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Weit mehr als ein Branchentreff

12.03.2014

2.000 Besucher, 90 Aussteller, 50 Fachvorträge – die Kennzahlen des Baukongresses 2014 versprechen eine erfolgreiche Veranstaltung. ÖBV-Geschäftsführer Michael Pauser im Interview.

Von 3. bis 4. April 2014 wird das Austria Center in Wien für zwei Tage Treffpunkt der Baubranche Zentraleuropas. Bauherren, Projektentwicklern, Planern, Ausführenden und Vertretern der Baustoffindustrie wird am Baukongress 2014 wieder ein umfangreiches Programm geboten. Veranstalter Michael Pauser, Geschäftsführer der Österreichischen Bautechnik Vereinigung (ÖBV), verrät im Interview mit der Bauzeitung Einzelheiten.

 

Der Baukongress findet in diesem Jahr zum ersten Mal unter dem neuen Namen statt. Sie sind ein bisschen wehmütig, sich nach so vielen Jahren endgültig vom „Betontag“ verabschieden zu müssen?

Pauser: 2012 hatten wir mit dem 41. Betontag unseren letzten veranstaltet. Den ersten gab es 1947 in Wien, danach ging es u. a. nach Pörtschach, Kitzbühel, Bad Ischl und in die Landeshauptstädte. Seit 1998 wurde der Kongress – ergänzt durch eine Fachausstellung – in ununterbrochener Folge in Wien abgehalten, und wir konnten damit die Teilnehmerzahl auf bis zu 1.700 Kongressteilnehmer erhöhen. Wien ist ganz einfach die nationale und internationale Drehscheibe.

 

Um auf ihre Frage zurückzukommen: Ich bin nicht wehmütig. Für die Insider war der Betontag stets ein Begriff, jedoch habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, und hier nicht nur mit Politikern, sondern auch mit Bauherren, Projektentwicklern, Planern, aber auch mit Fachleuten aus der Baustoffindustrie, dass wir mit diesem Kongressnamen etwas belächelt wurden.

 

Durch den Namen „Baukongress“ wollen Sie sich thematisch neuen Themenbereichen öffnen. Was dürfen die Teilnehmer des Baukongresses erwarten?

Pauser: Wenn Sie die Programmblöcke vom Betontag 2012 mit dem Baukongress 2014 vergleichen, hat sich nicht viel geändert. Wir haben die Bereiche Verkehrsinfrastrukturbau und Hochbau für die Themenfelder angewandte Entwicklung, Projektvorschau, Planung  und Bauen, sowohl im Inland als auch in den Nachbarländern und auch im Ausland. Wenn man diese Schwerpunkte hernimmt, geben Sie mir sicherlich recht, dass der Name „Baukongress“ dies mehr als der Name „Betontag“ auf den Punkt bringt.

 

Trotz allem gibt es auch neue immer wichtiger werdende Themenblöcke für den Baukongress 2014, wie „Erneuerbare Energien – Green Building“. Ein Umdenken vom „Ich werde versorgt“ zum Nutzen von Energiequellen am Standort des Gebäudes selbst ist zukünftig sicherlich notwendig. Dass es heute bereits funktioniert, dazu werden einige Projekte mit unterschiedlicher Herangehensweise am Baukongress bereits vorgestellt.

 

Besonders freut es mich, dass in diesem Jahr erstmals die Verleihung des Europäischen Betonbaupreises im Rahmen der Eröffnung des Baukongresses stattfindet. Dazu gibt es insgesamt 34 Nominierungen aus zehn Ländern. Wir dürfen gespannt sein, wie sich die zehnköpfige internationale Jury entschieden hat und welche Länder die Trophäe in der Kategorie „Building“ oder „Civil Engineering“ nach Hause bringen. 2012 waren es Italien und die Niederlande. Vielleicht schafft es Österreich erstmals.

 

Der Kongress punktet vor allem immer durch ein anspruchsvolles Vortragsprogramm. Nach welchen Kriterien werden die Vortragsthemen ausgewählt?

Pauser: Wir haben knapp 200 Vortragseinreichungen erhalten. Nur 50 davon konnten wir nehmen. Als Kriterium galt nicht ein Projekt oder eine Baustelle mit einer immens hohen Kubikmeterzahl an Beton oder Tonnen von Stahl. Sondern die Bauinnovation oder die Kompliziertheit stand bei der Vortragsauswahl im Vordergrund.

