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Weniger Energie, mehr Aufträge

04.02.2011

Kaum ein Argument wirkt derzeit gegenüber einem Bauherrn so nachhaltig wie die Aussicht, mit verbesserter Dämmung, neuen Fenstern, optimierter Heizungsanlage und Fassade Energiekosten langfristig zu sparen. 

Energieausweis-Software hilft nicht nur bei der energetischen Gebäudeoptimierung, sondern auch bei der Neukundengewinnung für das Baugewerbe – so behaupten es zumindest die Anbieter. Der Frage, ob und wie man mit Know-how und aktueller Software tatsächlich bei potenziellen Bauherren punkten kann, geht dieser Artikel nach und bietet einen Produktvergleich der aktuellen Energieausweis-Software.

Das Marktpotenzial für energieeffizienzsteigernde Maßnahmen ist riesig, drei Viertel der rund zwei Millionen Gebäude und rund vier Millionen Wohnungen in Österreich zählen zu den Energieverschwendern. Diese Gebäude wurden meist in Zeiten gebaut, als fossile Brennstoffe noch billig waren. Insbesondere bei Wohngebäuden aus den 60er-, 70er- und 80er-Jahren ließen sich bis zu 50 Prozent an Energiekosten einsparen, wenn man Dächer und Fassaden ordentlich dämmen würde. In anderen Ländern sieht es ähnlich aus. Im Nachbarland Deutschland etwa warten sage und schreibe rund 14 Millionen Gebäude auf eine energetische Modernisierung.

Transparenz für Energiebedarf
2006 wurde in Österreich der Energieausweis für alle neuen Gebäude verpflichtend eingeführt. Auch bei einer umfassenden Sanierung wie auch bei An- und Umbauten ist ein Energieausweis nötig. Seit 2009 gilt dies auch für den Verkauf, die Vermietung oder Verpachtung von Wohn- und Betriebsgebäuden, Wohnungen oder Büros. Der Ausweis gibt unter anderem Auskunft über den Energiebedarf pro Quadratmeter Bruttogeschoßfläche und Jahr (kWh/m²a). Käufer und Mieter von Wohnungen oder Gebäuden können einen Energieausweis verlangen, da der Kaufpreis oder die Miete von der energetischen Qualität des Objektes abhängig ist. Auch bei Anträgen zur Wohnbauförderung geht ohne Energieausweis nichts mehr. In den kommenden Jahren kann daher mit einem Bedarf an rund einer Million neuer Energieausweise gerechnet werden. Insgesamt also ein Riesenmarkt mit viel Potenzial, denn eines ist sicher: Die Energiekosten werden weiter steigen. Auch umfangreiche Maßnahmen zur Energieeinsparung werden sich dann in noch kürzerer Zeit amortisieren. Indiz für einen wachsenden Markt ist unter anderem eine steigende Zahl an Herstellern von Energieausweisprogrammen: Etwa 30 Anbieter konkurrieren mittlerweile um die Gunst der Kunden.

Einsatzzweck prüfen
Nicht jede Software ist für jeden Einsatzzweck geeignet. Daher sollte man zunächst vergleichen. Wer zusätzlich zur Ausweiserstellung auch eine Unterstützung bei der Beratung und energetischen Gebäudeoptimierung erwartet, sollte auf entsprechende Funktionen achten. Wichtigstes Ergebnis der teilweise umfangreichen Berechnungen ist der Energieausweis. Dieser wird nach Eingabe aller relevanten Daten gemäß OIB-Richtlinie 6 und den ÖNormen B 8110 sowie H 5055-5059 für den jeweiligen Standort und das jeweilige Bundesland erstellt. Alle länderspezifischen Formulare werden automatisch ausgefüllt und als Word-, Excel- oder PDF-Formular ausgegeben. Darüber hinaus eignen sich die Programme aber auch für Bauteilnachweise, für bauphysikalische Untersuchungen (Taupunkt, Isothermenlinien etc.), für eine Vor-Ort-Beratung oder für die energetische Optimierung von Gebäuden.

Mit einigen Lösungen (z. B. ArchiPhysik) lassen sich Gebäude schon in der Entwurfsphase im Hinblick auf den späteren Energieverbrauch optimieren: Änderungen am Gebäudemodell werden parallel berechnet, wodurch für den Planer energetische Auswirkungen sofort erkennbar sind. Im Zuge einer Beratung können anhand von Was-wäre-wenn-Szenarien unterschiedliche Maßnahmen durchgerechnet werden, die zur Verbesserung der Energiebilanz beitragen: eine bessere Wand-/Dachdämmung, neue Fenster, eine moderne Heizanlage etc. Für jeden Alternativvorschlag werden Kosten, Nutzen und die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Maßnahmen in Form von Tabellen, Säulen- oder Torten-Grafiken dargestellt. Zur Zielgruppe zählen alle in Österreich für die Erstellung von Energieausweisen zugelassenen Berufe: Baumeister, Architekten, Zivilingenieure, Haustechnik-Installateure und Zimmermeister sowie in eingeschränkter Form Rauchfangkehrer, Hafner und Innenarchitekten.

