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Die Entwicklung eines vermessungstechnologischen Konzepts wird von Herstellern empfohlen, verlangt aber einen realistischen Blick in die Zukunft.

Vom Scanner in die Cloud

16.01.2018

Automatisierte Vermessungstechnologien und Gerätesteuerungen bedeuten neue Herausforderungen. Beim Zusammenspiel und für die Auswahl von Hard- und Software ist gute Beratung das Um und Auf.

Die technische Entwicklung schreitet rasch voran. Gerade in Sachen Digitalisierung einen grundsätzlichen Überblick zu bewahren, auch angesichts des Outputs an ständig neuen Werkzeugen, wird für jeden zur Herausforderung. Umso mehr empfehlen Hersteller und Fachhändler von Vermessungstechnologien, vor der Anschaffung ein „ganzheitliches Konzept“ zu entwickeln. An dessen Beginn stehe die „umfassende Abklärung des Bedarfs bzw. der Erwartungshaltung des Kunden“, stellt Christian
Sevcik fest, Manager Strategic Software Alliance bei Riegl Laser Measurement Systems. „Insellösungen, und seien es nur einzelne Software- und Hardwarekomponenten, sind in der modernen und vernetzten Welt nicht mehr zeitgemäß“, bestätigt auch Martin Wagener, Worldwide Product Implementation Manager bei Trimble Germany. Viel zu groß ist nämlich das Risiko, dass jene „Insel“ – ob Laserscanner, Totalstation oder Baggersteuerung –
innerhalb kürzester Zeit aufgrund nicht unterstützter Standards einsam zwischen den (wirtschaftlichen) Ansprüchen „schwimmt“. Was selbstverständlich klingt, stelle sich „oft als schwierig heraus“, so Sevcik. Die Entwicklung eines vermessungstechnologischen Konzepts verlange den „Blick in die Zukunft“. Ein objektives Anwendungsszenario zu definieren erlebe der Kunde dabei als herausfordernd: Es sind möglichst alle Optionen zu beleuchten und die betrieblichen Abläufe von der Datenaufnahme und -prozessierung bis hin zur Datenarchivierung zu analysieren. Für Riegl-Manager Sevcik gibt es zwei vorherrschende Trends: „Zum einen geht es in die Richtung einer Komplettlösung der Hard- und Softwarekomponenten. Solche Systeme sind weitgehend vom Hersteller vorgegeben und können nur bedingt an individuelle Bedürfnisse angepasst werden. Auf der anderen Seite gibt es die offenen Systeme, die es ermöglichen, einzelne Komponenten auszutauschen bzw. dem jeweiligen Bedarf anzupassen.“ Im zweiten Fall könne man auch besser auf sich ändernde Anforderungen innerhalb von Projekten reagieren. Bei Trimble steht das „Bau-Kontinuum“ im Mittelpunkt, was Wagener als die Vision eines „lebenden Modells“ mit detaillierten, „intelligenten“ Informationen erklärt. Es diene als Basis für die Planung und Durchführung der Bauprojekte. Dafür werden die Phasen des Projekt-Lebenszyklus definiert: von der ersten Konzeption über die Ausschreibung bis zur Detailplanung und schließlich der Ausführung. Während des Prozesses wird das Modell ständig aktualisiert und mit Infos angereichert – nicht zuletzt aus Vermessungsdaten –, bis zur Fertigstellung des Baus. Das Modell wird dann weiter im laufenden Betrieb bzw. zur Instandhaltung, irgendwann schließlich auch für den Rückbau genutzt: Dank des kontinuierlichen Datenaustausches aller Beteiligten ist das Abbild des Baus in der digitalen Welt tatsächlich zum „lebenden Modell“ geworden. Zusammen mit Trimbles Vertriebspartner Sitech würden immer mehr Kunden ihre Projekte auf dieser Basis – und damit entsprechend den Anforderungen an die Öffnung der Branche in Richtung Building Information Modeling (BIM) – konzipieren. Dementsprechend erwerben sie die individuell passenden Hard- und Softwares. Wobei dieser Dienstleistungsansatz, wie Wagener betont, eben „weit über ein reines Vermessungstechnologiekonzept hinaus“ geht. Übrig bleibt jedenfalls die Überzeugung, dass der Anwendungs- und Geschäftserfolg mit der Qualität der Beratungsleistung steigt.

