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Straßen für die Zukunft

22.10.2010

Der Klimawandel, steigende Rohstoffpreise, Lebenszykluskosten wie auch mehr Wirtschaftlichkeit und die Verpflichtung zur Nachhaltigkeit waren die Stichworte des 11. Betonstraßen-Symposiums.

Dass ausgerechnet aus Amerika der provokanteste Vortrag zum Stichwort Nachhaltigkeit kam, ließ die rund 500 Teilnehmer des 11. internationalen Symposiums für Betonstraßen in Sevilla aufhorchen. Denn, so plädierte Leif Wathne, ACPA, die Zeiten sind vorbei, wo der Fokus nur noch auf die Errichtung von Straßen gerichtet sein darf: „Sind wir damit auf dem richtigen Weg? Alle reden von Nachhaltigkeit, doch was ist Nachhaltigkeit bei Straßen? Nur, dass wir recycliertes Material verwenden, ist zu wenig.

Wir müssen eine Balance zwischen Natur, sozialen Bedingungen und der Ökonomie schaffen. Daher muss unsere Aufmerksamkeit allen Stationen eines Lebens einer Straße gelten.“ Wathne verwies auf die zahlreichen Studien zu Lebenskostenzyklen. Damit machte er deutlich, dass Straßen viel mehr „verbrauchen“ als nur den erfassten Wert in der Errichtungsphase für die Planungs- und Baukosten. „Denn die Errichtung einer Straße ist der kleinste Teil an Belastung. Wenn wir wirklich nachhaltig agieren wollen, müssen wir den gesamten Lebenszyklus einer Straße betrachten – bis an ihr Lebensende, dem Abbruch“, erklärte Wathne und lieferte spannende Zahlen zur Klimaerwärmung und zum CO2-Ausstoß wie auch zur Wärmeabgabe in Städten: 60 Prozent von Städten sind Dächer und Straßenbeläge. Der CO2-Ausstoß beim Befahren der Straßen wird z. B. ignoriert – ein Versäumnis, wie Wathne überzeugt ist, mit gewaltigen Potenzialen, bei dem vor allem die Forschungsinstitute zu Betonstraßen gefordert sind.


Steigerung der Lebensqualität
Sevilla gilt als heißeste Stadt Europas – mit Temperaturen bis zu 47 Grad werden an Beton für Fahrbahnen besondere Anforderungen gestellt, neun Millionen Tonnen Beton und Zement werden in Andalusien jährlich verbaut – und hat den höchsten Zementverbrauch ganz Spaniens. Bei dem Symposium setzen sich internationale Experten von Südafrika bis Österreich mit dem nachhaltigen Bau und Betrieb von Betonsstraßen auseinander.

Die Teilnehmer kamen aus 35 Ländern zu dem alle vier Jahre stattfindenden Symposium. Aniceto Zaragoza, Präsident der European Concrete Paving Association, Eupave, betonte in seiner Eröffnungsrede den Titel des Symposiums „Die Antwort auf neue Herausforderungen“, mit allen Aspekten des Klimaschutzes, steigenden Rohstoffpreise, neue Kosteneffizienzmaßnahmen wie auch Nachhaltigkeit und mehr Wirtschaftlichkeit: „Große Herausforderungen liegen in der Organisation des öffentlichen Verkehrs – wir müssen ökonomische Lösungen finden.“ Der öffentliche Verkehr, vor allem bei Bus und Tramways, ist der Schlüsselfaktor der Zukunft, so waren sich die Experten einig. Denn dieser muss besser in urbane Strukturen implementiert werden. Die Steigerung der Lebensqualität ist dabei das Ziel: mit weniger Lärm, weniger CO2-Austoß und mehr Komfort für die Nutzer.

Die European Concrete Paving Association (Eupave), die Spanish Cement Association (Oficemen), das Spanish Institute of Cement und Applications (IECA) und die World Road Association (PIARC) sind die Veranstalter des Symposiums. Bei den Exkursionen wurde unter anderem die höchste Brücke Europas besucht, die zurzeit in Bau ist, mit 180 Metern Höhe knapp 60 Meter über dem Meeresspiegel liegt und mit mehr als drei Kilometer Länge die Teilnehmer beeindruckte. Für Spannung sorgte Charlotte Milachowski von der TU München, die die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit zu den Lebenszykluskosten von Straßen präsentierte.

Dabei verglich sie Asphalt- mit Betonbelägen und kam zu beeindruckenden Ergebnissen: Betonstraßen mit ihrer Lebensdauer und stabilen Eigenschaften hinsichtlich Festigkeit, Griffigkeit, Helligkeit und Verschleißwiderstand bieten nicht nur geringere Kosten auf die Lebensdauer gerechnet. Der geringe Wartungs- und Reparaturbedarf wie auch die hohe Sicherheit dank innovativer Einbaumethoden zur Flüssigkeit und Sicherheit des Verkehrs sind weitere wesentliche Parameter. „Die Vorgaben zur CO2-Reduktion zwingen Verkehrsplaner und -betreiber zum Umdenken. Immerhin: Der Verkehr ist für 20 Prozent des CO2-Ausstoßes verantwortlich.“

Österreichs Vorreiterrolle
Die österreichische Beton- und Zementindustrie, vertreten durch Felix Friembichler, Frank Huber und Johannes Steigenberger, der Asfinag wie auch durch Baufirmen wie z. B. Alpine, Habau, Terrag Asdag und Maba, informierten sich beim Betonstraßensymposium über neueste Technologien und Anwendungen. Nicht zuletzt unter den Konsequenzen der Wirtschaftskrise wurden ökologische und ökonomische neue Ansätze diskutiert. Recycling ist weltweit ein wichtiges Thema. Die Zusammenführung der internationalen Forschungsergebnisse haben zum Ziel, Beton als das nachhaltigste Material im Infrastrukturbau weiterhin zu forcieren.

Österreichs Erfahrungen mit innovativen Betonfahrbahnen für hochrangige und hochbelastbare Straßen zählten zu den Top-Themen des Symposiums. Johannes Steigenberger, Leiter des Forschungsinstitutes der österreichischen Zementindustrie (VÖZfi), referierte als Vertreter des PIARC den General Report „Sustainable Construction“.

Weitere österreichische Beiträge folgen über Erfahrungen von Kreisverkehren mit Betonbelag von Steigenberger über die Erhöhung der Sicherheit durch Betonbeläge durch Stefan Krispel, Leiter der Abteilung Beton, VÖZ, sowie über Erwärmungseffekte im städtischen Bereich während sommerlicher Hitzewellen durch Martin Peyerl. „Mit unseren Beiträgen stellen wir unseren Anspruch, einer der Innovationsführer der Zement- und Betonindustrie in Europa zu sein, erneut unter Beweis“, erklärt Felix Friembichler, Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie.

Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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