Bevor eine Energieausweis-Software verwendet werden kann, muss das Gebäude mit seinen Basisdaten erfasst werden. Zuvor muss entschieden werden, wofür das Programm gebraucht wird. Alle Programme erstellen Energieausweise für Wohngebäude (Neubau und Bestand). Nur ein Teil des Angebots ist auch für Nichtwohngebäude anwendbar. Nicht jedes Programm ist auch für die Energieberatung geeignet, die zusätzliche Funktionen wie eine Variantenbildung, eine Wirtschaftlichkeits­analyse, eine Optimierungsfunktion sowie einen Berichtseditor voraussetzt.

Berechnung. Die Berechnungsgrundlage für den Energieausweis bildet die ÖNorm B 8110 „Wärmeschutz im Hochbau“, die ÖNorm H 5055 „Energieausweis für Gebäude“ sowie die Normen H 5056-5059 (Heiztechnik-, Raumlufttechnik-, Kühlenergie- und Beleuchtungsenergie-Bedarf). Mindeststandards für die Gesamtenergieeffizienz legt die OIB-Richtlinie 6 fest, beschreibt Mindestanforderungen für Einzelbauteile und definiert Form und Inhalt des Energieausweises. In Deutschland sind die Rechenverfahren für öffentlich-rechtliche Nachweise neuer Wohngebäude in der aktuellen Energie-Einspar-Verordnung (EnEV 2009) beschrieben. Für Nichtwohngebäude gilt die DIN V 18599.

Erfassung des Gebäudes
Basisdaten-Erfassung. Vor der Berechnung steht der arbeitsaufwändigste Teil: die Erfassung der Gebäudehülle und der Heizungsanlage. Dabei sollten vor Ort aufgemessene oder aus dem Plan ermittelte Flächen eingegeben werden können. Alternativ sollten sich Gebäudegeometrien über Fassadenfotos und spezielle Fotoaufmaß-Module ermitteln lassen. Wichtiger für Planer ist ein funktionierender Import energetisch relevanter CAD-Daten. Die Heizungsanlage sollte mithilfe standardisierter Dialogfenster erfasst werden, wobei die Anlagentypen aus einer Hersteller-Datenbank auswählbar sein sollten.

Kataloge. Ein wichtiges Kriterium sind Kataloge mit Baustoff-, Fenster- und Bauteildaten sowie deren Verwaltung. Sie sollten systematisch strukturiert sein, um die Materialsuche zu vereinfachen. Sowohl Baustoff- als auch Bauteilkataloge sollten durch eigene Daten oder häufig vorkommende Konstruktionen erweiterbar sein. Ferner sollten sich natürlich auch inhomogene Holzständerkonstruktionen oder Dachflächen berechnen lassen.

Bauphysik. Bauphysikalische Planungs- und Ausführungsfehler können Bauschäden und hohe Folgekosten nach sich ziehen. Einige Energieausweis-Programme und optionale Module sparen nicht nur Energie, sondern helfen auch, Planungsfehler zu vermeiden. Mit Berechnungen von Temperaturverlauf und Wasserdampfdiffusion lassen sich beispielsweise Wand-Fenster-Anschlüsse an ihren kritischen Stellen gezielt überprüfen und energetisch optimieren. Varianten. Damit ein Programm als Optimierungswerkzeug in der Energieberatung einsetzbar ist, muss es eine Variantenberechnung enthalten. Nur damit lassen sich Alternativen in Bezug auf ihren Energieverbrauch einschätzen. Zusätzlich lässt sich im Rahmen einer Energieberatung die Effizienz einzelner Maßnahmen überprüfen, indem z. B. Energieeinsparung und Investitionskosten in Relation gesetzt und Amortisationszeiten errechnet werden.

Daten auf Knopfdruck
Ausgabe. Sind alle Daten eingegeben, sollte der länderspezifische Energieausweis für den entsprechenden Standort auf Knopfdruck ausgegeben werden, inklusive aller Zusatzformulare. Mithilfe von Berichtseditoren sollte man komplette Energieberatungsberichte im eigenen Layout aus vorgegebenen und eigenen Textbausteinen, Formularen und Grafiken zusammenstellen können.
Anbieter. Mit der Kaufentscheidung geht man mit dem Anbieter eine Beziehung ein. Deshalb sollte man sich neben der Software auch den Anbieter genauer ansehen: Seit wann ist er auf dem Markt? Wie viele Arbeitsplätze (Installationen) wurden bereits mit der Software ausgestattet? Welche Version ist aktuell, und wie häufig gibt es Updates/Upgrades?

