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Üblen Gerüchen auf der Spur

21.05.2010

Detektivische Meisterleistungen und eine feines Geruchsorgan sind bei den neuen Experten, den „­Sensorischen Geruchsprüfern“, gefragt. Sie prüfen und bewerten ungewünschte Gerüche im Innenraum.

Wohlbefinden und Gesundheit zählen längst zu den wesentlichsten Aspekten im Wohnraum. Doch immer wieder schleichen sich Schadstoffe in die Innenräume ein – und bestätigen ihre Präsenz oft auch durch unangenehme Gerüche. Zwar müssen diese nicht immer automatisch gefährlich für die Gesundheit sein, sie wirken sich jedoch gehörig auf die Lebensqualität der Bewohner aus. Neue Spezialisten sollen nun den unerwünschten Duftnoten den Garaus machen.

Gerüche beurteilen
„Zertifizierte sensorische Geruchsprüfer“ werden die Absolventen ganz spezieller Seminare des Instituts für Ökologie, Technik und Innovation (ÖTI) genannt. „In den letzten Jahren ist eine zunehmende Sensibilisierung in diesem Bereich festzustellen. Die Anfragen und Gutachtenaufträge zum Thema Geruch sind ansteigend“, berichtet dazu Brigitta Colbert vom ÖTI. Die häufigsten Fragen hierbei: Wie können Art und Intensität von Gerüchen beurteilt werden? Wie ermittelt man eine spezifische Geruchsquelle? Wie kann ich eine etwaige Gesundheitsgefährdung beurteilen?

Um solche Fragen seriös beantworten zu können, bedarf es einer objektiven Beurteilung hinsichtlich Art und Intensität, aber auch eines umfangreichen Wissens über Gerüche von Bauprodukten und Innenausstattung. Die Grundlage dazu bilden die ÖNorm S5701 „Sensorische Bestimmung der Intensität und Art von Gerüchen in der Innenraumluft – Anforderungen für Vor-Ort-Prüfungen“ sowie die ON-Regel ONR 195702 „Sensorische Bestimmung der Intensität und Art von Gerüchen von Bauprodukten und Luftproben aus dem Innenraum – Anforderungen für Prüfungen im Labor“. Um diese hohen Anforderungen einzuhalten, führt das ÖTI gemeinsam mit dem Austrian Standard plus Certification Seminare und Zertifikationen von sensorischen Geruchsprüfern durch.

Vor allem geht es um die Eignung der potenziellen Geruchsdetektive. Nicht jede x-beliebige Nase ist für den herausfordernden Job geschaffen. Um eine Zertifikation als Geruchsprüfer bekommen zu können, ist ein feines Geruchsorgan vonnöten: Der sogenannte SDI-Wert (Gesamtpunktezahl aus Schwellenwerttest, Diskriminationstest und Identifikationstest) darf nicht unter 31 Punkten liegen, innenraumtypische Geruchsstoffe müssen bekannt sein und müssen auch objektiv beschrieben werden können. Aber auch ein ausgezeichnetes „Geruchsgedächtnis“ ist Voraussetzung. Diese Voreussetzungen verlangen Übung.

Bildungslücke schließen
„Wir haben gesehen, dass es gerade auf diesem Gebiet keine adäquate Ausbildung gibt. Mit unserem Seminar und der jetzt vorhandenen Möglichkeit sich zum zertifizierten Geruchsprüfer ausbilden zu lassen, wird diese Lücke geschlossen“, erklärt ÖTI-Seminarleiter Gerald Saleschak. Und auch die Absolventen sind vom großen Nutzen der neuen Ausbildung überzeugt. Wichtiges Know-how und neue Arbeitsbereiche können erschlossen werden, so die einhellige Meinung. Ein Minimum an sechs Stunden, basierend auf den Inhalten der ÖNorm, sowie ein positives Ergebnis bei der Abschlussprüfung in Theorie und Praxis werden verlangt, dann darf man sich als zertifiziert betrachten. Zumindest für ein Jahr, danach ist jährlich eine praktische Prüfung zur Auffrischung vorgeschrieben.

Helmut Melzer

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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