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Strabag / Interview

19.03.2004

Die News rund um die Strabag überschlagen sich. Hans Peter Haselsteiner, Vorstandsvorsitzender der Bauholding Strabag AG, steht Rede und Antwort zu aktuellen Fragen – und Gerüchten.

Die Strabag, neben der Porr Österreichs größtes Bauunternehmen, kam in den vergangenen Wochen kaum zur Ruhe: Kooperation mit der Porr – ja oder nein, Beteiligung an Autostrade international – ja oder nein, wie auch interne Bröseln sind unter anderem die Gründe für die Gerüchte rund um die Strabag und ihren Chef Hans Peter Haselsteiner. Nähere Informationen dazu lesen Sie bitte in untenstehenden Kästen.

Die Strabag steuert in Richtung Erfolgskurs – der Umsatz von 2002 auf 2003 ist deutlich gestiegen. Wie geht’s weiter? Was sind Ihre Zukunftspläne? In welchen Bereichen wollen Sie Schwerpunkte setzen (Hochbau, Straßen...)

Haselsteiner: Unverändert setzt die Strabag auf die Märkte in Mitteleuropa, und zwar nicht nur auf jene der Beitrittsländer 2004, sondern auch auf jene der nächsten Erweiterung (Rumänien, Bulgarien, Kroatien, etc.). Wie immer, eilt der Ausbau der Infrastruktur dem Hochbau – mit Ausnahme ausgewählter Projektentwicklungen – voraus.

Bezüglich Generalverkehrplans-Ö: wie sehen Sie die Entwicklung, die Umsetzung der geplanten Projekte des GVP-Ö?

Haselsteiner: Wir sind froh, dass wir ihn haben, und hoffen auf seine Umsetzung bzw. Finanzierbarkeit. PPP-Modelle sind eine Notwendigkeit ansgesichts leerer Kassen.

Gibt es Pläne bezüglich einer Allianz mit der Porr? Besteht Interesse Ihrerseits, mit der Porr eine PPP-Allianz für die Beteiligung an der Ausschreibung für den Straßeninfrastrukturausbau in der Ostregion?

Haselsteiner: Allianzen – in Bau-Arbeitsgemeinschaften – werden von Fall zu Fall entschieden, auch solche mit der Porr. Für die anstehenden PPP-Projekte erwarten wir einen fairen Wettbewerb zwischen diesen beiden und auch dritten Gruppen.
Hat die Strabag noch Interesse daran, an der Autostrade International einzusteigen?

Haselsteiner: Ja.

EU-Erweiterung: Sehen Sie die immer wieder medial transportierten, angeblichen Ängste der Bauwirtschaft vor der EU-Erweiterung als berechtigt? Welches Know-how sehen Sie in der Bauwirtschaft in den ab 1. Mai neu zur EU kommenden Staaten, das der heimischen Bauwirtschaft „gefährlich“ werden kann/könnte?

Haselsteiner: Für die ersten sieben Jahre werden die Auswirkungen der Osterweiterung auf Grund der nicht praktizierten Freizügigkeit der Arbeitsplätze nicht sonderlich spürbar sein. Danach ist der große Unterschied in den Lohnkosten bei vergleichbarer Produktivität eine enorme Herausforderung für die „alten“ EU-Volkswirtschaften und für jene, die an Erweiterungsländer angrenzen, im Besonderen. Einen nennenswerten Know-how-Unterschied wird es bis dann nicht geben – er ist heute schon bescheiden.
Zur Strabag intern: Gerüchten zufolge haben in den vergangenen Wochen einige leitende Mitarbeiter die Strabag verlassen, die Gründe werden u. a. mit „mangelnde Sensibilität im Umgang mit Führungskräften“, Spesenkürzungen, schlechte Stimmung... Was ist daran wahr?

Haselsteiner: Wir – das bedeutet der Vorstand bzw. das Management – verstehen, dass einige – erfreulicherweise wenige – MitarbeiterInnen dem Leistungsdruck bzw. der Knausrigkeit bei Spesenabrechnungen lieber ausweichen.

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Strabag und die Porr

Am 18. Februar 2004 schloss Haselsteiner ein Zusammengehen der Bauholding Strabag/Raiffeisen und einem Konsortium rund um die Porr und Bank Austria Creditanstalt aus wettbewerbsrechtlichen Gründen aus. Und: Haselsteiner bestreitet diesbezügliche Verhandlungen mit der Porr.
Hintergrund: Sobald die Asfinag ausgeschrieben hat, wollen sich die beiden größten Bauunternehmen Österreichs (gerüchteweise eventuell gemeinsam) um das PPP-Projekt für den Straßenausbau in der Ostregion bemühen. Die Vergabeentscheidung soll bis zum Frühjahr 2005 fallen. Die Finanzierung der 125 Straßenkilometer wird von der Ausschreibung abhängig gemacht.
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Bauholding Strabag – Zahlen, Daten, Fakten

Bauholding Strabag bzw. Strabag AG Köln – ist in allen Bereichen der Bauindustrie, vor allem im Straßen- und Hochbau tätig. 2003 ist es dem Unternehmen gelungen, das positive Betriebsergebnis erneut zu verbessern. Für das Jahr 2004 erwartet die Strabag-Gruppe eine leicht rückläufige Bauleistung.

• Umsatz 2003: 5,637 Milliarden Euro (sieben Prozent mehr als 2002)
• Betriebsergebnis (EBIT) 2002: 89 Millionen Euro
• rund 33.000 Mitarbeiter inklusive dem slowakischen Hochbau-Unternehmen an 280 Standorten: davon 8000 in Österreich
• 30 Prozent der Bauleistung macht die deutsche Strabag
• 20 Prozent der Bauleistung macht die österreichische Strabag
• die restlichen 50 Prozent Auslandsgeschäft: vor allem Ungarn, Tschechien, Polen
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Strabag und die Maut

• Hans Peter Haselsteiner bekräftigt das Interesse der Strabag an einem Einstieg bei der Autostrade International, dem größten europäischen Mautkonzern und österreichischen Lkw-Mautbetreiber. Noch gibt es keine Entscheidung seitens der Strabag über eine Beteiligung. Auch eine Entscheidung seitens der Asfinag steht noch aus. Die Asfinag hat bereits im vergangenen Jahr vergaberechtliche Bedenken geäußert: Die Strabag hatte sich selbst für die Errichtung und den Betrieb des Lkw-Mautsystems beworben und war als Subunternehmer der Autostrade tätig.

• Den Anteil an der ungarischen Mautbetreibergesellschaft AKA (Mautautobahn M5) wird die Strabag von derzeit 41,5 auf 25 Prozent verringern. Der ungarische Staat will einen größeren Anteil übernehmen – daher der Rückzug der beiden Eigentümer, der Strabag und des französischen Baukonzerns Bouygues.
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Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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