Aktualisierung. Da die der Berechnung zugrunde liegenden Normen noch in Bewegung sind, befindet sich auch die Software im Fluss. Je nachdem, wie intensiv die Änderungen der einzelnen Bundesländer in den Förderkriterien sind, können sich schon in einem Abstand von ein bis zwei Monaten Änderungen ergeben, die Software-Updates nach sich ziehen. Deshalb sollte man auf aktuelle Versionsnummern achten und auch darauf, dass die Software regelmäßig durch Updates aktualisiert wird. Eine Live-Update-Funktion ist hier besonders sinnvoll – sie sollte eine automatische Software-Aktualisierung per Internet aus der Anwendung heraus ermöglichen.

Preis und Leistung vergleichen
Preis. Aufgrund des unterschiedlichen Leistungsumfangs, Bedienungskomforts und Einsatzbereichs sind die Preise für aktuelle Programme kaum vergleichbar – sie reichen von etwa 500 bis 2.500 Euro (zzgl. MwSt.), je nach Ausbaustufe. Viele Lösungen sind modular aufgebaut, was einen individuellen Zuschnitt ermöglicht, aber die Kosten gegenüber einer Komplettlösung in die Höhe treiben kann.

Sonstiges. Hilfestellung (Support) per Telefon, Fax oder E-Mail offerieren nahezu alle Hersteller. Ein offenes Online-Forum bietet Anwendern zusätzlich die Möglichkeit, sich innerhalb der Anwenderschaft auszutauschen. Nicht vergessen werden sollten gegebenenfalls Folgekosten für Schulung, Updates/Upgrades bzw. Wartungsverträge. Anfragen zum Mehrfachlizenz-Rabatt lohnen sich, wenn mehrere Arbeitsplätze eingerichtet werden sollen.

Wer als Planer oder Handwerker „mit weniger Energie mehr Aufträge“ akquirieren will, wird sich nicht auf die Erstellung von Energieausweisen beschränken. Schließlich kann davon allein niemand leben. Wer es aufgrund seiner Kompetenz in Energiefragen aber schafft, zusätzlich die Beratung, Planung, Ausschreibung, Bauleitung oder Ausführung für notwendig werdende Dämm-, Umbau- oder Modernisierungsmaßnahmen zu übernehmen, für den kann obige Gleichung tatsächlich aufgehen. Bei der Programmauswahl sollte man jedoch darauf achten, dass die Software neben der Ausweiserstellung auch Hilfe bei der Energieberatung, der energetischen Optimierung oder bauphysikalischen Detailuntersuchung etc. bietet.

Vorsicht bei Bewertung
Und noch eines sollte bedacht werden: Die Berechnung des Energieverbrauchs bewirkt eine Wertsteigerung oder Wertminderung der betroffenen Gebäude. Fehler in der Berechnung oder im Berechnungsverfahren können schnell zu Regressforderungen führen. Deshalb sollte jeder Aussteller seine Kenntnisse durch Schulungen absichern und die Software bzw. den Anbieter mit Bedacht wählen.


Der Weg zum Energieberater

Informationen und Tipps zur Optimierung des Energiehaushaltes Privater sowie Unternehmen geben Energieberater. Die Zusatzausbildung dazu bieten BauAkademien und das Wifi. Die neuen Energieberater kommen aus den verschiedensten Bereichen: Installateure, Baumeister, Mitarbeiter von Energiehändlern und technischen Büros sowie Mitarbeiter aus der Bau- und Heizungsbranche und dem öffentlichen Bereich.

In den einzelnen Bundesländern werden Energieberaterkurse von verschiedenen Trägern angeboten, die mit einer Prüfung abschließen.

Wer stellt in Österreich Energieausweise aus?
Die neue OIB-Richtlinie 6 sieht keine konkrete Qualifikation vor: „Bei der Festlegung, welche Personen qualifiziert und befugt sind, Energieausweise auszustellen, handelt es sich um keine technischen Bestimmungen, sodass keine weiteren Präzisierungen vorgenommen werden konnten. In der Regel sollten jedoch ausschließlich Personengruppen dazu herangezogen werden, die im Rahmen ihrer Ausbildung auch eine entsprechende Qualifikation erlangt haben. Jedenfalls braucht es aber entsprechend der berufsrechtlichen Voraussetzungen auch Zulassung und Befugnis.“ Nähere Informationen: www.bau.or.at.

(Redaktion: Dorian Kreicic)

 

Produktvergleich Energieausweis-Software

 

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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