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Uns wird auf die Finger geschaut

03.02.2014

Das undurchsichtige Regelwerkchaos sorgt in der Baubranche für Unmut. Elisabeth Stampfl-Blaha nimmt zur Kritik an den Normen Stellung.

 

Anlässlich des Arbeitsprogramms der neuen Bundesregierung steht auch das Thema Normung im Bausektor wieder zur allgemeinen Debatte. Darin wird z. B. die Schaffung einer „österreichischen Normenstrategie“ gefordert. Elisabeth Stampfl-Blaha, Direktorin des Austrian Standards Institute (ASI), über die aktuellen Forderungen der Politik.

Können Sie mir sagen, was sich die Politik genau unter einer „österreichischen Normenstrategie“ vorstellt? 

Stampfl-Blaha: „Bauen und Normen“ und „Normungsstrategie“ sind zwei völlig verschiedene Themen. Eine „österreichische Normungsstrategie“ und die Art, wie sie im Regierungsprogramm angesprochen wird, begrüßen wir es sehr, dass eine solche endlich erarbeitet werden soll. Die wichtige Rolle, die Normungen für Wettbewerbsfähigkeit, den Export und Innovation spielen, wird damit endlich auch in Österreich noch viel deutlicher werden.

Ein weiterer Punkt auf der Agenda lautet „Kontrolle des Normungsinstituts mit konkretem Aufsichtsrecht im Wirtschaftsministerium“.

Das ist ja ein wesentlicher Unterschied zwischen sonstigen Regel­erstellern und der Normung: Das Austrian Standards Institute unterliegt bei der Erarbeitung freiwilliger Regeln (ÖNormen) mehrfacher Aufsicht und Kontrolle: zum einen durch das Wirtschaftsministerium mit umfangreichen Einblicks- und Genehmigungsrechten, zum anderen aber auch durch die Organisationen (CEN, ISO), in denen ASI Mitglied ist.

Erst im Jänner z. B. hatten wir ein Peer Assessment des CEN, und nach EU-Verordnung haben wir umfangreiche Berichtspflichten.

Auch internationale Organisationen schauen uns also „auf die Finger“. Und dabei ist zu bedenken: Weniger als zehn Prozent der Normungsarbeit ist heute rein national. Mit der neuen Geschäftsordnung, die mit 1. 1. 2014 in Kraft getreten ist, gibt es zu all dem auch noch eine Schlichtungsstelle.

Weiters wird für KMUs ein leichterer Zugang zu Normen gefordert. In der Baubranche wurde dies bereits in einigen Landesinnungen mit dem Normenpaket realisiert. Allerdings sind Nachfrage und Nutzung laut Auskunft der Innungen niedriger als erhofft. Gibt es Gespräche hinsichtlich Alternativlösungen?

Diese Auskünfte decken sich nicht mit unseren Zahlen – es sei denn, man hat 100 Prozent erhofft. In der Baubranche gibt es „meinNormenPaket“ bei einigen Berufsgruppen österreichweit, bei anderen, wie den Bauinnungen, länderweise.

Ziel der Innungen war es, die Norm breiter in die Praxis zu tragen.

Heute beziehen ungleich mehr Handwerker und Planer Normen als früher. Der Wert der he­runtergeladenen Normen ist ein Zigfaches dessen, was die Mitglieder über ihre Innungen zahlen. 

Deregulierung ist ein Stichwort, das immer wieder fällt, sobald Baunormen zum Thema werden. Im Bauzeitungs-Interview vor einem Jahr haben Sie sich in diesem Punkt durchaus gesprächsbereit gezeigt. Was hat sich seitdem getan?

Baubezogene Normen jeder Art (Landesbauordnungen, OIB-Richtlinien, Förderrichtlinien der Länder und per se nichtverbindliche ÖNormen) sollen weiter durchforstet werden.Änderungen wird es dort geben, wo man heute meint, es gehöre etwas redimensioniert.

Folgerichtig wurde zuerst auf der Ebene des Rechts (Bauordnungen, OIB-Richtlinien) begonnen, denn Recht geht den ÖNormen selbstverständlich immer vor. Zahlreiche Stellen und Personen, die sich dazu geäußert haben, wie z. B. die Bundeskammer für Architekten und Ingenieurkonsulenten (bAIK), wurden von uns seit Sommer letzten Jahres mehrfach und wiederholt mündlich und schriftlich eingeladen, Beispiele von ÖNormen zu nennen, die als überschießend betrachtet werden – interessanterweise bisher ohne Erfolg.

Konkrete Fälle könnten wir sofort anpacken. Die Normungskomitees könnten mit jenen, die hier Verbesserungsbedarf sehen, diskutieren, und wir hätten binnen kurzer Zeit Redimensionierungen.

Autor/in:
Sonja Meßner
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