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„Eine Baustelle ist bis zu einem gewissen Grad  einfach ein chaotisches System, in dem nicht immer alles planbar ist und Dinge fehlen", sagt Ralf Mittermayr, Sprecher des Vorstands von Saubermacher.

Wastebox: Simple Idee mit großem Potenzial

07.05.2018

Wastebox wagt auf der IFAT den Schritt nach Deutschland. Warum dem Wachstum aber keine Grenzen gesetzt sind und es um mehr als nur einen Markt gehen kann, erzählt Ralf Mittermayr im Gespräch mit der Bauzeitung.

In der Baustoffentsorgungsbranche hat sich lange wenig verändert, bis 2016 Wastebox.biz auf den Markt gekommen und das Geschäft digital gemacht hat. Im Interview erzählt Ralf Mittermayr, Sprecher des Vorstands von Saubermacher, wie die digitale Plattform funktioniert, von den Baufirmen und Entsorgern aufgenommen wird und warum Baustellenabfälle eigentlich nur die Spitze des Eisbergs sind.

Mit der Wastebox.biz hat das digitale Zeitalter in der Baustoffentsorgungsbranche Einzug gehalten. Wie kam es dazu?

Ralf Mittermayr: In Österreich sind im Moment rund 300 Unter­nehmen mit der Baustellenentsorgung beschäftigt, es ist also ein sehr regionales Geschäft. Wenn Sie als Baufirma österreichweit tätig sind, müssen Sie mit vielen verschiedenen Partnern zusammenarbeiten. Mit jedem haben Sie eigene Vereinbarungen und Verträge, die ausgehandelt und erneuert werden müssen. Hier haben wir die Notwendigkeit einer Schnittstelle gesehen, die beiden Seiten die Arbeit erleichtert und sowohl Kosten als auch Zeit spart.

Die Lösung ist ein System, mit dem Sie beide Seiten des Geschäfts, also Entsorgungsfirmen und Baufirmen, servicieren.

Mittermayr: Genau. Die größte Revolution der letzten Jahrzehnte in der Entsorgungsbranche kam aus der Telekomunikation: die Erfindung des Handys. Davor mussten Poliere, die auf der Baustelle kein provisorisches Baustellentelefon hatten, bis zur nächsten Telefonzelle laufen, um Bauschuttcontainer zu bestellen oder abholen zu lassen. Dabei mussten sie aber auch das Glück haben, jemanden zu erreichen und dass die Firma gerade einen Container oder einen Lkw zur Abholung frei hat. Mittlerweile ist Internet flächendeckend verfügbar, und auch sind haute die meisten Menschen mit Smartphones oder Tablets ausgestattet. Hier kommt unsere App ins Spiel. Der Polier auf der Baustelle logt sich ein, wählt die mit GPS-Daten versehene Baustelle aus, auf der er sich befindet, sowie die benötigten Bauschuttcontainer und bestellt diese per Click. Im nächsten Moment scheint dieser Auftrag bei unseren Entsorgerfirmen in der Nähe mit genauen Zeit- und Mengenangabe auf, wird angenommen und erledigt. Ohne Telefonieren, ohne Wartezeiten, ohne Stillstand. Bei der Abholung funktioniert es dann auch genau so.

Sie haben Aufstellung und Abholung getrennt?

Mittermayr: Das war eine bewusste Entscheidung, sie läuft für den Polier genauso ab wie eine Bestellung. Er scannt die Mulde mittels QR-Code ein, klickt auf „Abholen“, und unser System vergibt den Auftrag. Die Firma, die die Mulde geliefert hat, kann beispielsweise gerade mit ihrer Flotte ganz woanders unterwegs sein, wodurch sich die Abholung verzögern würde. Ist ein anderer Anbieter gerade mit einem leeren Lkw in der Gegend, kann er einfach den Auftrag annehmen und die Mulde abholen. Dadurch wird ressourceneffizient gearbeitet, die Baustellenbetreiber sparen wiederum Zeit, und unser Partner, der die Mulde abholt, verdient Geld mit einer Fahrt, die sonst nur Kosten verursacht hätte.

Läuft der notwendige Papierkram auch automatisch und elektronisch mit?

Mittermayr: Ja – jeder Schritt wie Auftrag, Vergabe, Rechnung und alles weitere kann jederzeit aktuell eingesehen werden, und die entsprechenden Dokumente können downgeloadet werden. So wird sofort eine Rechnung gestellt, wenn die Entsorgungsfirma den bestellten Container am vereinbarten Ort abgeladen hat und dies durch Scannen eines QR-Codes auf der Mulde im System bestätigt wird. Dadurch ersparen wir dem Polier genauso wie der Entsorgungsfirma unnötiges Zettelwerk, und auch die Buchhaltungsabteilungen sind zufrieden, weil sie alle Dokumente an einem Ort haben. 