Wettbewerbsvorteile

Die Tatsache, dass Daten in der modernen Wirtschafts- und Arbeitswelt bedeutender werden, ist für jene Bauunternehmer ein Wettbewerbsvorteil, die diese im Vergleich zum Mitbewerb schneller und korrekter liefern können. Das gelte bei der Erstellung von Angeboten genau so wie für die Einhaltung der technischen Vorgaben von Ausschreibungen und eben in der zugrunde liegenden Vermessung. Davon ist Hannes Wagner überzeugt, Geschäftsführer von UTB Laser und Vermessungstechnik. Ein von ihm angebotenes Gesamtkonzept werde auf Basis der vorherrschenden Datenlage beim interessierten Unternehmen entwickelt. Beraten wird hinsichtlich deren Optimierung, was die Erhebung, Bereitstellung, Weitergabe und Archivierung angeht; nur so ist mit dem Kunden die beste Kombination von Geräten und Software zu finden. Wenn ein Erdbauunternehmen z. B. bisher einfache Nivelliergeräte zur Höhenaufnahme nutzte und dafür zwei Personen für die (auf Papier und via Tabellenkalkulation geplante) Datenerfassung abstellte, empfehle man mitunter die Anschaffung eines GPS/GNSS-Systems inklusive der passenden Bürosoftware. UTB als Händler unterstütze das Unternehmen bei der Grundinstallation, biete Schulungen und auch den laufenden Support an. Im konkreten – einem realen! – Beispiel werde die Bestandsvermessung „seither von einer Person erledigt, welche die Daten direkt in die Software zur Planung des Projekts importiert“, berichtet Wagner.Auch im Bereich der sensorenunterstützten Baumaschinen- und Gerätesteuerung tut sich einiges. Wenn diese immer genauer über Abstandmesser, Satellitenkommunikation und Software kontrolliert werden, stellt sich die Frage, ob das den Menschen nicht abwertet? Wagner entgegnet: „Wird ein Flugzeugpilot mit der Unterstützung durch den Autopiloten degradiert?“ Die steigenden Anforderungen an die Branche und ihre Dienstnehmer – Zeit- und Kostendruck, Fachkräftemangel etc. – machten die Aufrüstung mit modernen Steuerungssystemen einfach notwendig. Der Beruf des Maschinisten werde dadurch „nicht nur aufgewertet“, so Wagner, „sondern abwechslungsreicher und interessanter“. „Eine Degradierung ist es auf keinen Fall“, ist auch Jörg König sicher, Vertriebsleiter für Vermessung und Maschinensteuerung bei der AM Baugeräte HandelsgesmbH. Dazu ergänzt sein Kollege, Vermessungstechniker Thomas Hohäuser: „Der Baggerfahrer von heute ist sogar noch tiefer in das Projekt eingebunden, womit sein Stellenwert steigt.“ Für den Maschinenlenker ergibt sich daraus eine Notwendigkeit zur Höherqualifizierung, wenngleich weitere Digitalisierungsentwicklungen eine Verbesserung der Bedienerfreundlichkeit bringen sollten. Alarmierend ist für Hohäuser und König: „Viele Bauherren haben den Nutzen der digitalen Technik bis jetzt nicht erkannt.“ Sei seien deshalb „mit hohen Kosten“ konfrontiert, etwa wenn es darum ginge, Baupläne (extern) zu digitalisieren. Die rasche Verfügbarkeit von Daten ist auch für Georg Flechl ein Gewinn der Moderne und „ein absolutes Muss, um die gesamten Vorteile des digitalisierten Baus ausspielen zu können“. Flechl ist Geschäftsführer und Vertriebsleiter von Leica Geosystems. Die Cloud-Software-Lösungen „Leica Exchange“ und „Leica X-Con“ wurden entwickelt, um „Daten vom Feld“ – also direkt aus dem Vermessungsgerät – „ins Büro und umgekehrt zu transferieren“.Darüber hinaus unterstützt die Software den Datenaustausch zwischen den einzelnen Sensoren, „egal ob Tachymeter, GNSS-Empfänger oder Maschinensteuerung“. So stelle man sicher, dass Planer und Ausführende den gleichen, möglichst aktuellen Datensatz zur Verfügung haben. Schulung und Support hätten bei Leica Geosystems denselben Stellenwert wie die Ausstattung der Kunden mit Hard- und Software. Entsprechend biete man auch passende Kurse und Seminare an. „Selbstverständlich gehen wir dabei auf kundenspezifische Problemstellungen ein, bis hin zur Projektberatung“, so Flechl: „Unsere Mitarbeiter sind bestens ausgebildet und bringen jahrelange Erfahrung aus der Baubranche mit ein.“