 

Wie zum Beispiel der Tunnel Feldkirch, ein bergmännischer Kreisverkehr mit vier Tunneln, oder die Europäische Zentralbank in Frankfurt, ein 40-stöckiges Hochhaus mit geneigtem Kern, oder der Tunnel Götschka, als der längste dreistreifige Tunnel Europas.

 

Die Vorbereitungen gehen in den Endspurt. Wie ist der aktuelle Anmeldungsstand?
Pauser Wie haben derzeit 1.500 Registrierungen. Es kommen in diesem Jahr mehr Planer, die auch erkannt haben, ihre Leistungen auszustellen, mehr Dienstleister für das Bauen wie z. B. Softwarehäuser, Baumaschinenlieferanten, aber auch Stahlbauer.

 

Neben dem umfangreichen Vortragsprogramm, das wir in den vergangenen Ausgaben der Bauzeitung auszugsweise vorgestellt haben, stehen in diesem Jahr gleich zwei Exkursionen zur Auswahl. Wo geht’s hin und welches Baustellenprojekt werden Sie sich selbst ansehen?
Pauser: Diesmal bieten wir gleich zwei Exkursionen an: Die neue ÖBB-Konzernzentrale beim Hauptbahnhof für die Hochbauinteressierten und die Verlängerung der U1-Troststraße für die Tiefbauer. Ich werde mir vom 23. Stock der neuen ÖBB-Zentrale die Baufortschritte aller Hochbauten rund um den Wiener Hauptbahnhof und das nun fertiggestellte Rautendach des Hauptbahnhofs ansehen.

 

2013 war für die gesamte Baubranche nicht das beste Jahr. Wie nehmen Sie die Stimmung innerhalb Ihrer Mitgliedsunternehmen wahr?
Pauser: Alle unsere Mitglieder, sowohl unsere Bauherren als auch Ingenieurbüros sowie unsere Bau- und Baustoffindustrie, klagen über die geringen Bauinvestitionen in Österreich. Zukünftig wird sicherlich mehr auf Instandsetzung gesetzt werden müssen, denn diese Arbeiten können nicht aufgeschoben werden. Im Neubau wird in Zukunft sicherlich mehr auf die Dauerhaftigkeit und Umweltverträglichkeit geachtet werden. Am Baukongress können diesbezüglich sicherlich Impulse gesetzt werden.

 

In den vergangenen Jahren ist die Veranstaltung von Besucher- und Ausstellerseite kontinuierlich gewachsen. Ist mittelfristig eine Erweiterung des Kongresses geplant?

Pauser: Im Austria Center Vienna, das wir bereits die letzten neun Male als Austragungsstätte ausgewählt haben, gebe es noch genügend Raumreserven. Sollten wir weiterwachsen, so darf dies nur unter der Voraussetzung, dass dabei die Qualität erhalten bleibt, geschehen.

 

Der Baukongress ist aber nur ein Veranstaltungshighlight der Österreichischen Bautechnik Vereinigung. Was steht in diesem Jahr sonst noch auf der Agenda?
Pauser: Unsere Seminarschiene Betonakademie, deren Seminarinhalte auf die verschiedenen Zielgruppen Bauherr , Bau- und Baustoffindustrie und Planer abgestimmt sind, wird in ihrem erfolgreichen neunten Seminarjahr noch einige Seminare anbieten. Derzeit haben wir für dieses Schulungsjahr bereits mehr als 1.200 Registrierungen.

 

In Sachen kooperativer Projektabwicklung, ebenfalls wichtig für Bauherren, Planer und Ausführende, werden wir jährlich eine Veranstaltung zur Verbreitung dieses Gedankens und zur Statuserhebung der Durchführung in den Häusern organisieren. Und einige ÖBV-Richtlinien und ÖBV-FFG-Forschungsprojekte werden auch 2014 fertiggestellt. Auch hier ist es uns wichtig, dass es ein Gemeinsam zwischen Bauherren, Planern und der Bau- und Baustoffindustrie gibt.

Danke für das Interview.

Dem Aufruf zum Europäischen Betonpreis 2014 folgten 34 Einreichungen welche sich auf 19 Einreichungen im Bereich Gebäude und 15 Einreichungen im Bereich Hoch-und Tiefbau in ganz Europa aufteilen. Durch eine internationale ECSN Jury wurden diese entsprechend einer Reihe von Kategorien bewertet. Die Gewinner der beiden Bereiche werden zum ersten Mal während dem Baukongress 2014 vorgestellt.

 

Einen kleinen Einblick gibt es aber jetzt schon hier.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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