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Vielfalt in der Größe

06.08.2010

Irene Wedl-Kogler vertritt als neue Bundesinnungsmeisterin des Bauhilfsgewerbes die Interessen von rund 14.000 Mitgliedern. Eine spannende Herausforderung, den Stellenwert am Bau zu erhalten und erhöhen.

Mit Irene Wedl-Kogler steht erstmals eine Frau an der Spitze der Interessenvertretung der Bundesinnung der Bauhilfsgewerbe. Doch genau darauf legt die Unternehmerin Kogler – Kogler Gerüstbau – und Mutter zweier Kinder gar keinen Wert: „Das ist doch vollkommen egal, ob Mann oder Frau, es geht um Kompetenz, um Engagement, um die Freude an der Aufgabe. Ich bin eine Quotengegnerin – wenn ich mich auch freue, dass sich in der männlich dominierten Baubranche nun bereits einige tüchtige Frauen etabliert haben.“

Die Mödlingerin vertritt seit Juni die Interessen der 18 Berufsgruppen mit den rund 14.000 Mitgliedern. Vor 21 Jahren hat die Baumeisterin die Gerüstbaufirma von ihrem Vater übernommen und ist heute für rund 22 Mitarbeiter verantwortlich.

Was sind die aktuellen Themen?
„Neu zum Bauhilfsgewerbe kamen mit Juni die Bundesinnung der Bodenleger und die Berufsgruppe der Pflasterer. Die Interessen von 18 Berufsgruppen zu vereinen und koordinieren ist sehr umfangreich – denn die Befindlichkeiten sind höchst unterschiedlich. Ein aktuelles Thema ist die Reform der Gewerbeordnung, wir werden jedoch gegen Änderungen kämpfen, denn wir sind mit der Gewerbeordnung zufrieden. Weiters möchte ich mich gegen Pauschalausschreibungen einsetzen, denn die sind das Ende des Gewerbes, aber auch die Bauindustrie kann sich Pauschalausschreibungen nicht leisten. Wir verlieren damit sehr viele Möglichkeiten und an Wissen. Auf Klein- und Mittelunternehmer kommen noch schwierige Zeiten zu, mein Ziel ist, die Vielfalt in der Größe zu erhalten. Unser Vorbild sollte die Natur sein – wenn wir es geschickt machen, können alle gut leben. Nur müssen wir die Unterschiede und die Vielfalt erhalten.“

Ist die Arbeitnehmerfreizügigkeit ab 2011 eine Bedrohung für das Bauhilfsgewerbe?
„Wir müssen europäisch denken lernen, die Staaten werden zusammenwachsen, es wird am Anfang sicher eine Umstellung sein, der Arbeitsmarkt ist gesättigt – aber die Situation wird sich einpendeln. Ich glaube, dass wir Probleme bekommen werden – aber weil wir jahrelang ohne Weitsicht vor uns hin gearbeitet haben. Warum sind die Baukosten z. B. in den vergangenen Jahren nicht gestiegen. Mit Sicherheit wird aber der Osten mehr als der Westen betroffen sein.“

Ist der Föderalismus in Österreich noch sinnvoll?
„Doppelgleisigkeiten müssen dringend abgeschafft werden – man muss nicht in jedem Bundesland das Rad neu erfinden, aber auf regionale Unterschiede muss eingegangen werden. Ich werde mich für eine Verwaltungsvereinfachung – es geht um die Sache, nicht um Personen – einsetzen.“

Halten Sie die Standesvertretung für zeitgemäß?
„Ja, weil wir in der Praxis sind, wir kennen die aktuellen Anforderungen. Wir sind die Verbindung zwischen Theorie und Praxis. Wir, das sind die Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite. Ich halte die Sozialpartnerschaft für eine wichtige Kraft in Österreich und freue mich sehr, dass es mit der Arbeitnehmerseite ein so gutes Einverständnis gibt. Probleme werden gemeinsam gelöst – und nicht gegeneinander.“

Greift die Generalunternehmerhaftung?
„Ja, das ist für uns eine gute Sache, die Bauarbeiterurlaubskasse hat eine Vielzahl an Unternehmen zur Nachzahlung verpflichtet. Aber natürlich lässt die Generalunternehmerhaftung die Ursachen außer Acht – die sollten eruiert werden. Warum gibt es solche Auswüchse, die eine Generalunternehmerhaftung überhaupt notwendig machten?“

Effekte der Konjunkturpakete?
„Die haben viel gebracht, wobei sie breiter gestreut werden hätten müssen, denn die Effekte gab es nur in bestimmten Bereichen der Baubranche. Extreme Auslastungen sind aber nicht gut, denn da werden Kapazitäten aufgebaut, die man in ein bis zwei Jahren dann nicht mehr braucht. Hier wäre mehr Koordination mit uns sinnvoll gewesen, vor allem führte der Schwerpunkt auf die Sanierung den Neubau ins Hintertreffen.“

Ihre Ziele als Bundesinnungsmeisterin?
„Die oberste Aufgabe ist Lobbying und die Berufsgruppenarbeit zu fördern. Service für unsere Mitglieder ist dabei das wichtigste, die Homepage wird zur Servicestelle Nummer eins werden mit allen wichtigen Leistungsbeschreibungen und anderen wichtigen Werkzeugen für den Arbeitsalltag. Eines ist jedoch klar, das Bauhilfsgewerbe kann nur in Kooperation mit allen Berufsgruppen des Baugewerbes seine Schlagkraft und seinen Stellenwert erhöhen.“

Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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