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Wie man aus Streithanseln Sieger macht

20.07.2004

Aus fünfzehn Jahren Berufserfahrung im Bau- und Immobilienwesen weiß ich eines mit Sicherheit: Es gibt nur ganz wenige Projekte, die ohne Störung im Ablauf durchgeführt werden können. Sie kennen das sicher aus eigener Erfahrung: Planungsprobleme, Vertragsstreitigkeiten, Behinderungen unter den Beauftragten, Terminverzögerungen, Nachbarschaftskonflikte oder Zahlungsverzug... Das sind nur einige der konfliktträchtigen Situationen, die bei einem Bauvorhaben entstehen können.
Dass diese Streitigkeiten für alle Beteiligten meistens unangenehme und vielleicht sogar auch „schmerzhafte“ Erfahrungen mit sich bringen, liegt auf der Hand. In der Regel bleibt daraus oft ein Verlierer zurück, der dann natürlich versucht – das ist menschlich verständlich –, den Verlust beim nächsten Projekt wieder hereinzubringen. Und so sind neue Probleme und damit auch neuer Ärger bereits programmiert. Stellt sich also die Frage: Warum nicht versuchen, alle Beteiligten aus einer Problemsituation als Sieger hervorgehen zu lassen?
Auch wenn das unmöglich klingt: Es geht. Und zwar mit Hilfe professioneller Mediation. Wenn auch leider nicht in jedem Fall, so schaffen es Mediatoren doch relativ häufig, einen Streit so zu schlichen, dass sich keiner der Beteiligten übervorteilt fühlt. Ein Problem so zu lösen, dass sinnvolles Weiterarbeiten möglich ist. Auf diese Weise lassen sich teure und komplizierte Gerichtsverfahren vermeiden und Projekte trotz Schwierigkeiten Gewinn bringend zu Ende führen.
Wichtig ist natürlich, dass sich alle Beteiligten einig sind, einen Mediator einzuschalten. Das ist keine leichte Entscheidung – ich bin mir der vielen Vorbehalte und vielleicht auch Vorurteile, die es gegenüber Mediation gibt, bewusst. Aber man sollte bedenken: Ein Mediator sucht – anders als ein Anwalt, der „nur“ seinen Mandanten vertritt – den Konsens und nicht den Sieg. Mediationsprozesse kosten weniger Nerven und weniger Geld als Gerichtsverfahren – und an ihrem Ende stehen wie gesagt Lösungen. Nicht Sieger und Verlierer.
Man sollte auch wissen, dass Mediatoren immer von beiden Konfliktpartnern im Konsens beauftragt werden müssen. Sie sind nicht der Freund des einen oder des anderen, sondern streng neutral. Das ist notwendig, denn nur von einem wertfreien Konfliktmanager lässt sich die Erarbeitung tragfähiger Lösungen begleiten. Folgerichtig dürfen Mediatoren auch nicht vor Gericht als Zeugen befragt werden. Auf diese Weise können sie dafür sorgen, dass Konflikte in einem konsensorientierten Gesprächsklima diskutiert werden. Und so das Verhandeln über eine Lösung möglich wird, wo zuvor nur Zwietracht herrschte. Motto: „Durchs Reden kommen die Leut z’samm.“ Fazit: Manchmal ist es einfacher als man denkt, aus Streithanseln Sieger zu machen.

Jürgen Sattmann ist Geschäftsführer der Akademie der Immobilienmediatoren und Wirtschaftscoach. Er verfügt über langjährige Berufserfahrung im Bau- und Immobilienwesen.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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