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Unterstützter Forschungsdrang

11.02.2011

Neue „Forschungscoachs“ sollen den heimischen Klein- und Mittelbetriebe die Entwicklung von Innovationen und vor allem die bürokratische Abwicklung der Forschungsförderung erleichtern.

Für Walter Bornett, Chef der KMU Forschung Austria, steht es außer Zweifel: „Wettbewerbsfähigkeit resultiert nicht aus der Definitionstätigkeit von wissenschaftlicher Forschung, sondern aus einer Vielzahl von kleinen und kleinsten Veränderungen. Es sind nicht nur Produkte, sondern auch Prozessveränderungen. Wir müssen dort unterstützen, wo die Wirtschaftskraft herkommt.“ Und das seien besonders auch die heimischen Klein- und Mittelbetriebe, deren Erfolg in Sachen Forschung und Entwicklung aktuell eher mäßig läuft – zumindest was die erfolgreiche Abwicklung von Forschungsförderungsverträgen betrifft.


Dokumentation entscheidet

Das soll sich künftig ändern, präsentierte kürzlich Bornett und Helmut Heindl, Geschäftsführer der Bundessparte Gewerbe und Handwerk, nach Verhandlungen mit der Forschungsförderungsgesellschaft FFG Neuerungen. Bald sollen eigene Coaches bei der Forschungsbürokratie helfen. Heindl: „Wenn die Forschungszusage da ist, ist die Unterstützung auch schon vorbei. Dabei ist gerade bei den KMUs die Dokumentation die halbe Miete. Hier hapert es aber wegen fehlenden Forschungsmanagements. Und ohne administrative Projektbegleitung gibt’s kein Fördergeld.“ Gemeint ist damit: Nur eine Dokumentation der Forschungsarbeit kann belegen, dass die Kriterien des Fördervertrags erfüllt wurden. Hier sollen nun die Coaches Abhilfe schaffen: Erfahrene Berater, eventuell gar zertifiziert, sollen abseits der üblichen FFG-Finanzierung den innovativen Unternehmen, die keine Erfahrung mit der Durchführung von Forschungsprojekten haben, für regelmäßige Projektkontrolle und -begleitung zur Seite gestellt werden.

Und die Kosten dafür sind im Vergleich zu dem Gesamtaufkommen des FFG relativ gering. Das externe Projektmanagement mithilfe des Forschungscoachs wird mit 500.000 Euro von der FFG gefördert. Unterm Strich werden sich diese zusätzlichen Ausgaben auch leicht amortisieren, weiß Bornett: „Ein Drittel aller dieser Forschungsprojekte ist nicht erfolgreich. Wenn es gelingt, die Erfolgsquote zu erhöhen, werden die eingesetzten Mittel dadurch erfolgreicher eingesetzt.“ Dass die Unterstützung von Coaches sinnvoll sein kann, zeigt eine Evaluierung von Projektergebnissen: Im Gegensatz zu nicht betreuten Projekten waren jene in Kooperation mit einem Forschungsinstitut klar erfolgreicher. Hier sei, so Bornett, eine signifikant höhere Multiplikatorwirkung gegeben.

Dass gerade kleinste Veränderungen einem Unternehmen oder gar einer Branche frische Dynamik verleihen, zeigt etwa die Vorgehensweise des Vorarlberger Fensterlädenherstellers A.S.T. Hier konnten unter anderem Produktionsabläufe unter Mitwirkung der eigenen Mitarbeiter optimiert werden. Das kostengünstige und für die Bediensteten höchst motivierende Erfolgsrezept: Die Angestellten dürfen ihre Ideen und Vorschläge abgeben und werden dafür mit bis zu 20 Euro belohnt. Das bringt viel, kostet kaum etwas, stärkt aber die Identifikation mit dem Unternehmen enorm. „Mitbestimmung“ ist hier das Zauberwort. Seit 2005 landen so ungebrochen rund 400 Vorschläge jährlich auf dem Tisch der Geschäftsführung. Enorme 90 Prozent werden tatsächlich verwirklicht. Und die trugen sicherlich zu einem Teil zum Erfolg der inzwischen europäischen Nummer zwei in Sachen Fensterläden bei. Auch das ist Forschung.

Helmut Melzer

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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