Das heißt aber im Umkehrschluss auch, dass ein guter Service Ihrerseits mit einem funktionierenden Netzwerk an Versorgern steht und fällt.

Mittermayr: Das ist richtig. Es arbeiten mittlerweile mehr als 50 Entsorgerfirmen mit unserem System, das über 200 große Baufirmen nutzen. Das heißt, rein rechnerisch wird jede sechste professionelle Entsorgung von einem unserer Partner durchgeführt.

Was sind die nächsten Ziele für Wastebox.biz?

Mittermayr: In Österreich erachten wir es als durchaus realistisch, bei unserem prognostizierten Wachstum in den nächsten vier Jahren 20 Prozent Marktanteil zu erreichen. International ist unser nächster Schritt noch heuer in Deutschland auszurollen, und nächstes Jahr folgen zwei weitere große europäische Länder. Auch wenn unser Fokus dezidiert erstmals auf Europa liegt, stößt unsere Lösung weltweit auf Interesse. Ich war vor kurzem in Dubai und Abu Dhabi unterwegs, wo sich der Staat für unser System begeistert. Da dort die Deponien in staatlicher Hand sind, könnte man mit kleinen Änderungen auch gleich die Abrechnung darüber machen. Wenn der Container voll die Baustelle verlässt, wird sofort eine Rechnung gestellt. Dadurch könnte man geordnetere Wege schaffen und illegaler Müllentsorgung das Wasser abgraben.

Ich habe gehört, dass Sie nun auch in den Baumaschinensektor investieren wollen. Stimmt das?

Mittermayr: Eine Baustelle ist bis zu einem gewissen Grad einfach ein chaotisches System, in dem nicht immer alles planbar ist und Dinge fehlen. Wir haben durch unsere Arbeit gelernt, dass unsere Kunden in der Baubranche auch andere Ad-hoc-Bedürfnisse haben, die unser System einfach lösen kann. So bieten wir in der Steiermark mittlerweile schon einfache Baustofflieferung – egal ob Schotter, Sand oder andere Materialien – an. Wenn ich gerade merke, dass ich doch noch ein, zwei Fuhren brauche, kann man die über uns bestellen. Gleiches ist denkbar für Schalungsplatten, Minibagger, Verdichter, Werkzeuge und vieles mehr. Wir haben auch unglaublich viele Anfragen, ob man nicht auch Arbeitskräfte über das System vermitteln kann. Es gibt viele Möglichkeiten, und wir überlegen gerade, wo und wie wir das System sinnvoll einsetzen können und welche strategischen Partner dafür infrage kommen.

Kombiniert man Ihre Ambitionen zum Ausbau der Plattform Wastebox.biz mit den vorhandenen Kompetenzen von Saubermacher und verknüpft diese mit BIM, stehen Ihnen viele spannende Handlungsfelder über den Lebenszyklus hinweg offen. 

Mittermayr: Wenn man an BIM denkt, machen Schnittstellen zu unserem System natürlich viel Sinn. Gerade bei Teilbranchen, die mit vorgefestigten Szenarien arbeiten, ist dies sehr einfach umsetzbar. Die Fertigteilhausfirma weiß 48 Stunden zuvor, dass der Baubeginn bevorsteht. Der Chef gibt das in seinem System ein, jeder wird benachrichtigt, auch Wastebox.biz. Die dort hinterlegte Bestellung einer kompletten Erstbestückung der Baustelle wird in Auftrag gegeben, und einer unserer Partner wird diese übernehmen. Ebenso können wir elektronisch melden, wann die Container abgeladen worden sind und die Rechnungen sowie die Aufträge gleich hinterlegen. Oder denken Sie an das Ende des Lebenszyklus, den Gebäudeabriss. Dank BIM wüssten wir auf das Kilogramm genau, welche Materialien uns erwarten, wohin diese gebracht werden müssen und wie viele davon recyclierbar sind. Ich könnte schon vor dem Abriss eine Ausschreibung machen, dass wir am Tag X eine gewisse Masse an Ziegelbruch haben und diese verkaufen. Ein Unternehmen der Region, das damit Recyclingbaustoffe herstellt, bekommt den Zuschlag, und von der Baustelle wird direkt geliefert. Die Möglichkeiten sind mannigfaltig. Ebenso könnten wir Branchenlösungen anbieten, die immer wiederkehrende Szenarien ohne Mehrkosten automatisieren. Zu diesem Thema sind wir gerade mit einigen Verbänden in intensiven Gesprächen. Gleichzeitig forschen wir auch selber mit verschiedenen Universitäten an Lösungen und Szenarien, in die sich unser System implementieren lassen kann. Das sind unsere Baustellen: überall dort, wo ich Prozesse, die hochfragmentiert sind sowie viele Telefonate und Excel-Listen benötigen, über eine Schnittstelle einfach lösen kann.

www.wastebox.biz

Autor/in:
Christoph Hauzenberger
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