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Vom Dnepr an den persischen Golf

06.04.2006

Großes Tor von Kiew, Ukraine
Ein städtebauliches Großprojekt in der ukrainischen Hauptstadt Kiew stößt zurzeit auf großes, nationales wie internationales Medieninteresse. Das österreichische Planungsbüro Delta mit Sitz in Wien und Linz hat einen umfassenden Projektentwurf für die komplette Neugestaltung eines Stadtteils der 2,7 Millionen Einwohner zählenden Metropole ausgearbeitet. Ursprünglich sollte der die großflächige Bebauung dominierende Bürokomplex den klingenden Namen World Trade Center tragen. Doch die Ereignisse des 11. September 2001 und der rechtliche Schutz der Bezeichnung haben den Projektentwicklern aus Linz einen „begrifflichen“ Strich durch die Rechnung gemacht. Der internationale Medienrummel hat für die Projektentwickler von Delta jedoch nicht nur positive Auswirkungen, sondern auch die Konkurrenz auf den Plan gerufen. „Konsortien aus Frankreich, Polen und Österreich sind beim Grundstückseigentümer vorstellig geworden und haben Alternativprojekte präsentiert. Einen durchschlagenden Erfolg konnte jedoch keiner der Konkurrenten erzielen“, gibt sich Wolfgang Mairhofer gelassen und weiter: „Der Grundstückseigentümer, die Stadtverwaltung und auch der ukrainische Staatspräsident Luschtschenko stehen dem Projekt positiv gegenüber und treten für eine Umsetzung ein.“ Jetzt läuft das 300-Millionen-Euro-Projekt unter dem Namen „Großes Tor von Kiew“.
Ein 132 Meter hoher Baukörper in Form eines überdimensionalen Tors bildet das Herzstück der großflächigen Bebauung. Mit der Kombination aus markanten Gebäuden, weitläufigen Plätzen und begrünten Flächen soll ein attraktives bauliches Umfeld für finanzkräftige Mieter und Käufer geschaffen werden. Der torförmige Gebäudekomplex beinhaltet rund 20.000 Quadratmeter hochwertige Bürofläche. Als zweites, weithin sichtbares Bauwerk wird ein zylinderförmiges Bürohochhaus für die ehemaligen GUS-Staaten errichtet. Für jeden Staat ist jeweils eine Geschoßebene für Repräsentations- und Verwaltungszwecke vorgesehen. Zusätzlich werden in Summe 20.000 Quadratmeter hochwertige Wohnfläche mit großzügigem Grünraum, umfassender Infrastruktur und guter Verkehrsanbindung entstehen. Weiters sind rund 75.000 Quadratmeter Handelsfläche, zwei Hotelkomplexe mit insgesamt 750 Zimmern, eine Jugendherberge sowie ein Kino- und Entertainmentcenter geplant. Ein Kongress- und Veranstaltungszentrum sowie ein luxuriöser Wellness- und Spabereich runden die umfassende Infrastruktur des neuen Stadtteils ab. Da der Grundstückseigentümer über keine Erfahrung in der Abwicklung von Bauvorhaben dieser Größenordnung verfügt, besteht der Wunsch, das Projekt in Kooperation mit einem zweiten finanzstarken Projektpartner umzusetzen. „Wir stehen dieser Vorgabe positiv gegenüber und haben Vorschläge für mögliche Projektpartner unterbreitet. Unsererseits wird einer österreichischen Lösung der Vorzug gegeben“, erläutert Mairhofer den aktuellen Projektstatus. Die Entscheidung, wer letztendlich gemeinsam mit Delta Consulting das ambitionierte Projekt entwickeln und zur Durchführung bringen soll, wird in den nächsten Wochen fallen. In weiterer Folge wird der Planungsentwurf hinsichtlich seiner Wirtschaftlichkeit und technischen Machbarkeit analysiert und gegebenenfalls überarbeitet. „Es besteht von allen Seiten der offen geäußerte Wunsch, dass unser Planungsentwurf beibehalten und umgesetzt wird“, so Mairhofer zu der hohen Akzeptanz seitens der Auftraggeber und politischen Entscheidungsträger. Nach Festlegung der Realisierungsetappen und Ausarbeitung eines detaillierten Terminablaufs wird mit den Bauarbeiten begonnen.

