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Vorsichtiger Optimismus

11.02.2011

Die Bauwirtschaft wird auch im neuen Jahr immer noch mit den Folgen der Wirtschaftskrise zu kämpfen haben. Die Aussichten für 2011 versprechen der Branche zurzeit noch nur ein geringfügiges Wachstum.

Die Konjunkturprognose für 2011 sieht einen steigenden Produktionswert von 0,3 Prozent voraus. Die Steigerungen der Produktionswerte – 2010: 29,4 Milliarden Euro, 2011: 29,5 Milliarden Euro – reichen laut Wifo jedoch voraussichtlich nicht aus, um den negativen Beschäftigungstrend zu stoppen oder umzukehren.  Die Prognosen für die Arbeitsmarktentwicklung in der Baubranche stehen heuer unter dem schwer abschätzbaren Einfluss der Budgetkonsolidierung, die das staatliche Defizit bis 2012 unter das Maastricht-Limit von drei Prozent des BIP senken und die Staatsverschuldung bremsen will.

„Die von der Regierung eingeleiteten Maßnahmen zur Budgetkonsolidierung werden sich auch auf die konjunkturelle Entwicklung der Baubranche auswirken. Demzufolge ist nach wie vor für die Konjunktur am Bau nur vorsichtiger Optimismus angebracht“, ist auch Walter Ruck, Landesinnungsmeister Bau Wien, überzeugt.  „Es ist nicht zu leugnen, dass eine Budgetkonsolidierung dämpfende Effekte auf Wachstum und Beschäftigung habe“, analysiert Wirtschaftsforscher Markus Marterbauer.

Nach dem Einbruch der Produktion im Jahr 2009 führt die rückläufige Bautätigkeit laut Euroconstruct aufgrund der zögerlichen Privatinvestition vor allem im Wohnungsneubau zu einer sinkenden Beschäftigungsnachfrage bis ins Jahr 2011. Im Hochbau ist laut Wifo durch die Erholung der gesamtwirtschaftlichen Lage mit einem realen Veränderungsplus von 2,3 Prozent zu rechnen. Ein verbesserter Zugang zur Finanzierung sorgt für eine steigende Bonität der Unternehmen. Dennoch stellt die schwache Nachfrageentwicklung ein Risiko für Bautätigkeiten dar. Einen wichtigen Impuls wird jedoch die Neuauflage der thermischen Sanierungsförderungsaktion bringen.

Im Baunebengewerbe rechnen die Arbeitsmarktexperten aufgrund des konstanten Privatkonsums mit einem gleichbleibenden Personalbedarf für die kommenden Jahre. Die einstige „Konjunkturlokomotive“ Tiefbau und Straßenerhaltung wird trotz ungewöhnlich schwacher Entwicklungen im Jahr 2009/2010 im neuen Jahr positive Zahlen verzeichnen, auch die Beschäftigungszahlen sollen wieder leicht ansteigen. Die Asfinag verkündet allerdings, dass bis zum Jahr 2016 aufgrund reduzierter Mauteinnahmen Einsparungen in der Höhe von 2,8 Milliarden Euro im Bauprogramm vom Autobahnen- und Schnellstraßennetz vorgenommen werden müssen.


Stabiler privater Konsum
Die von hoher Beschäftigungsdynamik geprägten Bauhilfsberufe litten in den vergangenen Jahren am heftigsten unter der Konjunkturkrise. Vom Beschäftigungsrückgang sind gering qualifizierte Arbeitskräfte auch zukünftig – laut Arbeitsmarktservice bis 2014 – am stärksten betroffen. Überdies kommt es während der Wintermonate in diesem Berufsfeld häufig zu saisonaler Arbeitslosigkeit. Für das Berufsfeld Holz- und Sägetechnik prognostizieren Branchenexperten einen leicht rückgängigen Beschäftigungstrend im Jahr 2011. In fernerer Zukunft wird das Beschäftigungsniveau von 2010 dennoch gehalten.

Die Nachfrage für höher qualifizierte Fachleute, die auch mit computergesteuerten Produktionsabläufen vertraut sind, steigt signifikant. Eine anhaltend schwierige Arbeitsmarktsituation für Tischlerei und Naturmaterialienverarbeitung liegt in dem Verlust der Bedeutung von kunsthandwerklichen Berufen zu begründen. Auch das Jahr 2011 liefert keine positiven Aussichten für Beschäftigungschancen. Nur Zimmereifachleuten wird eine positive Beschäftigungsentwicklung prognostiziert.

Der Abwärtstrend in der Maschinen- und Metallwarenindustrie in puncto Beschäftigung ist seit Sommer 2010 beendet. Den kräftigen Produktionsrückgängen der Jahre 2008 und 2009 von 21 Prozent im Maschinenbau und minus 16,5 Prozent bei der Metallware standen Personalkürzungen um lediglich 4,8 bzw. 3,9 Prozent gegenüber. Unter Annahme eines für heuer zu erwartenden Produktionsplus ist, laut Fachverband, mit einem Aufbau der Beschäftigung zu rechnen. Ruck ist davon überzeugt, dass die angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt noch eine Zeitlang bestehen bleibt: „Als weiterer Unsicherheitsfaktor ist die bevorstehende Öffnung des österreichischen Arbeitsmarkts ab Mai 2011 zu werten, deren Auswirkungen derzeit noch nicht seriös prognostiziert werden können.“ Laut Wifo steht der Baubranche im Jahr 2012 jedoch wieder ein Wachstum von 0,6 Prozent bevor. Grund genug, positiv in die Zukunft zu sehen.

Undine Renner

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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