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Vorarlberg / Bauhilfsgewerbe:

03.06.2004

Allein im Trockenausbau wurden in den vergangenen eineinhalb Jahren 4,9 Millionen Euro öffentlicher Aufträge nach Deutschland vergeben.

Das Vorarlberger Bauhilfsgewerbe steht mit dem Rücken zur Wand. Die Innung fordert deshalb eine Änderung der Vergabepraxis bei Land und Gemeinden. Diese Meinung wurde bei der jüngsten Fachgruppentagung einhellig vertreten. Derzeit drängen vor allem deutsche Unternehmen mit Kampfpreisen nach Vorarlberg. Allein im Trockenausbau wurden in den letzten 18 Monaten 4,9 Millionen Euro an deutsche Firmen vergeben.
Nach der für den Bereich Trockenausbau recherchierten Aufstellung gingen in den vergangenen Monaten praktisch alle großen Bauvorhaben an deutsche Anbieter: der Zubau zum Landeskrankenhaus Bregenz und zur Fachhochschule Dornbirn, die Sanierung der Gebietskrankenkasse, und vieles mehr.
In den anderen Bereichen des Bauhilfsgewerbes ist die Situation ähnlich. „Kleine Betriebe sind in ihrer Existenz bedroht, Konkurse drohen unmittelbar“, warnt Innungsmeister Gebhard Pfeiffer von Pfeiffer Verputz und Gerüstbau in Lauterach.

Änderung der Vergabepraxis gefordert
Den Ausweg sieht die Innung in einer Änderung der Vergabepraxis. Motto: Mehr Qualität in die Ausschreibungen! So würden bei Ausschreibungen in Tirol Referenzlisten und Kontoauszüge von Finanzamt und Krankenkasse angefordert. Damit ließen sich betrügerische Unternehmen ausfiltern, die Steuern und Kassenbeiträge nicht bezahlen und dann nach wenigen Monaten oder Jahren Konkurs anmelden.
Gefordert wird von der Innung auch eine genauere Ausschreibung der Projekte. Häufig würden die extrem niedrigen Preise aus der Ausschreibung über hohe Aufschläge für Zusatzleistungen kompensiert, die im Laufe des Bauvorhabens anfallen, mutmaßt Pfeiffer: „Je genauer ausgeschrieben wird und je weniger Zusatzleistungen später anfallen, desto ehrlicher muss die Kalkulation sein.“

Genauere Kontrolle
Auch die tatsächlich erbrachten Leistungen sollten genauer kontrolliert werden, verlangt die Innung der Bauhilfsgewerbe. „Ich habe Zweifel, ob das, was ausgeschrieben wurde, in allen Fällen auch tatsächlich erbracht wurde“, so der Innnungsmeister. „In der Praxis werden Anforderungen an Brandschutz oder Schallschutz auf der Baustelle nicht mehr kontrolliert.“
Schließlich sollte die Ausbildung von Lehrlingen und die Beschäftigung ausgebildeter Facharbeiter als Qualitätskriterium in Ausschreibungen einbezogen werden, fordert die Innung. Durch das Aufsplitten der Ausschreibungen in kleinere Baulose könnten unter anderem auch kleinere Betriebe an den Ausschreibungen teilnehmen.
„Gegen den freien Wettbewerb ist nichts auszusetzen. Erfüllt ein ausländischer Konkurrent die Anforderungen, dann ist die Vergabe des Auftrages nicht zu bemängeln“, betont Pfeiffer. „Den Zuschlag aber immer nur dem Billigstbieter zu erteilen, ist auch wirtschaftlich gesehen völliger Unsinn.“ In einer Ausschreibung müsse nach dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis gesucht werden. Pfeiffer: „Alles andere schadet sowohl dem Gewerbe als auch den Auftraggebern, Land und Gemeinden.“
„Wir erwarten von Land und Gemeinden mehr Engagement für das Vorarlberger Handwerk“, fordert auch der Berufsgruppenobmann der Vorarlberger Trockenbauer, Johannes Reumüller. „Es geht nicht nur um die Existenz der 98 Mitglieder der Berufsgruppe Stukkateur und Trockenbau, sondern um die Bauhilfsgewerbe insgesamt.“ Deren 362 Mitglieder sichern rund 3000 Ausbildungs- und Arbeitsplätze.
Die Vorarlberger Innung sieht dringenden Handlungsbedarf und will das Land Vorarlberg um Unterstützung bitten.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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