Direkt zum Inhalt

VIBÖ:

30.04.2004

Die Vereinigung industrieller Bauunternehmungen Österreichs (VIBÖ) feiert im Juni ihr 50jähriges Bestehen. Die Lobbying-Organisation macht sich für Anliegen der Bauindustrie stark.

Österreichs Bauwirtschaft verspürt einen leichten Aufwind – sicherlich, stimmt. Jedoch kein Grund zur Euphorie, relativiert Horst Pöchhacker, Präsident der VIBÖ wie auch Generaldirektor der Porr: „So gut geht’s der Baubranche nicht. Europa fehlt aber auch insgesamt der Wille zum Wachsen und hat in den vergangenen Jahren über Wachstumspotentiale zu wenig nachgedacht. Auch der Glaube, Investitionen zu kürzen, und der Markt regelt dann schon alles, ist falsch.“ Dennoch, Pöchhacker sieht auch Versäumnisse in der Politik. Bei einem Vergleich der EU mit den USA stellt Pöchhacker klar fest: „Wir haben kein Wachstum!“ Als einen der nächsten, nicht ungefährlichen Schritt sieht er, dass die USA heimische Banken aufzukaufen beginnen – neben Basel II, wodurch starker Einfluss auf die österreichische Kreditwirtschaft genommen wird, für Pöchhacker eine weitere Verschärfung für die heimische Bauwirtschaft.
In der VIBÖ sind 30 Bauunternehmen vertreten. Die Vereinigung ist nicht als Ersatz für die Wirtschaftskammer gedacht – alle Betriebe sind Mitglieder der Wirtschaftskammer –, sondern als notwendige Ergänzung zur traditionellen Standesvertretung. Lobbyismus wird von der VIBÖ in nicht unwesentlichen Fragen der Bauwirtschaft betrieben. Ein von der VIBÖ erfolgreich forcierter Bereich ist die Infrastruktur. Für dessen Ausbau macht sich die Vereinigung seit Jahren stark. Pöchhacker betont das Roadpricing als indirekten Erfolgspfeiler eben auch für die heimischen Bauunternehmen.
Dass die Frächterlobby Österreichs Straßenfinanzierungsquelle zurzeit massiv angreift, ist für Pöchhacker unverständlich – vor allem, so weist er darauf hin, „sind die Zahlen von den Frächtern bezüglich Roadpricing schlichtweg falsch und übertrieben dargestellt.“
Für die VIBÖ ist der Ausbau der Verkehrsanbindungen wie auch andere Investitionen in die Infrastruktur einfach unumgänglich, schon allein aufgrund der bevorstehenden EU-Ost-Erweiterung vom 1. Mai. „Investitionen werden bei uns wie verlorene Ausgaben betrachtet – doch um ein Wachstum in der Bauwirtschaft vorantreiben zu können, braucht es Investitionen – diesbezüglich sind wir bereits mit Banken wie auch mit der Politik im Gespräch“, so Pöchhacker. Die Geld- und Kreditversorgung hat sich durch Basel II massiv verteuert – ein Hemmschuh für jegliche Investitionsfreudigkeit.
Problemzone Stahl
Als klarer Dämpfer für die österreichische Bauwirtschaft erwies sich die im Jänner 2004 unerwartete, explosionsartige Preiserhöhung bei Beton-Stahl um bis zu 50 Prozent. Dafür verantwortlich ist die international boomende Stahlkonjunktur durch die erhöhte Nachfrage aus Märkten außerhalb Europas, insbesondere aus China. Rohstoffe wie Schrott, Erz und Koks wurden dadurch knapp – und teuer. Die zukünftige Preis- und Marktentwicklung bezüglich Stahl ist unklar – damit ist es auch für Bauunternehmen schwierig, Preise für langfristige Vertragsbindungen zu kalkulieren. Stahlbeton macht in einigen Sparten wie zum Beispiel im Brücken- oder Tunnelbau bis zu 40 Prozent der gesamten Bauauftragssumme aus. Die Bauwirtschaft hat bereits vor einigen Wochen auf die kritische Situation bei öffentlichen Auftraggebern wie auch der Politik hingewiesen – jedoch bis dato ohne Erfolg. „Angesichts der teilweise existenzbedrohenden Situation für viele Bauunternehmen appellieren wir von der VIBÖ an die politischen Verantwortungsträger, faire und praktikable Lösungen zu unterstützen“, fordert Pöchhacker.
Als ein weiteres Problemfeld skizziert Pöchhacker die aktuell in Österreich stattfindende Verstärkung des Billigstbieterprinzips bei öffentlichen Aufträgen. Die Neufassung des Bundesvergabegesetzes vom Herbst 2002 ermöglichte dies auch formell – für Pöchhacker eine Hintertür für öffentliche Bauherren, sich von der lästigen Pflicht zusätzlicher Zuschlagskriterien wie z. B. Qualität oder Lebenszykluskosten zu befreien. „Aufgrund des Wachstumsgefälles zwischen Deutschland und Österreich drängen deutsche Baufirmen zu uns und bieten mit Dumpingpreisen an. Dadurch erhält nicht der Bestbieter die Aufträge, sondern der Billigstbieter – wir sprechen uns für zweistufige Verfahren aus. Es muss eine Präqualifikation, auch bei kleineren Baulosen, geben“, regt Pöchhacker an. Trotz einiger Wermutstropfen ist jedoch ein Aufwind in der heimischen Bauwirtschaft spürbar, sowohl im Hochbau wie auch im Tiefbau konnten im vergangenen Jahr Zuwächse erzielt werden. Siehe neben stehende Tabelle.
Für 2004 herrscht Optimismus – die VIBÖ rechnet mit einem Wachstum von vier bis fünf Prozent wie auch mit einer Steigerung der Gesamtanzahl der am Bau Beschäftigten. Das Roadpricing forciert den Straßenbau, somit ein Plus für den Tiefbau und zugleich wichtigster Impulsgeber der heimischen Baukonjunktur. Der Rohrleitungs- und Kabelbau geriet ins Stocken, nicht zu letzt aufgrund von fehlenden Investitionen der Siedlungswasserwirtschaft.
Anders zeigt sich die konjunkturelle Entwicklung im Hochbau: Dort ist erstmals seit fünf Jahren wieder ein Aufschwung spürbar. Die Entwicklung löste auch positive Impulse im Ausbau- und Bauhilfsgewerbe wie auch bei den Bauinstallationen aus.

