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Vorreiter im Recycling

18.03.2010

Bis 2020 müssen alle EU-Mitgliedstaaten 70 Prozent der mineralischen Baurestmassen verwerten. ­Österreichs Bauwirtschaft erweist sich dabei bereits jetzt in puncto Baustoffrecycling als Musterschüler.

Die gestiegene Anzahl an Sanierungsprojekten steigert die Anforderungen für Bauunternehmen. Hochqualitatives Baurestmassen-Recycling ist das Ziel – dem Österreich bereits sehr nahe ist. Der Abtrag des Wiener Südbahnhofes ist eines der aktuellsten Projekte Österreichs, bei dem gewaltige Baurestmassen anfallen. 60 Prozent des abgebrochenen Bahnhofes wird vor Ort als rezykliertes Baumaterial wiederverwendet. Mobiles Recycling spart dabei nicht nur Zeit, sondern auch Geld, denn Transporte entfallen.

Das 20-jährige Bestehen des österreichischen Baustoff-Recycling-Verbandes, BRV, war Anlass genug, Resümee zu ziehen als auch einen Ausblick auf künftige Bedingungen zu geben. Günter Gretzmacher, Präsident BRV: „Mit dem Abfallwirtschaftsgesetz mussten sich die Baufirmen verstärkt mit dem Umweltaspekt auseinandersetzen. 1990 wurde der BRV mit 14 Mitgliedern gegründet – heute zählt er 60 Unternehmen.“

Wolfgang Stanek, Porr Umwelttechnik und Präsident des Güteschutzverbands Recycling Baustoffe, GSV, betont: „Die Frage wird jedoch sein, welche Kontrolle wir benötigen – um unseren Qualitätsstandard zu sichern. Das bedeutet: so viel Staat wie notwendig, so viel privat wie möglich.“

Dass Österreich beim Wiederverwerten gute Zahlen vorweisen kann, ist nicht zuletzt den verschärften Auflagen für Bauunternehmen zuzuschreiben. Dass es noch besser geht, zeigt Holland. Ramon Janssen, European Quality Association for Recycling, EQAR, berichtet von den neuesten Entwicklungen: „Neben einer Deponiesteuer, die bei bis zu 107 Euro pro Tonne liegt, wird bei uns die erlaubte Menge an rezyklierten Baustoffen bei öffentlichen Bauten auf 50 Prozent erhöht.“ Gretzmacher würde eine europaweite Regelung betreffend den Anteil der rezyklierten Baustoffe bei öffentlichen Bauten begrüßen. Er hebt die Niederlande hervor, welche mobile Recyclinganlagen bereits via GPS überwachen.

Fazit nach einem Blick auf die Länder Deutschland, Südtirol, Tschechien, Zypern: Österreich ist Vorreiter in puncto Recycling, nur die Schweiz hat noch schärfere Kontrollen.


Normen als Grundlage
Für Harald Hirnschall, Vorstand GSV, steht die Qualität der rezyklierten Baustoffe in direktem Zusammenhang mit ihrem Einsatz. Die Qualität betreffend gibt es EU-weit die CEN – die europäische Normierung. Die nationale Umsetzung obliegt jedem Land. In Österreich gibt es die Richtlinie für Recycling-Baustoffe. Die ÖNorm B 3131 befindet sich als Umsetzungsnorm der ÖNorm EN 12620 in Begutachtung und soll noch vor dem Sommer veröffentlicht werden. „Derzeit wird an einer Festlegung bezüglich die Prüfmethoden gearbeitet, wobei es in Richtung der Beurteilung des Auslaugverhaltens geht“, erklärt Hirnschall.

Leopold Zahrer, Lebensministerium, hält die qualitative Abfallverwertung noch wesentlicher als die quantitative: „Das Abfallwirtschaftsgesetz sollte bereits in den Ausschreibungen berücksichtigt werden.“ Zahrers Visionen für Österreich sind eine Schadstofferkennung bereits vor Abbruch, ein verwertungsorientierter Rückbau wie auch die Konkretisierung der Beurteilung von Recycling-Baustoffen.

Gretzmacher zeigt sich kämpferisch: „Wir haben vor allem ein Imageproblem. Baurestmassen sind Abfall, und der hat ein negatives Image. Das ist auch der Grund, warum bei uns rezyklierte Baurestmassen nicht für den sogenannten Wohnbeton eingesetzt werden – obwohl die Qualität passt.“ Gretzmacher betont eine weitere Problematik, die Berge von rezyklierten Material aus dem Hochbau, RMH: „Es gibt keinen Absatzmarkt für das Mischgranulat. Wobei die Einsatzgebiete vielfältig sind, als Hinterfüllung im Leitungsbau wie auch für Drainagen oder Schotterrasen.“ Die Dreijahreslagerungsfrist für die RMH-Berge ist vorbei – der BRV hofft auf eine Verlängerung, bis die Einsatzgebiete wahrgenommen werden.

Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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