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Die Vortragenden und Organisatoren (v.l.n.r.) Stefan Weissenböck, Wolfgang Kluger-Eigl, Peter Nowotny , Gabriela Prett-Preza, Bernhard Scharf, Maria Auböck, Walter Zimmeter, Eduard Leichtfried und Andreas Jäger.

Vitale Freiräume gestalten

15.11.2017

Das Expertenforum „Gestaltung vitaler Freiräume – Lebensgefühl für alle“ spannte einen Bogen von den Trends in der Freiraumgestaltung über den ökologischen Mehrwert von Pflasterflächen bis zum wissenschaftlichen Nachweis von Qualitätskriterien.

Ziel des Expertenforums an der TU Wien war es, Trends bei Freiraumgestaltungen und den Nutzen einer Bürgerbeteiligung zu beleuchten, erfolgreich umgesetzte Projekte darzustellen und den ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Mehrwert bei Pflasterflächen aufzuzeigen. So breit wie die Palette an Aspekten war, so vielfältig war auch das Publikum: Experten aus Theorie und Praxis, Architekten, Stadtplaner, Bauherren und Vertreter von Gemeinden aus ganz Österreich.

Den Trendwechsel vom „public place“ zu einem „public space“ veranschaulichte Architektin Maria Auböck: „Zwischen den Fragestellungen der Erhaltung des Ortbildes in Dorf und Stadt geht es heutzutage auch um den Gebrauch: Viele neue Anforderungen – von der Mobilität und der Digitalisierung bis hin zu Phänomenen des Klimawandels – machen Stadt- und Freiraumgestaltung dringend notwendig! Der Nutzen dabei entsteht für den Ort, wenn Gestaltung zur Raumkultur wird.“

Bürgerbeteiligung fördern

Walter Zimmeter erläuterte seine Thesen zur Bürgerbeteiligung, die er im Rahmen seiner Erfahrungen als Amtsvorstand des Tiefbauamtes in Innsbruck gewonnen hat. Der gestaltete Straßenraum würde besser von der Allgemeinheit mitgetragen, wenn Bürger beteiligt wären und mitplanen, da ein früher Beteiligungsprozess die Grundstimmung positiv beeinflusse und darauf wirkungsvoll aufgebaut werden könne. „Die spätere Nutzung ist ein Qualitätsmaßstab und drückt mehr aus als bloße Akzeptanz, da gute Planungen von den Nutzern verstanden werden müssen bevor sie von ihnen mitgetragen werden können. Mittragen kann man aber nur, woran man beteiligt war“, so Zimmeter.

Das Kunststück, eine Straße zu beleben, indem sie verkehrsberuhigt wird, schilderte Wolfgang Spitzy, Initiator für den Umbau der Herrengasse in Wien, gemeinsam mit dem Planer Gerhard Nestler von FCP – Fritsch, Chiari und Partner. Grundvoraussetzung für die Realisierung eines derartigen privaten Projektes sei die Zusammenarbeit mit den jeweiligen Liegenschafseigentümern, den Geldgebern sowie mit den genehmigenden und teilweise mit der Umsetzung betrauten öffentlichen Dienststellen. Die Projektbetreiber – eine Bank, das Hochhaus Herrengasse, zwei Stiftungen und einzelne private Palaisbesitzer – bewältigten sowohl die Abwicklung als auch die Finanzierung des gesamten Projektes.

Klimaregulierender Mehrwert

Bernhard Scharf von der Universität für Bodenkultur verdeutlichte den ökologischen Mehrwert von Pflasterflächen und zeigte deren Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität auf. So seien Pflasterungen als alte aber zugleich moderne Handwerkskunst ein unverzichtbarer klimaregulierender Bestandteil unseres Lebensraumes in der Stadt, da sie vielfältig einsetzbar, dauerhaft nachhaltig und versickerungsfähig seien und als regionale Produkte und Dienstleistung einen Beitrag zur regionalen Wertschöpfung leisteten.

Ausgesuchte Ergebnisse des mehrjährigen Forschungsprojektes „Pflasterbauweise“ stellte Wolfgang Kluger-Eigl vom Forschungsbereich Straßenwesen des Institutes für Verkehrswissenschaften an der TU Wien vor. Die wissenschaftlichen Ergebnisse brachten einerseits neue Erkenntnisse zu Bauweisen und Baustoffen, horizontalen und vertikalen Beanspruchungen und zur Wirtschaftlichkeit von Pflasterflächen, andererseits wurden Qualitätskriterien wissenschaftlich bestätigt. Mit dem entwickelten numerischen Simulationsmodell (Finite-Elemente-Modell) wurden die Reaktionsmechanismen ungebundener Pflasterflächen unter horizontaler Lasteinleitung realistisch wiedergegeben, um Verschiebungen bei verschiedenen Verbänden zu untersuchen. Die Erkenntnisse finden in den neuen Planungsempfehlungen für Regelaufbauten, Verbänden und Formaten sowie zur Kantenausbildung Berücksichtigung.

Zukunft Freiräume

Mit Entwicklungen und Trends öffentlicher Freiräume im Laufe der Zeit beschäftigte sich zum Abschluß Stefan Weissenböck vom gleichnamigen Baustoffwerk. Im Mittelpunkt seiner Betrachtungen standen der gesellschaftliche Wandel und seine Auswirkungen auf die Gestaltung von Freiräumen. Damit ziehen neue Elemente wie Begegnungszonen ein und die Eigenverantwortung der Nutzer eröffnet wohltuende Freiräume, Natur und Freiraum werden mit neuer Sinnlichkeit verbunden und immer mehr Städte bauen auf Lebensqualität, so Weissenböck.

Weitere Foto-Eindrücke der Veranstaltung bietet der Flickr-Account des Forum Qualitätspflaster.

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