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Vorläufige Novellierung

21.08.2013

Zahlreiche Neuerungen in der Wiener Bauordnung sollen Verbesserungen im Bereich der Ökologie und Sicherheit bringen und kostengünstiges Bauen und Wohnen schaffen. Ein erster Entwurf liegt vor.

Im Rahmen einer Pressekonferenz im Wiener Rathaus präsentierten Wohnbaustadtrat Michael Ludwig und Gemeinderat Christoph Chorherr einen ersten Entwurf der neuen Wiener Bauordnung. Drei zentrale Themenblöcke bestimmten die Präsentation. Man wolle kostengünstiges Bauen und Wohnen fördern und ebenfalls für mehr Wohn- und Lebensqualität für alle Wiener sorgen. Der dritte Eckpunkt der Novelle bezieht sich auf Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit. „Zahlreiche Verbesserungen durch die vorliegende Novelle“ verspricht Wohnbau-stadtrat Ludwig, von einem „Prunkstück der rot-grünen Stadtregierung“ spricht Chorherr. Doch welche Neuerungen bringt dieser Entwurf nun wirklich mit sich?

 

Widmungen, Kamine, Kleingärten

Durch die Einführung der Widmungskategorie „förderbarer Wohnbau“ soll Wohnraum mobilisiert werden. In diesen Widmungsgebieten sollen demnach nur Bauten errichtet werden, die die bautechnischen Spezifikationen in Anlehnung an die Wohnbauförderung erfüllen. Um Baukosten zu senken, ist die verpflichtende Errichtung von Notkaminen in der neuen Fassung der Bauordnung nicht mehr vorgesehen.

 

Auch im Bereich der Dachgeschoßausbauten soll Erleichterung geschaffen werden. Dachgeschoßausbauten für Wohnzwecke, soweit diese mit einer „Ansteilung“ oder „Aufklappung“ des bestehenden Daches verbunden sind, sollen künftig nicht mehr als Zubauten, sondern als „Änderungen von Bauwerken“ gelten. Dadurch sollen diesen die Bestimmungen des aktuellen Bebauungsplans nicht mehr im Weg stehen.

 

Am anderen Ende des Hauses setzt ein weiteres Novum an. Um eine Flexibilität in der Nutzung von Erdge-schoßzonen zu erreichen, soll der Stadtplanung die Möglichkeit eröffnet werden, gegebenenfalls im Bebauungsplan eine Mindestraumhöhe für Erdgeschoße vorzusehen.

 

Kleingartenwohnhäuser müssen zwar derzeit den Erfordernissen der Wiener Bauordnung hinsichtlich des Schallschutzes nicht entsprechen, durch eine mögliche Umwidmung von „Grünland – Erholungsgebiet – Kleingartengebiet“ auf ganzjähriges Wohnen sollen jedoch Anreize zum Umbau geschaffen werden. Eine solche Umwidmung soll erst dann möglich werden, wenn die bautechnische Ausführung des Gebäudes nach den Kriterien der Wiener Bauordnung – insbesondere auch betreffend Schallschutz – erfüllt ist.

 

Erleichterungen, neue Standards

Erleichtert soll in der neuen Fassung der Zubau von Balkonen und Aufzugsanlagen werden. Balkone sollen zukünftig unter Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen auch über öffentliche Verkehrsflächen in größerem Ausmaß als bisher errichtet werden dürfen. Bewilligungen für Aufzugszubauten sollen auch dann zu erteilen sein, wenn sie über eine Bauflucht­linie in eine gärtnerisch auszugestaltende Fläche ragen.

 

Die Stärke von nachträglich angebrachten Wärmedämmungen soll von 16 auf 20 Zentimeter erweitert werden, um U-Werte unter 0,15 W/m²k erreichen zu können. Dies soll auch für nachträgliche Anbringungen an Hausdächern gelten.

 

Mit der Einführung des „Wiener Solarstandards“ wird es künftig verpflichtend sein, auf brachliegenden Fassaden- und Dachflächen von Dienstleistungsgebäuden Energie zu erzeugen. Die Fotovoltaik­anlagen müssen eine Mindestleistung von 1 kW Peak pro 100 Quadratmetern Bruttogeschoßfläche erbringen. Das entspricht einer rund zehn Quadratmeter großen Anlage pro 100 Quadratmetern.

 

Erhöhung der Sicherheit

Durch die Novelle sollen zukünftig Eigentümer eines Gebäudes verpflichtet werden, ein „Bauwerksbuch“ zu führen. In dieses soll nach regelmäßigen Kontrollen bestimmter Bauteile ein Ist-Stand eingetragen und so der Zustand des Hauses dokumentiert werden.

 

Künftig soll auch gesetzlich verankert werden, dass für Bauführungen durch juristische Personen zwingend eine fachlich befugte Person als „baurechtlicher Geschäftsführer“ bestellt und der Behörde bekanntgegeben werden muss. Dieser soll sich für die Einhaltung der Bauvorschriften verantwortlich zeigen.

 

Am Ende des Jahres

Wie viele der präsentierten Punkte und in welchem Ausmaß diese wirklich in die Novellierung der Wiener Bauordnung Einzug finden, ist noch unklar. Zuerst müssen die Vorschläge eine vierwöchige interne, danach eine sechswöchige externe Begutachtungsfrist durchlaufen. Danach wird die Bauordnung der Landesregierung zum Beschluss vorgelegt und muss anschließend vom Landtag beschlossen werden. Der Abschluss des Gesetzgebungs-verfahrens wird somit voraussichtlich zum Jahreswechsel erfolgen – inklusive Änderungen der Änderungen.  

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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