Direkt zum Inhalt

Technische Herausforderung

08.04.2011

Das architektonische Konzept des neuen Busbahnhofs in Merseburg verlangte von der Bauausführung und vor allem vom Schalungsbau eine besondere, schalungstechnische Lösung – ein Bravourstück gelang.

Es ist ja noch keine große Sache: 760 Quadratmeter Sichtbetondecke – aber das ganze fugenlos und sozusagen in einem Guss, das stresste die Bauausführung zunächst schon. Beim Lokalaugenschein erklärt Claudia Janich als Bauherrenvertreterin und dem Architekturbüro Weiß/Schellenberg die Idee dahinter: „Wir setzen weithin ein Zeichen mit dem Busbahnhof – deshalb planten wir den Buchstaben M für Merseburg als Sichtbetondach. Mir war klar, dass unsere Vorgabe eine sehr spezielle Oberflächenanforderung ist – die aber Meva in Zusammenarbeit mit dem Bauunternehmen Kramer perfekt umsetzte.“

Die Ausschreibung „Sichtbetondecke, fugen- und stoßfreie Deckenuntersicht“ verlangte eine Schalungshaut, die vollflächig verschweißt und ohne sichtbare Plattenstöße ist. Die Aufgabe ist weltweit einzigartig und somit ein internationales Bravourstück des Schalungsbauunternehmens. Aber auch die äußeren Rahmenbedingungen verschärften die Ausführung: Es regnete vergangenen Herbst ohne Unterlass, der Regen ging im Dezember – in der eigentlich geplanten Betonierphase – in für Merseburg ungewöhnliche Schneemengen über. Damit stand die Ausführung vor einem Temperatur- wie auch Nässeproblem. Doch mit geringer Zeitverzögerung gelang es dem Team, den Zeitplan so gut wie einzuhalten.

Verlangt war die Betonqualität SB4 mit besonders hoher gestalterischer Bedeutung. Damit mussten auch großflächigen Verfärbungen, verursacht durch Ausgangsstoffe verschiedener Art und Herkunft, sowie jede Vorbehandlung der Schalhaut verhindert werden. Aber auch die Ebenheitsanforderungen nach DIN 18202 waren extrem. Rolf Spahr, verantwortlicher Schalungsbauleiter von Meva, erklärt dazu: „In der Schalhaut durften keine Bohrlöcher zu sehen sein, keine Nagel- und Schraublöcher, kein Aufquellen der Schalhaut im Schraub- und Nagelbereich, keine Kratzer und natürlich keine Zementschleier. Damit waren Holzmehrschichtplatten von vornherein ausgeschlossen. Die Alkus-Platte erfüllte – da sie ohne Einschränkungen verschweißt werden kann – als einzige die architektonischen Anforderungen.“

Aufgrund des eigenwilligen Entwurfs war eine industrielle Vorfertigung von Großflächenplatten nicht möglich. Nach geometrischer Durcharbeitung und Optimierung des Schalungsplans entschied Spahr eine Plattengröße von 3,60 mal 1,35 Meter mit Ergänzungsplatten von 1,35 mal 1,35 Meter. Diese wurden in Reihen mit gleichmäßig durchlaufenden Fugen auf Lücke mit etwa zwei bis drei Millimeter auf den Trägerrost des Traggerüsts ausgelegt. Vor allem mussten die Deckenplatten nach Betonage und Absenken des Traggerüstes wieder ausgeschalt werden. Aber auch bezüglich der Wiederverwendung der Schalplatten stand die Ausführung vor einem Rätsel – denn nur so ist auch die Wirtschaftlichkeit der Alkusplatten gewährleistet. Silvio Hammer, Polier von Kramer, bestätigt die Herausforderung – nicht zuletzt aufgrund der vielen Feuchtigkeit während des Baus. Doch vier Stunden vor Beginn der Betonage reinigte die Baufirma die Platten mit einem Hochdruckreiniger, und so gelang eine makellose Arbeit. Nach der Auslegung der Platten wurde auf der Decke ein die Deckenbreite umfassendes mobiles Zelt aufgebaut – da kein Wasser vor dem Auftragen des Betons auf die Platten kommen durfte.

Betoniert wurde von einem Dachende beginnend mit 40 Kubikmeter Beton pro Stunde, also etwa sieben Stunden für die benötigten 265 Kubikmeter Stahlbeton. Drei Arbeiter saugten laufend das Rest- oder Regenwasser von der Schalhaut ab. Mit dem Zement von Dyckerhoff gelang die gewünschte helle und pastellfarbene Oberfläche. Der frische Beton wurde sofort mit einer Folie abgedeckt und zusätzlich mit Wärmematten während der zehntägigen Abbindezeit konstant auf rund zehn Grad Celsius gehalten.

(Redaktion: Gisela Gary)

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
Werbung

Weiterführende Themen

News
11.12.2013

Mit Beginn des Jahres 2014 übernimmt die Würth-Hochenburger GmbH den Teilbereich "Bauprodukte" der Fa. Nägelebau GmbH.

News
11.12.2013

Teckentrup bietet im Bereich Türen und Tore Lösungen für alle Größen an. Nun will das Unternehmen mit einer Niederlassung seine Aktivitäten in Österreich verstärken.

News
27.11.2013

Die Firmengruppe Eder bietet auch kommendes Jahr wieder ein umfassendes Schulungsprogramm für Baumeister und Planer an. Das Thema des Expertenforums 2013/14 lautet „Massivhäuser richtig planen und ...

News
27.11.2013

Für die Errichtung und Gestaltung des Dorfplatzes in Wopfing erhielt Baumit Wopfinger den Anerkennungspreis "Maecenas Niederösterreich". Der Preis wird jedes Jahr für außergewöhnliche ...

News
27.11.2013

Der neue Volvo-Vertriebspartner Ascendum will die Umsätze und den Gewinn kräftig steigern. Die neuen Märkte in Zentraleuropa sollen dazu beitragen.

Werbung