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Überschaubares statt Klimmzügen

18.06.2010

Karl Steinmayr ist in seinem Traumjob gelandet: In einem traditionellen oberösterreichischen Familien­unternehmen. Der Bau fasziniert ihn. Überschaubarkeit ist ihm wichtig, ohne spektakuläre Klimmzüge.

Die Lage des Hauptsitzes des Bauunternehmens Habau am Rande von Perg ist idyllisch. Kaum zu glauben, dass von hier aus die Geschicke eines Familienunternehmens – mittlerweile in der Größe eines Baukonzerns mit 3.700 Mitarbeitern und 820 Millionen Umsatz – gelenkt werden. Kein repräsentativer Glasbau, kein aus Architekturzeitschriften bekannter Tower in urbaner Lage – dafür bietet der Firmenstandort eine unendliche Weite vor den Fenstern.

 Große Sprüche und protziges Getue sind auch nicht Ingredienzien der Philosophie des kaufmännischen Geschäftsführers der Habau, Karl Steinmayr. Der Ober­österreicher hatte jedoch einen weiten und emsigen Weg, bis er bei der Habau gelandet ist. Tatsächlich als persönliche Landung sieht der studierte Jurist seinen Job in dem Baukonzern.

„Es hätte mir nichts Schöneres passieren können, weil ich liebe meine Arbeit und die Baubranche, mit ihrer ganzen Unberechenbarkeit“, lacht Steinmayr.

Freundlich, offen und hell wird man als Besucher bei der Habau empfangen – auch wenn man auf dem Weg dorthin versucht ist, bei der einen oder anderen „Habau“ stehenzubleiben. Doch erweisen sich diese allesamt nur als Zweigstellen, Lagerplätze oder eigenständige Häuser – die Gründerfamilien führen unter anderem je noch eine Immobilienfirma. Die Eigentümer halten sich zurück, lassen die drei Geschäftsführer werken.


Der Familienmensch

Steinmayr erscheint nicht ganz pünktlich – dafür umso besser gelaunt. „Ich arbeite wirklich gern, mir macht mein Job Spaß“, lacht Steinmayr. Das klingt authentisch. Ein kurzer Blick auf das Backoffice bestätigt seine Aussage und untermauert die positive Stimmung, die hier in Perg herrscht.

Seine erste Unternehmensführungs­erfahrung absolvierte Steinmayr bei Pappas als kaufmännischer Leiter in Linz, später als kooptiertes Mitglied der Konzerngeschäftsführung in Salzburg und in Linz. 15 Jahre blieb er Pappas treu.

Familienstrukturen mit einem patriarchalischen Führungsstil liegen dem im Sternzeichen der Jungfrau Geborenen wesentlich mehr als Konzernstrukturen. „Die Wege sind kürzer, ich komme viel rascher zu Entscheidungen“, grinst Steinmayr.

Eben einfach effizient, eine Eigenschaft, die auch zu seinem Charakter zählt. Denn Steinmayr ist kein Freund von endlosen Meetings – „es gibt nichts, was man nicht auch flotter abhandeln kann. Mein Ziel ist, immer sehr rasch auf den Punkt zu kommen.

“ Auf gleicher Ebene mit den technischen Geschäftsführern Karner (Hochbau) und Trauner (Tiefbau) ist er mittlerweile seit zwei Jahren für die Finanzgebarung der Habau – höchst erfolgreich – verantwortlich. Steinmayr ist in Wolfern bei Steyr aufgewachsen, mit zwei Geschwistern. „Ich wollte einfach immer nur zählen und nicht messen“, so Steinmayr zu seinen Talenten. Nein, Baumensch war er ursprünglich keiner.

Nach harten, aber fairen acht Jahren Internet im Stiftsgymnasium Seitenstetten begann er, Jus zu studieren: „Ich hätte mich ohne diese Schule persönlich nie so weiterentwickelt, ich bin von der straffen Führung des Internats überzeugt.“ Disziplin und Konsequenz sind Fähigkeiten, die er dort gelernt hat. Die Eltern besaßen eine große Landwirtschaft und ermöglichten den Kindern die beste Ausbildung.

