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Umsatzhoch im Tiefbau

21.12.2004

Die europäische Wirtschaft entwickelte sich 2004 laut Wirtschaftsforschungsinstitut Österreich (Wifo) positiv. Europa profitiert von der Verbesserung der Weltwirtschaft. Verantwortliche Triebkraft sind die gestiegenen Exporte. Das Bruttoinlandsprodukt wird in Österreich wie auch in den restlichen EU-Ländern 1,9 Prozent erreichen.
Die österreichische Bauproduktion liegt heuer über dem EU-Schnitt. Der Produktionsindex betrug plus 3,4 Prozent, während er in Europa bei 0,2 Prozent lag. Trend am Bau für 2004: Der Tiefbau legt zu, der Hochbau ist gebremst.
Die „Großen“ der heimischen Bauwirtschaft klagen nicht – die Porr blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2004 zurück: „Für uns war das zu Ende gehende Jahr mengenmäßig durchaus zufrieden stellend, wenn wir auch nur leichte Zuwächse verbuchen konnten. Das Roadpricing war für uns zum Beispiel ein wichtiger Eckpfeiler wie auch der Start von Private-Public-Partnership-Projekten (PPP). Insgesamt hat sich der Tiefbau besser als der Hochbau entwickelt, diese Entwicklung wird sich 2005 fortsetzen. Im Bürobau gibt es nach wie vor viele Leerstände. Im Hochbau gibt es von der öffentlichen Hand durch den Druck von Rationalisierungsmaßnahmen einen hohen Bedarf an Neubau und Sanierung. Der Wohnbau hat sich für uns wiederum nicht so schlecht entwickelt“, erklärt Horst Pöchhacker, Generaldirektor Porr.
Vor wenigen Tagen übernahm die Porr die Wiener Betriebs- und Baugesellschaft Wibeba, die mit einer Jahresbauleistung von über 100 Millionen Euro und rund 800 Mitarbeitern vor allem im Hochbau tätig ist. Für das kommende Jahr setzt Pöchhacker auch auf die jungen Eu-Beitrittsländer: „Hier sind Hochbau-Projekte sicherlich interessant. Während Hochbau-Aufträge eher von Privaten kommen, werden Tiefbau-Beauftragungen fast ausschließlich von der öffentlichen Hand vergeben – dort sehen wir für das kommende Jahr auch noch Potenzial. Ein wichtiger Impuls für die heimische Bauwirtschaft wäre, dass endlich in den Energiebau investiert wird. Denn vor allem im Kraftwerksbau gibt es einen enormen Bedarf, auch in den EU-Beitrittsländern.“
Auch die Strabag ist mit dem Jahr 2004 zufrieden, das vor allem durch Infrastrukturaufträge und verstärkte Ostaktivitäten geprägt ist. Das neueste Projekt ist die Errichtung eines Zementwerkes in Südungarn. Bis Ende Jänner 2005 soll über den genauen Standort der 27-Milliarden-Forint-Investition entschieden werden.

