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Ungewisse Zukunft von Wind und Wetter

25.03.2011

Seit 1851 sagt der nationale meteorologische und geophysikalische Dienst ZAMG das Wetter voraus. Mit wechselndem Erfolg, wie manche scharfe Zungen meinen. Dass die Prognose des Wetters aber eben keine einfache Sache ist, weiß auch Michael Hofstätter.

Als Meteoro­loge in der ZAMG-Abteilung für Klimaforschung hat Hofstätter täglich damit zu tun. Das Hauptproblem: eine Vorhersage für eine Großregion, die es so eigentlich gar nicht geben kann. Denn besonders Wetterextreme passieren in der Regel auf kleinem Gebiet. Wie heftige Sturmböen etwa, die in Österreich schon 150 km/h erreichen können. „Oft finden diese eng begrenzt auf zehn Metern Radius statt. Kurzfristige Windimpulse, die über dem Zweifachen der Mittelgeschwindigkeit liegen können“, erklärt der Experte anlässlich eines Symposiums des Instituts für Flachdachbau und Bauwerksabdichtung IFB.

Und Hofstätter räumt mit Fehleinschätzungen zum Klimawandel auf: Dass Wetterereignisse seit 1996 immer häufiger auftreten, sei keine Häufung. „Vielmehr melden mehr Leute mehr Ereignisse.“ Und generell ist es schwierig, vermeintliche Trends zu hohen Windgeschwindigkeiten zu analysieren. Zu viele Faktoren beeinflussen schon den Wind. So habe eine aktuelle Studie festgestellt, dass die Windgeschwindigkeiten in den letzten Jahren um zehn Prozent zugenommen haben. Die Begründung dafür: vor allem die zunehmende Bebauung. Aussagekräftige Ergebnisse können nur Simulationen, die die globalen Ereignisse auswerten, geben. „Und die kündigen für Europa leicht abnehmende, aber stärkere Stürme an. Allerdings betrifft das nur großräumige Tiefs. Was anderes wissen wir nicht.“ Letzteres übrigens ein ehrlicher Satz, den man von Hofstätter beim Thema Klimaprognosen durchaus öfter hört.

So auch beim Schneeaufkommen der Zukunft. „Da gibt es ein großes Fragezeichen. Schnee ist eine komplexe Größe und wird von vielen Faktoren beeinflusst.“ Da kann schon einmal das Jahr mit der größten Neuschneemengen auf ein Jahr mit der geringsten Schneemenge folgen. Warum das so passiert, bleibt den Meteorologen aber ein Rätsel. Hofstätter: „Wenn ich mich zu einer Aussage hinreißen lassen würde, dann dass sich das Schneeaufkommen zugunsten des Nass-Niederschlages verändert.“

Temperaturanstieg kommt
Generell, so der Wetterexperte, werde sich das jetzige Mittelmeerklima nach Norden verlagern. Gesichert ist zudem auch ein Temperaturanstieg. Aber auch der Niederschlag, sprich Regen, ist eine zu komplexe Größe, um fundierte Zukunftsaussagen tätigen zu können. Jedenfalls zeigt sich eine Parallelität mit dem Temperaturanstieg, da mehr Mengen an Wasserdampf vorhanden sein werden. Über Modellsimulationen erscheint aber wahrscheinlich: ein Ankurbeln des Wasserkreislaufs, Niederschlagszunahmen in Nord- und Mitteleuropa, zumindest bis zu den Alpen, mehrtätige Extreme und eine Abnahe der Niederschläge im Sommer. Doch Hofstätter relativiert: „Das Klima verändert sich ständig und erfordert laufende Anpassungen bei den Messungen.“
 

Helmut Melzer

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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