Das kaufmännische Interesse kam aber bei Sohn Karl erst viel später hinzu. Mit 23 Jahren begann er bereits mit seinem Gerichtsjahr und anschließend in der Rechtsanwaltskanzlei Beuerle/Oberdorfer als Konzipient. Doch bald erkannte der Jungjurist, dass die Streiterei nicht unbedingt seines ist, eher das Konstruktive.

Der Zufall half dann ein bisschen mit. „Internorm plante eine Stelle für Recht und Revision, direkt dem Eigentümer und der Finanzdirektion unterstellt – das war mein Sprung in die Wirtschaft und nicht zuletzt auf den Bau“, schmunzelt Steinmayr. Kurzum wurde Recht und Finanzen zusammengelegt. Tags darauf saß Steinmayr in einem Buchhaltungskurs und absolvierte nach und nach Prüfungen für Aufgaben im kaufmännischen Bereich. Die Konsequenz, Begonnenes fertigzumachen, das ist ein weiteres Ergebnis seiner Erziehung, wie Steinmayr einräumt.


Ruhe und Gelassenheit

Ein Durchstarter, so wirkt’s auf den ersten Blick. „Ja“, lacht Steinmayr, „Dinge, die mich vor zehn Jahren noch zur Weißglut brachten, bringen mich heute kaum mehr aus der Ruhe. Das ist vermutlich meine Lebenserfahrung. Ich staune immer wieder, dass es viel mehr Leute gibt, die sich überschätzen als unterschätzen“, so Steinmayr.

Hochachtung zeigt er vor Georg Pappas, der den Aufbau der Alpine mit einer Art Baumaschinenverleih begann: „Ein Pionier­unternehmer mit dem richtigen Riecher fürs Geschäft“, zeigt sich Steinmayr neidlos und respektvoll wie ebenso gegenüber den Herren Aluta und Mierl, die ihn hart her-, aber schnell angenommen haben. Doch er will das Überschaubare, Klimmzüge sind nicht seine Leidenschaft. Einige Male schon hat ihm seine Juristenausbildung in den unterschiedlichsten Lebenslagen geholfen.

Die Erweiterung seines Wissens ergab sich von Job zu Job – von der Produkthaftung und Gewährleistung über versteckte Mängel aus der Fensterbranche bis zum Kaufvertragsrecht bei Pappas und Vergaberecht am Bau. „Jus ist eine gute Basis für alle Aufgaben. Ich bin davon überzeugt, dass die in der ersten Reihe keine Fachexperten sein sollen, die müssen viel breiter aufgestellt sein“, erklärt Steinmayr – ein Blick auf seinen Lebenslauf beweist sein breites Wissen und umfassendes Know-how.

Inzwischen hat Steinmayr wesentlich zur Kompetenzerweiterung der Habau beigetragen, zuletzt mit dem Kauf der Östu Stettin, denn der Tunnelbau hat noch gefehlt. Doch schon ist er weiter auf Einkaufstour – das Objekt der Begierde wird uns leider nicht verraten. Sein Ziel ist, die Größe zu behalten: „Aber wir nehmen es durchaus in Kauf, dass wir kleiner werden, wenn es vom Markt her notwendig ist. Angeblich kommen Investitionen von Land und Bund, aber die Gemeinden haben schmale Budgets.“


Ehrgeizig und interessiert

Bei all dem Ehrgeiz gibt es noch Platz für ein Privatleben? „Ja, aber natürlich manchmal unter veränderten Rahmenbedingungen“, lacht Steinmayr. Es gibt zwei Kinder aus erster Ehe im Alter von 21 und 18 Jahren. Die Tochter studiert Jus. Der Mittlere macht gerade Matura. Der „Kleine“, in die Beziehung von der nunmehrigen Gattin eingebracht, übt sich in der HLFSA DH3 in St. Florian.

