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Die Baubranche ist gewohnt schnell wieder Mut zu fassen, wenn etwas danebengegangen ist – auch wenn dies Covid-19 ist -, zeigt sich Anton Rieder überzeugt.

Tiroler Baubranche trotz Covid-19 im Aufbruch: Jetzt erst recht!

01.04.2020

Anton Rieder, Tiroler Landesinnungsmeister und GF von Riederbau, im Interview über Covid-19, die Lage der Tiroler Bauunternehmen und was die größte Herausforderung bei der Umsetzung der Schutzmaßnahmen sein wird.

Wie ist die aktuelle Lage gerade in Tirol?

Anton Rieder: Persönlich geht es mir zum Glück gut, aber wir haben anstrengende Wochen hinter uns. Die Baubranche in Tirol stand de facto die letzten 14 Tage lang still.

Wie kann man sich die letzten 14 Tage vorstellen?

Rieder: Die Verunsicherung bei den Unternehmen war anfänglich sehr groß. Keiner wusste ganz genau wie man mit der Situation umgehen kann. Unsere Telefone in der Landesinnung sind glaube ich keine fünf Minuten stillgestanden. Rund 90 Prozent der Unternehmer wollten ihre Baustellen einfach einstellen, hatten aber keine Rechtssicherheit und wurden von der Politik schmerzlich im Stich gelassen. Wir als Firmen haben nur gehört, dass wir weiterarbeiten sollen. Dann hätte aber auch die Politik die Voraussetzungen dafür schaffen müssen. Hinzu kommt, dass Tirol unter Quarantäne steht und dadurch nochmals andere Regel gelten. Wir haben aber wie alle bis letzten Freitag warten müssen, bis die Bundesregierung – um mehr Rechtssicherheit auf den heimischen Baustellen zu schaffen – den Vorschlag der Sozialpartner angenommen hat.

Hat sich daran etwas verändert?

Rieder: Der unglaublich große Vorteil der Baubranche ist, dass wir gewohnt sind schnell wieder Mut zu fassen, wenn etwas danebengegangen ist. Das hilft in der aktuellen Situation ungemein. Ich sehe es bei uns im Unternehmen und auch bei den anderen Firmen: Es herrscht Aufbruchsstimmung, ein wenig nach dem Motto „jetzt erst recht“. Entwickelt sich die Lage so weiter wie bisher, ist ein Vollbetrieb nach Ostern möglich.

Sind Sie mit der Lösung, die die Sozialpartner ausgehandelt haben, zufrieden?

Rieder: Es ist eine gute Lösung, die den Baufirmen Rechtssicherheit gibt. Trotzdem gilt festzuhalten, dass sie natürlich eine Gratwanderung zwischen dem wirtschaftlich Funktionieren und dem gesundheitlichen Schutz der Mitarbeiter ist. Leider weiß keiner gerade „die Lösung“ für den Umgang mit Covid-19 und falls wir es nicht schaffen die Bevölkerung genügend zu sensibilisieren, dann werden wir Zustände wie in Südtirol bekommen. Und das will niemand.

Gibt es überhaupt genügend Schutzausrüstung um die Teams auf den Baustellen damit auszustatten?

Rieder: Die Grundausstattung ist bei den meisten Firmen vorhanden, damit man die Baustellen wieder schrittweise starten kann. Danach ist es natürlich eine Frage der Verfügbarkeit sowie der Lieferzeiten. Das muss aber jedes Unternehmen für jede Baustelle einzeln bewerten. Das größere Problem, das ich sehe, ist den Mitarbeitern die unbedingte Notwendigkeit diese Schutzausrüstung zu tragen verständlich zu machen. Wenn ich mir überlege, wie schwer es war gewissen Arbeitern beizubringen, dass es wichtig ist einen Helm auf der Baustelle zu tragen, frage ich mich ob sie diese Notwendigkeit schneller akzeptieren können und wollen.

Wie sieht es auf der Seite der Materialien aus: Kann es hier zu Engpässen kommen?

Rieder: Aktuell sollten wir keine Engpässe bei den notwendigen Ressourcen haben – die Vorräte der letzten 14 Tage sind ja noch da. Aber hier kann es natürlich zu Engpässen kommen. Das wird aber die nächsten Monate über leider ein Normalzustand werden, es wird ein stetiges Auf und Ab.

Kann man schon die Mehrkosten pro Baustelle für die Bauherren ungefähr abschätzen?

Rieder: Im Moment gibt es keine Möglichkeit die Mehrkosten und Mehraufwände genau zu beziffern. Es werden aber für jede Baufirmen große und länger dauernde Diskussionen mit den Bauherren werden.

Gibt es von Ihrer Seite einen Wunsch an die Politik?

Rieder: Ich würde mir wünschen, dass aktuell sehr flexibel gehandelt wird. Wir brauchen öffentliche Aufträge, die Vergabeverfahren sollten nicht unnötig in die Länge gezogen werden und zusätzliche Bürokratie sollte vermieden werden.

Autor/in:
Christoph Hauzenberger
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