberger. Karriere ist für ihn etwas, das mit Leidenschaft zu tun hat. Dann, so Scheuch, ginge es auch automatisch weiter. An die Unternehmensspitze habe er jedenfalls nicht gedrängt: „Karriere hat viel mit Glück und Schicksal zu tun. Meine Lebensphilosophie ist: Gib den Menschen und dem Leben so viel du kannst, dann kriegst du auch Entsprechendes zurück.“

Schicksalhafte Weichen
Als schicksalhaft stellt sich nun auch ein Zusammentreffen mit dem scheidenden Wienerberger-Boss Wolfgang Reithofer anno 1996 heraus – an einer Tankstelle nahe dem Wörthersee. Ein doch eher ungewöhnlicher Ort für ein Abwerbungsgespräch. Manager bevorzugen mehrheitlich Golfplätze. „Ich bin kein Golfer“, lacht Scheuch und schildert die geheimnisvolle Begebenheit, die keine ist:
„Das war einfach ein guter Kompromiss zwischen Wien und Mailand. Und wir sind dort auch nicht an der Zapfsäule gehangen, sondern hatten ein kurzes, aber intensives Gespräch im Café.“
Dem neuen Chef verlangt es eben nicht nach einem Mysterium um seine Person. Ähnliches trifft auch auf die Beziehung zu seinem nunmehrigen Vorgänger Reithofer zu.

Scheuch winkt ab: „Eine Vaterfigur ist er sicher nicht. Wenn man aber so lange zusammenarbeitet, hat man zwei Möglichkeiten: Entweder man hasst sich, oder man hat enormen Respekt voreinander. Zweiteres ist bei uns entstanden.“ Als langjährige Weggefährten tauscht man sich eben nicht nur über Ziegel aus, sondern man diskutiert auch über die Weltwirtschaft, politische Zusammenhänge und Entwicklungen, die Wienerberger als weltweit agierendes Unternehmen ja auch betreffen.

Ein respektvoller Umgang also. „Auch wenn man hart diskutiert. Ich habe immer geschätzt, dass Reithofer jemand ist, der sich Auseinandersetzungen stellt. Ein intelligenter, belesener Mensch“, streut Scheuch seinem Noch-Chef Rosen. Dass dieser mit einem gesundheitlichen Handicap, einem Leben im Rollstuhl, umgehen muss, hat den Mensch Scheuch zusätzlich geprägt.
Wieder spricht er das Schicksal an: „Es kam nicht von ungefähr, dass ich mit ihm arbeiten durfte. Da bekommt man doch eine andere Sichtweise der Dinge“.

Unterschiedliche Blickwinkel – das ist etwas, das dem Manager sehr wichtig ist: „Die Menschen neigen dazu, das Trennende in den Vordergrund zu stellen. Eigentlich müsste man mehr über das Verbindende reden.“ Beispiel Weltreligionen: „Speziell beim Islam und dem Christentum – so viel Unterschied ist da nicht. Wir betonen die Unterschiede nur so gravierend.“
Anlässlich einer Werkserrichtung in Indien hat sich Scheuch auch mit diesem Kulturkreis fasziniert beschäftigt. Er zitiert Goethe: „‚Mit jeder Sprache hast du ein neues Leben dazugewonnen.‘

Das ist Teil des Ganzen. Nicht nur der Job alleine – man muss auch schauen, dass man sich weiterentwickelt“, sinniert Scheuch.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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