Hard- und Software aus einer Han

Als vor einigen Jahren der „Hype“ mit den Laserscannern aufgekommen sei, habe die Technologie überzeugt, weil in kürzester Zeit riesige Datenmengen erfasst und auch visualisiert werden konnten, erinnert sich Katrin Falz, Produktmanagerin beim Hersteller Faro. Die Transformation der Realität in ein Computermodell verlangt aber nach einer Möglichkeit, um die aufgezeichneten Datensätze („Punktwolken“) in eine CAD-Anwendung zu bringen, wo sie erst einen echten Mehrwert für den Kunden generieren. „Es gibt sicher einen Trend bei den großen Herstellern von Laserscannern, dem auch wir folgen“, so Falz: „eben nicht mehr nur auf Hardware, sondern verstärkt auf die Entwicklung von Software zu setzen.“ Diese Ausweitung des Angebots sei ein großer Schritt, da man so „zum Anbieter eines ganzheitlichen Lösungsportfolios wird und seine Expertise zunehmend auch auf die zahlreichen am Markt befindlichen CAD-Systeme ausdehnen muss“. Das verdeutlicht auch die Software „Faro Scene“: Habe man Scannerdaten aus dem Feld lange Zeit erst nach der Rückkehr ins Büro verarbeiten können so sei das nun nahezu live möglich. Man wechselt von einer zur nächsten Messposition, und die Daten von der ersten Position werden gleich verarbeitet und stehen am Tablet zur Ansicht bereit. „Das spart Zeit bei der Datenaufnahme und -verarbeitung und gibt auch Sicherheit, weil der Kunde direkt sieht, ob alle benötigten Daten aufgenommen wurden.“ Des Weiteren diene die Faro-Lösung „Point Sense“ als Schnittstelle zum CAD-Programm Revit oder Auto-CAD. „Unabhängig von der Datenmodellierung ist das Teilen von Laserscandaten zwischen Projektpartnern immer wichtiger“, so Falz. Das sei besonders bei BIM-Projekten sichtbar und werde mit der „Faro Scene Webshare Cloud“ realisiert. Als Anwender kann Geschäftsführer Werner Müllner vom bautechnischen Büro CAD Office Müllner die Vorteile eines solchen Szenarios bestätigen. Für die Datenerfassung setzen er und sein Team u. a. einen 3D-Laserscanner von Faro ein: „Dank schneller Scans von Gebäuden und Umgebungen kann er vollflächige CAD-Modelle für verschiedene Branchen bereitstellen“, sagt Müllner. „Architektur, Bauwesen, Gebäudemanagement und Denkmalschutz profitieren von dieser Lösung.“ Als Schnittstelle zwischen Scanner und Verarbeitungs- bzw. Zeichen-Software diene ihm „Point Cab 4 BIMm“, damit würden „alle Daten der Laserscanner, Handscanner und Punktwolken aus Kamerabefliegungen mit Drohnen eingelesen“ sowie daraus „sofort und automatisch Grundrisse und Ansichten berechnet“. In der Nachbearbeitung wird alles vom Zeichner zum (3D-)Modell verarbeitet und z. B. einem Architekten als fertiger Bauplan geliefert. Den technologischen Fortschritt bezeichnet Müllner als enorm: „Systeme, die wir vor fünf, sechs Jahren angeschafft haben und die damals das Beste vom Besten waren, sind heute kaum noch etwas wert.“ Die Bedeutung von Drohnen, egal ob sie mit Kameras oder Scannern ausgestattet seien, sei natürlich im Wachsen. Grenzvermessungen, Lage- und Höhenpläne sowie Teilungspläne blieben derweil – auch aufgrund entsprechender Vorgaben – Sache der Geovermessung. Das Vermessungsbüro werde künftig zwar nicht aussterben, es sei aber „eine Verschmelzung unserer Tätigkeiten“ zu erwarten.

Autor/in:
Bernhard Madlener
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