VIBÖ – geballte Bau-Kompetenz

• Die Vereinigung industrieller Bauunternehmungen Österreichs (VIBÖ) besteht seit 50 Jahren. 30 Bauunternehmen sind in der VIBÖ.
• Seit 2002 besteht ein aktiver Austausch zwischen der Geschäftsstelle Bau der Wirtschaftskammer Österreich und der VIBÖ.
• Ziel und Zweck der VIBÖ ist, sich auf baupolitische Themen wie auf das entsprechende Lobbying zu konzentrieren.
• Die VIBÖ ist eine rechtlich selbstständige und unabhängige Lobbying-Organisation und verpflichtet sich ausschließlich den Interessen der Bauindustrie.
Informationen: office@viboe.at, Tel.: 01/504 15 57-0

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
Werbung

Weiterführende Themen

VÖB-Präsident Franz Josef Eder ist mit der aktuellen Entwicklung zufrieden, kritisiert aber, dass im aktuellen Plan der Bundesregierung kein Förderungen massiver Bauweisen vorsieht.
Aktuelles
04.08.2020

Die aktuell stabile Auftragslage lassen die Beton- und Fertigteilbranche positiv in die Zukunft blicken. Gleichzeitig fordert man eine gerechte Streuung der Fördermaßnahmen.

Thomas Löckinger (r.) übernimmt mit 1.8.2020 die Baumarkt-Vertriebsleitung für die Baumit GmbH in Österreich. Er folgt Johann Holy (l.), der nach 21 Jahren als erfolgreicher Vertriebsleiter seinen wohlverdienten Ruhestand antritt.
Aktuelles
29.07.2020

Baumit hat eine neue Baumarkt-Vertriebsleitung Österreich. Wer auf Johann Holy folgt, lesen Sie hier.

Aktuelles
27.07.2020

Die Zugriffszahlen der E-Baulehre in Wien haben sich von rund 1.100 Zertifizierungen im März auf rund 8.400 Zertifizierungen bis Anfang Juli knapp versiebenfacht. 

Josef Muchitsch und Erwin Soravia haben eine gemeinsame Agenda, um Baugenehmigungen zu beschleunigen und Arbeitsplätze zu sichern.
Aktuelles
23.07.2020

Baugenehmigungen müssen dringend beschleunigt werden, sind sich die Gewerkschaft Bau-Holz und Österreichs Projektentwickler einig. Aktuell warten rund 25 Milliarden Euro warten darauf, auf ...

Aktuelles
29.07.2020
Werbung