Goldgräberstimmung am Golf
Bauen auf Sand ist im Fall von Dubai kein Wagnis, sondern ein Gewinn versprechendes Geschäft. Die Scheichs am persischen Golf haben mit Weitblick auf das unvermeidbare Versiegen der Wohlstand spendenden Ölquellen regiert und das kleine Wüstenemirat auf ein zweites wirtschaftliches Standbein gestellt. Die anhaltend hohen Weltmarktpreise für Öl und der unstillbare Durst Chinas nach dem schwarzen Gold haben dem Emirat am persischen Golf zu einem rekordverdächtigen Wirtschaftsaufschwung verholfen. Um knappe zehn Prozent wächst die Wirtschaft in Dubai jährlich – annährend so rasant wie in China. Der Großteil der Einnahmen wird in den Ausbau der Infrastruktur und in touristische Leitprojekte investiert. Damit hat das Scheichtum die Abhängigkeit von den Öleinnahmen abgeschüttelt. Der Anteil der Petrodollars an den jährlichen Staatseinnahmen ist auf zehn Prozent gesunken. Als neue Goldgrube wurde der Erlebnistourismus erschlossen. Aktuell werden in Dubai Bauvorhaben mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 200 Milliarden Euro abgewickelt. Dieser Bauboom ist auch am Stadtbild unmissverständlich abzulesen: 16 Prozent aller weltweit verfügbaren Krane sind in Dubai stationiert. Internationale Mehrheitsfähigkeit charakterisiert die Ästhetik des gigantischen Bauprogramms. Hedonistische Erlebniswelten gepaart mit Disney-Land-Architektur sollen Dubai in ein touristisches Gravitationszentrum für konsumwillige Europäer und US-Amerikaner mit erweitertem finanziellem Horizont verwandeln. Derzeit laufen die Bauarbeiten an dem wohl spektakulärsten Projekt – The Palm – auf Hochtouren. Die künstliche Insellandschaft in Form einer Palme mit 17 Palmwedeln und einem Durchmesser von mehr als fünf Kilometer wird mit hohem technischen Aufwand aus dem Wasser geschüttet. Die Fertigstellung der ersten der beiden Inseln ist abgeschlossen. Zurzeit werden rund 2000 Luxusvillen und 40 exklusive Hotels errichtet. Mit The Palm erhält das Wüstenemirat auf einen Schlag zusätzliche 120 Kilometer weißen Sandstrand. Die Aufschüttung der Inselfläche ist eine logistische und technische Meisterleistung. Entgegen der weit verbreiteten Meinung, die Abermillionen Tonnen Sand würden aus der hauseigenen Wüste abgezogen und daraus die gigantische Insellandschaft geformt, stammt das feine Korn vom Meeresboden. Über großvolumige, auf Frachtschiffen stationierte Saugrohre wurden rund 100 Millionen Kubikmeter Sand dem Meeresboden entnommen und satellitengestützt an der richtigen Position abgeladen. Ein massiver Steingürtel hält die künstliche Insel in Form und schützt das Eiland für mindestens 100 Jahre gegen flutbedingte Erosion. The Palm ist jedoch nur die Vorstufe zur wohl spektakulärsten Landgewinnung weltweit. Vor der Küste Dubais entsteht mit The World das größte künstliche Inselprojekt der Menschheitsgeschichte. In den kommenden Jahren werden 200 Inseln aufgeschüttet und zu Gruppen in Gestalt der fünf Kontinenten geformt. In Summe werden sich bis 2010 rund 30 Quadratkilometer Neuland aus dem persischen Golf erheben und als Nobeldomizil für die Superreichen dieser Welt ihre Pforten öffnen. Auch unter Wasser verfolgen die Investoren ehrgeizige Ziele. Um 500 Millionen Dollar wird in 20 Metern Tiefe ein Luxus-Hotel mit 200 exklusiven Suiten errichtet. Die Eröffnung ist für Weihnachten 2006 geplant. Für die Optimierung des Raumklimas wird das umgebende Meerwasser aufwändig gekühlt. Ein künstlich angelegtes Meeresbiotop wird den künftigen Hotelgästen die Aussicht bereichern.
Auch die heimische Bauwirtschaft hat den Fuß in die Tür der arabischen Schatzkammer gesetzt und muss sich auf dem gigantischen Bauplatz gegen internationale Konkurrenz behaupten. Alpine Mayreder hat vor Kurzem einen 50-Millionen-Euro-Großauftrag für die Errichtung eines 25.000 Zuschauer fassenden Cricket-Stadions an Land gezogen. Damit hat der internationale Baukonzern mit Sitz in Salzburg nach dem Bau der Allianz Arena in München einen zweiten Bauauftrag für eine Sportstätte von internationalem Format erhalten. Die Sportarena ist Teil des Projekts Dubai Sport City. Das Sportareal umfasst auf einem fünf Millionen Quadratmeter großen Areal neben dem Cricket- ein Hockeystadion, eine Mehrzweckhalle für Ballsportarten und Leichtathletik sowie ein Shoppingcenter. „Wir sind optimistisch, durch die erfolgreiche Abwicklung dieses Bauvorhabens Folgeaufträge akquirieren zu können und uns damit nachhaltig in Dubai zu positionieren“, erläutert Robin Heidel von Alpine. Auch die Strabag hat mit Jahresanfang den ersten Großauftrag in Dubai zugesprochen bekommen. In Dubai Marina, einem groß angelegten Stadtentwicklungsgebiet auf künstlichen Inseln, errichtet der heimische Baukonzern zwei Wohntürme mit 21 bzw. 25 Geschoßen. Darüber hinaus hat sich die Strabag für die Endverhandlungsrunde für den Bauauftrag eines Wohnturms mit 88 Geschoßeben qualifiziert. Die Vergabe für das 250 Mio. Euro teure Projekt soll noch im Frühjahr erfolgen. Da jedoch nicht alles Gold ist, was glänzt, und der Bauboom in Dubai auch Schattenseiten hat, bestätigt Strabag-Sprecher Christian Ebner: „Der Markt ist derzeit eindeutig überhitzt. Zusätzlich birgt die schlechte Entlohnung der vorwiegend thailändischen, indischen und pakistanischen Arbeitskräfte sozialen Sprengstoff in sich.“

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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