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Universität für Musik und darstellende Kunst - Der gute Ton als Ziel

15.11.2006

Unter dem Leitspruch „Ein einziger schöner Klang ist schöner als langes Gerede“ erfolgte die feierliche Eröffnung des soeben fertig gestellten zweiten Bauteils der Generalsanierung der Universität für Musik und darstellende Kunst am Anton-von-Webern-Platz im dritten Wiener Gemeindebezirk mit einem eindrucksvollen Beweis der Virtuosität der Musikstudenten.

Ein Rundgang durch das weitläufige Gelände macht deutlich: Dieser Ort ist zur Gänze von Musik umspielt. Aus den geöffneten Fenstern dringen Gesang und instrumentale Klänge nach außen und vereinen sich zu einer vielschichtigen Klangwolke, die dem Ort eine unverwechselbare Atmosphäre verleiht. Bis Mitte der 90er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts diente das locker bebaute Areal nahe dem Wiener Stadtpark der Veterinärmedizinischen Universität als Standort. Nach Absiedlung der veterinärmedizinischen Institute wurde das Gebäudeensemble der Musikuniversität als neue Heimstätte zugeteilt - ein Meilenstein in der knapp 200 Jahre langen Geschichte der musischen Lehranstalt. Der Großteil der bislang auf unzählige Standorte in Wien verteilten Einrichtungen konnte an einem Standort konzentriert werden. Die Umbenennung der Anschrift in Anton-von-Webern-Platz soll den Beginn dieser neuen Ära zusätzlich unterstreichen.

Dreistufige Sanierung

Im Zuge einer groß angelegten und mehrere Jahre dauernden Generalsanierung wurde der historische Bestand nach den Bedürfnissen der Musikuniversität adaptiert und erweitert. Am Beginn der regen Bautätigkeit auf dem neuen Universitätscampus stand die Generalsanierung des 1823 erbauten Hauptgebäudes nach den Plänen Reinhardt Gallister, die 1999 abgeschlossen wurde. Nach einer kurzen Baupause wurden im Zeitraum zwischen 2004 und 2005 die Filmstudios als Solitär errichtet. Auch für dieses Bauvorhaben zeichnete Gallister als Generalplaner verantwortlich. Parallel dazu wurde der groß angelegte Umbau des zweiten Bauteils, früher vorwiegend als Stallungen des k. u. k. Tierspitals genutzt, in Angriff genommen. Wieder war es Gallister, der den Entwurf für die Generalsanierung formulierte. Mit der Fertigstellung des vorerst letzten Bauvorhabens findet nun auch Gallisters architektonische Komposition in drei Akten ihre Vollendung. "Es war unser gemeinsames Ziel, in der Architektur jenen hohen Qualitätsstandard wiederzufinden, der auch im Rahmen der Ausbildung vermittelt wird", legt Elisabeth Freismuth, verantwortlich für die strategische Projektplanung der Musikuniversität, die Herangehensweise offen. Die Erhaltung der historisch wertvollen Substanz und die Entfernung jener Bauteile, die keinen nachhaltigen Nutzen für die Musikuniversität aufweisen, zieht sich wie ein roter Faden durch die Generalsanierung. Besonders deutlich zeigt sich dieser Planungsansatz beim zweiten Bauteil. Der langgezogene Riegel wurde aufwändig instandgesetzt und um Dachaufbauten erweitert. Die durch nachträgliche An- und Zubauten verfremdeten Quertrakte wurden als nicht schützenswert und bis auf die Grundmauern abgebrochen. Die neuen, von einer Glasfassade in filigraner Pfosten-Riegel-Konstruktion umhüllten, Volumina wurden auf dem Grundriss und in gleicher Dimension des Bestandes errichtet. Die Obergeschoße der neuen Quertrakte sind auf zart dimensionierte Stützen gestellt, wodurch sich das Erdgeschoß als transparenter Raum präsentiert. Bei der Planung stand ein Maximum an Funktionalität im Mittelpunkt. Neben der primären Funktion als vertikale Erschließungszone des Quertrakts sind in den beiden kubischen Baukörpern haustechnische Einrichtungen untergebracht. In den Obergeschoßen, die über eine freistehende Stahlstiege erschlossen werden, sind multifunktional nutzbare Säle und Ensembleräume angeordnet. Sämtliche Räume sind zum intensiv begrünten Campus orientiert und dank der Glasfassade vollflächig nach außen geöffnet. "Durch diese Sichtbeziehung werden die Baumkronen in das Raumkonzept integriert", erläutert Gallister. Beim bestehenden Längstrakt blieb im Zuge der Generalsanierung nahezu kein Stein auf dem anderen. Die kleinformatigen Lünettenfenster der ehemaligen Ställe im Erdgeschoß wurden bis knapp auf Bodenniveau nach unten verlängert - die natürliche Belichtung der Räumlichkeiten dadurch dramatisch verbessert. Für diesen Eingriff in die bestehende Substanz wurde das massive, rund 140 Zentimeter dicke Mauwerk mühevoll abgebrochen. Auch das Gebäudeinnere blieb von Abbrucharbeiten nicht verschont. Die Querwände des Altbestands wurden entfernt und so die Voraussetzung für einen knapp 200 Meter langen Gang geschaffen, der dem langgestreckten Baukörper als neues Rückgrat ein Mehr an Offenheit verleiht. "Damit ist es uns gelungen, das wenig attraktive Ambiente der Stallungen in eine klostergangähnliche Atmosphäre zu verwandeln. Der Durchstich der Trennwände und die horizontale Öffnung des Erdgeschoßes war einer der schönsten Momente in der Bauphase", zeigt sich Gallister begeistert. Um die ehemaligen Stallungen als Unterrichtsräume und Büros nutzen zu können, musste der stark schadstoffbelastete Verputz zur Gänze von den Wänden geschlagen werden. In den nicht unterkellerten Unterrichtsräumen wurde das unverputzte Mauerwerk mit hinterlüfteten Vorsatzschalen verkleidet. Nach Freilegung des Mauerwerks wurde eine nachträgliche Horizontalisolierung ausgeführt. Das massive Tonnengewölbe wurde umfassend ertüchtigt. Gleiches gilt für die darüber liegenden Dippelbaumdecken, die mit Stahlbetonzwischenträgern und Aufbeton konstruktiv instand gesetzt sind.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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