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Vorgefertigte Sanitärsysteme im Hochbau

28.08.2019

Das Institut für Baubetrieb und Bauwirtschaft der TU Graz beschäftigte sich im Zuge einer Forschungsarbeit mit vorgefertigten Sanitärsystemen, insbesondere mit Fertigbadzellen im Hochbau. Der gegenständliche Bericht soll einen kurzen Einblick in diese Thematik geben.

Einbringung einer Fertigbadzelle über die seitliche Gebäudeöffnung

In der Bauwirtschaft werden zurzeit immer kürzere Bauzeiten und höhere Qualitäten bei einem zunehmenden Preisdruck verlangt. In diesem Spannungsfeld stellt die industrielle Vorfertigung eine interessante Alternative zur konventionellen Fertigung vor Ort dar. In der gegenständlichen Forschungsarbeit wurde der Einbau von Fertigbadzellen im Hochbau der konventionellen Ausführung von Bädern holistisch gegenübergestellt und die Unterschiede betreffend Bauzeit, Qualität, Kosten und ökologische Nachhaltigkeit aufgezeigt.

Um einen noch höheren Vorfertigungsgrad zu erreichen, werden in der Praxis Fertigbadzellen in Verbindung mit vorgefertigten Installationsschächten verbaut. Für ein Praxisbeispiel wurden verschiedene Kombinationsvarianten aus Fertigbadzellen und Schachtausführungen untersucht. Die Fertigung eines konventionellen Badezimmers stellt in Hochbauprojekten eine komplexe und interdisziplinäre Aufgabe dar. Mängel treten bei der Herstellung von Sanitärräumen häufiger auf als bei Räumen mit üblicher Nutzung. Mit bis zu elf Gewerken stellt die konventionelle Herstellung der Bäder eine für die Bauleitung herausfordernde und interdisziplinäre Aufgabe dar, welche durch den Einbau von Fertigbädern weitestgehend entfällt.

Kriterien für einen wirtschaftlichen Einbau

Der Einbau von Fertigbadzellen sollte in Erwägung gezogen werden, wenn das gesamte Projekt nachfolgende Kriterien erfüllt:

  • Das Projekt sollte sich noch in der Entwurfsphase befinden, womit eine frühe Berücksichtigung ermöglicht werden soll.
  • Die Vereinheitlichung der Bäder sollte mit dem geforderten Nutzungskonzept grundsätzlich möglich sein.
  • Die verschiedenen Typen der Bäder sollten zumindest 20-mal je Badezimmertyp benötigt werden, wobei vereinzelte Badezimmertypen, welche seltener als 20-mal verbaut werden sollen, im geringen Ausmaß zur Gesamtanzahl der Bäder ebenso möglich sind.
  • Im angrenzenden Bereich zur Fertigbadzelle sollte das Projekt mit einem genügend hohen Bodenaufbau versehen sein, damit ein schwellenfreier Übergang in die Fertigbadzelle gewährleistet wird.
  • Die Breite der Fertigbäder sollte 2,50 m nicht überschreiten, da sonst kostspielige Sondertransporte notwendig werden.
  • Der Baustellenkran muss ausreichend Kapazität aufweisen.

Nutzen für den Kunden

Der Nutzen für den Kunden der Bauunternehmung (Bauherr) besteht darin, dass durch den Einbau von Fertigbädern grundsätzlich mit einer Kostenersparnis und einer Bauzeitverkürzung, welche mit früheren Erträgen aus dem Projekt (z.B. Mieteinnahmen) und niedrigeren Finanzierungskosten verbunden ist, gerechnet werden kann, dies bei einer Ausführungsqualität mit industrieller Qualitätssicherung. Darüber hinaus ist beim Einbau von Fertigbadzellen und bei der Verwendung von vorgefertigten Installationsschächten beziehungsweise einer Kombination aus beiden Systemen abhängig von der verwendeten Systemvariante eine effizientere Flächennutzung – mehr Nutzfläche bei vorgegebener Bruttogeschoßfläche – aufgrund von schlankeren Wandkonstruktionen möglich. Für den Projektentwickler oder Bauherren stellt die Flächennutzung die wertvollste Ressource dar.

Ausblick

Zurzeit werden Sanitärzellen vermehrt in Hotels bzw. Studentenheimen verbaut, da bei diesen Projekten in der Regel eine hohe Wiederholungsrate an standardisierten Bädern vorherrscht. Der Einbau von Fertigbadzellen könnte jedoch zukünftig durch die Vereinheitlichung der Bäder seitens der Planer oder Auftraggeber im Bereich anderer Nutzungsgruppen (z.B. Wohnbau oder Seniorenheime) forciert werden.

Autor/in:
Gottfried Mauerhofer

ist Professor für Baumanagement am Institut für Baubetrieb und Bauwirtschaft an der TU Graz.

www.bbw.tugraz.at

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