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Von Bau bis Vogel: alle berücksichtigen

18.09.2008

Die Gewinnung von mineralischen Rohstoffen hinterlässt einen „biologischen Fußabdruck“. Steinbrüche, Kies- und Tongruben sind jedoch ein beliebter Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Ein Lokalaugenschein.

Rund 90 Prozent der in Österreich gewonnenen mineralischen Rohstoffe werden in der Bauwirtschaft verwendet. Die Stein- und keramische Industrie, das Forum Rohstoffe, engagiert sich seit einigen Jahren im Rahmen von Kooperationen mit dem WWF oder anderen Naturschutzvereinen für einen aktiven Umwelt- und Naturschutz. Die Stein- und keramische Industrie unterstützt u. a. in den Donauauen den Fortbestand der Bienenfresser, eine vom Aussterben bedrohte Vogelart, und beugt somit Konflikten zwischen Abbau- und Deponieunternehmen und dem Naturschutz vor.

Gleich eines vorweg. Zu sehen waren nur Löcher – nämlich die Eingänge der Brutröhren in einer Steilwand. Großes Staunen – doch die Erklärung folgte rasch. Die Bienenfresser, der Grund für den Ausflug in Richtung Carnuntum, sind bereits wieder in Richtung Süden unterwegs. Die Vögel verwenden die Brutröhren nur einmal. Doch sie kommen regelmäßig zurück – und müssen für ihre Jungen wieder neue Steilwände vorfinden. „Ursprünglich legte der Bienenfresser, der als Insektenjäger vor allem klimatisch begünstigte Landschaften im Pannon besiedelt, seine Brutröhren im Bereich der Steilwände von frisch angerissenen, grabfähigen Prallhängen unregulierter Gewässer an. Heutzutage findet man ihn in Niederösterreich ausschließlich an Sekundärstandorten wie Sand-, Lehm- und Schottergruben sowie in Weingartenterrassen und Hohlwegen des pannonischen Raumes. Dort entstehen regelmäßig Konflikte mit dem Abbau- und Deponiegeschehen“, erklärt Frank Grinschgl, Projektkoordinator des Artensicherungsprogramms der Landesregierung Niederösterreich, Abteilung Naturschutz.
Rekultivierungsbescheide sollen bei großen Kolonien auf den Fortbestand nach dem Abbau und der Deponierung Rücksicht nehmen. Die regelmäßig notwendigen Pflegeeingriffe an den Brutstandorten müssen koordiniert und finanziert werden. Die bisher durchgeführten regelmäßigen Pflegeeingriffe im Rahmen des Artensicherungsprogramms führten zu einem kontinuierlichen jährlichen Bestandszuwachs von 123 Brutpaaren im Jahr 1999 auf 376 kartierte Brutpaare im Jahr 2005 und ca. 400 Brutpaare im Jahr 2007. „Auch 2008 scheint wieder ein gutes Jahr für die Bienenfresser zu werden. Insgesamt werden jährlich ca. 80 Brutwände in Niederösterreich untersucht und betreut. Der gute Kontakt zu den Betrieben des Materialabbaus ist uns wichtig, welcher die Gesprächs- und Kooperationsbereitschaft der Wirtschaftsbetriebe wesentlich erhöhte“, so Grinschgl. Auch der WWF Österreich, BirdLife Österreich und der Naturschutzbund Nieder­österreich und Burgenland sind kooperativ am Bienenfresserschutz beteiligt.

Rohstoffe als Basis

Pro Jahr benötigt jeder Österreicher im Durchschnitt zwölf Tonnen mineralische Rohstoffe. Dieser Bedarf wird in Österreich von 220 industriellen Unternehmen und 700 Gewerbebetrieben gedeckt, die jährlich mehr als 100 Millionen Tonnen Industrie- und Baurohstoffe gewinnen. Die derzeit 126 Mitgliedsunternehmen sind im Bereich der Gewinnung der mineralischen Rohstoffe Sand, Kies, Naturstein, Lehm, Ton, Kalk, Gips und Industriemineralien wie Kaolin oder Kreide tätig. „Die zirka 200 aktiven Steinbrüche und 950 aktiven Sand- und Kiesgruben garantieren eine ‚Branche der kurzen Wege‘. Dabei wird, wo es möglich ist, umweltschonenden Transportmitteln der Vorzug gegeben“, erklärt Carl Hennrich, Geschäftsführer der Stein- und keramischen Industrie. Die Unternehmen des Forums mineralische Rohstoffe und der Stein- und keramischen Industrie investierten in den vergangenen zehn Jahren mehr als 160 Millionen Euro in Renaturierungsmaßnahmen, die Natur- und Artenschutz direkt förderten. Eine nachhaltige Maßnahme, die Weitblick beweist und die Abbaubetriebe zu Musterschülern macht.

Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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