Keine ausgefallenen Hobbys? „Na, ich fahre gern schöne Autos“, gesteht Steinmayr schmunzelnd, „meistens hab ich zwei Autos und ein Motorrad.“ Doch alles mit Maß und Ziel – Steinmayr ist bescheiden, „ich führe kein aufwändiges Leben, ab und zu einen Kurzurlaub, ich brauche nicht viel Zeit zum Aufladen, und nach einer Woche plagt mich ohnehin schon das schlechte Gewissen, vor allem wenn keiner aus der Firma anruft.“ Die „typischen“ Hobbys der Baubranche wie Golf und Jagd sind nichts für Steinmayr. Von übertriebenen Netzwerk-Großveranstaltungen hält er ebenso nichts: „Wenn ich mit jemandem reden will, muss ich einen persönlichen Zugang zu ihm haben.“

Beziehungen, Netzwerke, Bauwirtschaft? „Nein, das erlebe ich nicht so. Ich treffe mich sicher nicht mit Leuten, die mich nicht interessieren, mit denen ich gar nicht sprechen will. Andererseits ist es sicher ein Manko in der Bauwirtschaft, dass unsere Leistungen zu wenig fair beurteilt werden und ein extremer Preiskampf herrscht.“


Kurzarbeit ist keine Lösung

„Was ist der Unterschied zwischen Marketing und Korruption? Ich finde es korrekt, wenn ich offenen Fragen mit einem Kunden bzw. mit meinen Auftraggebern im Rahmen eines Essens ausdiskutiere – doch je nach Restaurant gilt das bereits als Bestechung“, ärgert sich Steinmayr. Dieser übertriebene Pönalisierungscharakter wird alle zu korrekten Angsthasen erziehen. Sehr kritisch ist seine Haltung gegenüber der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Situation Europas.

„Wir haben ein Grundproblem, wir haben jahrelang viel mehr ausgegeben, als wir hatten. Wir werden alle dieses Verhalten in der Vergangenheit zahlen müssen, und es sollte fair analysiert werden, wem wie viel weggenommen werden kann. Das Sozialsystem ist in dieser Form nicht mehr leistbar, das ist vollkommen klar – da braucht es neue Ansätze.

Aber grundsätzlich sollte dort etwas weggenommen werden, wo es ohne Leistungsprinzip zu viel gibt. Aber dieser Ansatz ist zurzeit noch immer nicht populär, es fehlen die Konsequenzen zu einschneidenden Schritten. Solange die Wählerstimme vor der Problemlösung steht, wird sich nichts ändern. Ich sehe auch in der Kurz­arbeit keine Lösung. Die Perspektiven fehlen und offensichtlich die hemdsärmeligen Typen dazu, die sagen, so, jetzt ist Kassensturz und mal Schluss mit dem Ausgeben.

Die Verschuldungen der Länder sind gewaltig. Ich frage mich, warum ein Land nicht auch einfach in Konkurs gehen kann? Ich kann doch auch als Privater nicht ewig auf Pump leben, ewig über meine Verhältnisse leben.“ Die Habau musste auch in der Konjunkturflaute niemand kündigen. Mitarbeiter fair zu behandeln und vor allem auch fest an das Unternehmen zu binden ist ein wesentlicher Bestandteil der Firmenphilosophie.

Wo sehen Sie denn Ihre Schwächen? „Über die habe ich eigentlich noch nie nachgedacht“, lacht Steinmayr, „vielleicht sind meine Schwächen durch diverse Stärken ganz gut kaschiert. Aber vielleicht bin ich manchmal ein bisschen zu offen und taktiere dagegen viel zu wenig, aber deshalb bin ich noch nie so richtig auf die Nase gefallen.“

Welche Zukunftsträume haben Sie? „Ich hoffe, alles so erhalten zu können – beruflich wie auch privat. Denn ich finde, es geht uns doch sehr gut, wir führen hier in Österreich schon ein bisschen ein Inseldasein, ich bin sehr zufrieden.“

Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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