Kampf um Aufträge
Die österreichischen Baufirmen (ohne Baunebengewerbe) hatten Ende August 2004 einen Auftragspolster von insgesamt 4,7 Milliarden Euro und damit um 7,1 Prozent mehr Aufträge als im Juli des Vorjahres. Im Hochbau stieg der Auftragsbestand um 5,7 Prozent, im Tiefbau um 10,8 Prozent. Laut Statistik Austria legte die Auftragslage in den Bundesländern Wien (plus 23,7 Prozent), Kärnten (plus 19,7 Prozent), Salzburg (plus 18 Prozent) und Niederösterreich (plus 9,6 Prozent) zu. In Tirol stieg der Auftragsbestand um 3,4 Prozent, in Vorarlberg um 2,7 Prozent. Auftragsflaute herrschte vor allem im Burgenland (minus 15,3 Prozent). In Oberösterreich sank der Auftragsbestand um 7,7 Prozent, in der Steiermark um 4,1 Prozent. Tatsächlich musst die heimische Bauwirtschaft zur Jahreshälfte 2004 im Vergleich zum Juni des Vorjahres laut „Bau-Analyse“ der Statistik Austria 2.462 Beschäftigte abbauen. Im Hoch- und Tiefbau sank die Beschäftigung auf 91.640 Personen.
Walter Ruck, Innungsmeister-Stellvertreter Landesinnung Bau Wien, beschreibt eine gedämpfte Stimmung in der Bundeshauptstadt: „Die Wiener Bauwirtschaft erlebte im Jahr 2004 nicht den Aufschwung, der von Politikern und Wirtschaftsforschern dem Wirtschaftsmotor Bauwirtschaft gerne zugeschrieben wird. Die Auftragslage, vor allem im Hochbaubereich, lag doch einiges unter den Erwartungen. Besonders die Wiener Baubetriebe hatten auch im Jahr 2004 mit der Konkurrenz durch unseriöse Mitbewerber zu kämpfen. Die Auftraggeber zu überzeugen, nicht die Billigsten sondern die Besten zu beauftragen, war daher ein besonderer, leider oft unerfüllter Wunsch. Auch alle gegen das Scheinfirmenunwesen gerichteten Maßnahmen, wie die verstärkte Zusammenarbeit der Behörden und schärfere Kontrollen, prägten die Erwartungen der Wiener Baubetriebe.“ Für 2005 sieht Ruck ein starkes Potenzial an Aufträgen im Bereich Renovieren: „Wohnungen, Geschäftshäuser, Spitäler, zugehörige Infrastrukturmaßnahmen und anderes mehr – und dies in der Großstadt, die den neuen EU-Partnern am nächsten liegt und in der ein ständig steigender Zuwachs zu erwarten ist. Ob gebaut und renoviert wird, liegt vor allem am wirtschaftlichen Vertrauen und den Erwartungen der Auftraggeber in die Zukunft. Politische Entscheidungen, nicht nur in Österreich und auch nicht nur in der EU, beeinflussen dieses Vertrauen.“

Straßenbau weiter stark
Peter Scherer, Bundesinnung Bau, blickt dem „Bau“-Jahr 2005 positiv entgegen: „Für 2005 kann man von einer positiven Entwicklung im Hoch- und Tiefbau ausgehen. Der Tiefbau wird besonders durch den zunehmenden Ausbau der Straßen-Infrastruktur zu den östlichen Nachbarn profitieren. PPP-Modelle könnten für eine zusätzliche Belebung sorgen. Der Eisenbahnoberbau wird 2004 noch negativ abschließen. Mittelfristig sorgen Finanzierungszusagen des Bundes für den Ausbau des Schienennetzes bis 2007 für einen Aufwärtstrend.“ Für den Wohnbau zeichnet sich durch einen Rückgang der Bewilligungen ab 2003 eine stagnierende Entwicklung ab. „Im Bürobau bestehen nach wie vor Überkapazitäten, eine Belebung ist frühestens 2006 zu erwarten. Der Industriebau könnte bei positiver Entwicklung der Gesamtwirtschaft ab 2006 wieder zulegen. Die Entwicklung der Sanierungstätigkeit ist eng an Rahmenbedingungen wie Förderungsmodelle gebunden. Diese sind in den einzelnen Bundesländern durchwegs unterschiedlich. Damit lassen sich auch die extremen Gegensätze der Entwicklungen 2004 erklären. Für 2004 wird in der Hochbausanierung ein Zuwachs von real zwischen zwei und drei Prozent erwartet. Ab 2005 wird die Sanierung auf hohem Niveau nur mehr langsamer wachsen“, so Scherer.
Mit Spannung beobachtet die Baubranche die neuesten Ideen von ÖBB-Chef Martin Huber, der eine „ÖBB“-Baufirma gründen möchte. 4000 ÖBB-Mitarbeiter sollen dort arbeiten – Konkurrenz für die Bauwirtschaft? „Zur Versorgung des überdimensionierten Personalapparates der ÖBB eine Baufirma zu gründen und damit mit reell kalkulierenden Unternehmen in einen ungleichen Wettbewerb zu treten, ist ein Schritt in die falsche Richtung“, kritisieren Hans-Peter Haselsteiner, Strabag und Vorstand des Fachverbandes der Bauindustrie, und Johannes Lahofer, Bundesinnungsmeister des Baugewerbes. Hauptkritikpunkt: Ein mit Steuergeldern subventioniertes Unternehmen, das nicht nach marktwirtschaftlichen Grundsätzen kalkulieren muss, erledigt nicht nur immer mehr in Eigenregie, sondern trete nun offensichtlich auch am öffentlichen Markt mit regulären Baufirmen in Konkurrenz. Der „Wettbewerb“ findet mit ungleichen Mitteln statt, da die ÖBB weder dem Bau-Kollektivvertrag noch der Bauarbeiter- Urlaubs- und Abfertigungskasse unterliegen.
Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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