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Vom Abfall zum Produkt

26.11.2010

Hochbaurestmassen sind hierzulande ein vieldiskutiertes Thema. Das zeigte sich nicht zuletzt bei der BRV-Tagung unter dem Motto „Wege vom Abbruch zum Rückbau und von der Entsorgung zur Verwertung“.

Ende Oktober veranstaltete der Österreichische Baustoff-Recycling Verband (BRV) eine Tagung zum Schwerpunkt „Hochbaurestmassen“. Dass dieses Thema von großer Bedeutung ist, zeigte sich nicht zuletzt an dem bis auf den letzten Platz gefüllten Saal. „Hochbaurestmassen sind das entscheidende Thema für die Recyclingwirtschaft in Österreich, in unseren Nachbarländern und in ganz Europa. Die große Besucherzahl der Veranstaltung bestätigt das einmal mehr“, ist Martin Car, Geschäftsführer des Österreichischen Baustoff-Recycling Verbands, überzeugt.

Grundsätzlich ist Österreich im Bereich Recycling gut unterwegs, wie Car betont: „Die Abfallrahmenrichtlinie schreibt be­kannterweise eine Recyclingquote für mineralische Baurestmassen von 70 Prozent bis 2020 vor. Österreich hat dieses Ziel im Bereich Beton und Asphalt sicherlich schon erreicht. Im Bereich der Hochbaurestmassen besitzen wir ein sehr gutes technisches Regime, nämlich die Richtlinie für Recycling-Baustoffe, die sowohl bautechnische Vorschriften als auch umwelttechnische Vorgaben festlegt. Die Ziele können unsere Mitgliedsbetriebe durchaus erreichen“, so der Experte.

Der entscheidende Faktor ist laut Car allerdings, dass ein ausreichender Absatzmarkt fehlt. Die Gründe dafür, so Car weiter: „Einerseits deswegen, da die Inhomogenität der Materialien einen hochwertigen Einsatz erschwert. Andererseits fehlt die Stimulation durch den Gesetzgeber, der bislang vorwiegend repressive Maßnahmen, aber nicht stimulierende setzt. So fordert der BRV schon seit vielen Jahren den altlastenbeitragsfreien Einsatz von qualitätsgesicherten, gütegeschützten Recycling-Baustoffen im Deponiebau oder die Vorgabe einer Mindestrecycling-Quote für Bauvorhaben.“

Als einer unter den zahlreichen hochkarätigen Vortragenden der Tagung berichtete auch Hans Daxbeck von der Ressourcen Management Agentur (RMA) vom aktuellen Projekt EnBa – Entwicklung einer Strategie für die nachhaltige Nutzung von Baurestmassen – und dem Stand dieser Forschungsarbeit. „Ziel des Projekts EnBa ist die Entwicklung einer Strategie für eine nachhaltige Nutzung von Baurestmassen. Es gilt, die Rahmenbedinungen aufzuzeigen, welche das Erreichen der geforderten Verwertungsquoten fördern bzw. behindern“, erklärt Daxbeck.

Gemeinsam mit der TU Wien führt die RMA dieses im Rahmen des von der Europäischen Kommission geförderte und von dem BMLFUW sowie den Ämtern der Landesregierungen von Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark und Kärnten kofinanzierte Projekt durch. „Das Projekt liefert Datengrundlagen, um Schad- und Wertstoffquellen zu identifizieren und deren kosteneffizienten Rückbau zu gewährleisten. Die im Projekt erarbeiteten Unterlagen stehen den involvierten Akteursgruppen, von der Baubehörde bis hin zum Entsorger, zur Verfügung“, so Daxbeck. Verschiedene Faktoren haben auf das Thema Hochbaurestmassen und deren weitere Entwicklung Einfluss. „Neben technisch-wirtschaftlichen Aspekten der Wiederverwertung von Hochbaurestmassen sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen und das Image von Recyclingbaustoffen wichtige Einflussfaktoren. Recyclingbaustoffen haftet ein schlechtes Image als minderwertiges Baumaterial an“, ist Daxbeck überzeugt.


Mustertexte Leistungsbeschreibung
Helmut Brezinschek von der MA 29 – Brückenbau und Grundbau konzentrierte sich bei seinem Beitrag vor allem auf den Rückbau in der aktuellen Ausschreibung bzw. Mustertexte der Leistungsbeschreibung. „Grundsätzlich ist nachhaltige Planung im Konnex einerseits mit der künftigen Entwicklung der Region und in Ballungsräumen zusätzlich mit den städtebaulichen Handlungsfeldern zu sehen“, so Brezinschek. „Die EU enthält nunmehr erstmals Kriterien und Konzepte für umwelt­orientierte Beschaffung, sogenannte GPP-Grundsätze. Dabei werden ‚grünere‘ Produkte ausgehend von den Lebenszykluskosten definiert. Wesentliche technische Unterlagen bilden Mustertexte und Kriterienkataloge, die im NAP 2010 gelistet sind. Für das Bauwesen sind u.a. viele Ergebnisse von ‚ÖkoKauf Wien‘ angeführt“, erläutert der Experte.


Wichtige Forderungen
Der fachliche Austausch stand auch bei der diesjährigen Tagung im Vordergrund. Martin Car fasst zusammen: „Recycling-Baustoffe aus Hochbaurestmassen können gütegeschützt und qualitätsgesichert für hochwertige Verwertungen herangezogen werden. Hemmschwellen sind abzubauen. Insbesondere ist dabei die altlastenbeitragsfreie Verwendung als notwendiger Deponiebaustoff schnellstens umzusetzen ebenso wie positiv stützende Maßnahmen. Um den Markt zu sichern und nicht zu destabilisieren, sind darüber hinaus klare Abgrenzungen zwischen Scheinverwertungen und hochwertiger Qualitätsbaustoffproduktion sicherzustellen“, so Car. Ein ideales Instrument dafür sei der Güteschutz für Recycling-Baustoffe, der dem Auftraggeber die hohe Qualität dokumentiere. Unbedingt notwendig sei jedoch Rechtssicherheit für den Auftraggeber in diesem Bereich. Dafür müsse der Gesetzgeber durch nachhaltige Rechtsvorgaben Sorge tragen, so der Experte.

Diana Danbauer

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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