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Wie sicher sind Österreichs Zementwerke?

18.08.2015

Nach dem HBC-Skandal in Kärnten untersuchte Greenpeace alle acht Zementwerke Österreichs. Nun liegen die Ergebnisse vor.

Greenpeace untersuchte Österreichs Zementwerke.

Über mehrere Monate untersuchte Greenpeace alle acht österreichischen Zementwerke. Auslöser des Unterfangens war der HBC-Skandal in Kärnten. Umfangreiche Erhebungen wurden durchgeführt, um mögliche Mängel und Risiken aufzudecken, Umweltbelastungen entgegenzuwirken und einem erneuten Umweltskandal vorzubeugen. Dazu wurde über die Abfallverwertung und Luftemissionen der Zementindustrie recherchiert. Die in einen Report zusammengefassten Ergebnisse ergeben keine Hinweise auf einen akut gefährlichen Problemfall, dennoch weißt die Organisation auf „zahlreiche kritische Lücken im System“ hin, „die mittelfristig zu einem ähnlichen Fall wie dem HCB-Skandal führen könnten.“

Problem Genehmigungen

Besonders negativ aufgefallen ist laut dem Greenpeace-Bericht der Umgang mit Abfallgenehmigungen. Die Abfälle, die zur Entsorgung in Zementwerken landen, seien teilweise unklar definiert und die Auflagen für problematische Schadstoffe unzureichend. Zudem sei die Verwertung von Abfällen intransparent. Insgesamt sind rund 680 Abfallarten für Zementwerke genehmigt, darunter 170, die bedenkliche Stoffe enthalten oder enthalten können. Die Liste umfasse höchst problematische Schadstoffe wie Arsen, sechswertiges Chrom, PVC oder polychlorierte Biphenyle (PCBs). Letztere zählen wie HCB zu den weltweit verbotenen „Dauergiften“. Etwa 140 Abfallarten sind laut Greenpeace so vage definiert, dass nicht klar hervor gehe ob diese problematische Stoffe wie beispielsweise Quecksilber enthalten.

Luftkalkulation

Beim Vergleich der tatsächlichen Luftemissionen der einzelnen Werke schneiden die Zementwerke bei den verschiedenen Schadstoffen laut dem Bericht unterschiedlich ab. Grenzwertüberschreitungen sind zwar insgesamt selten und kommen am ehesten bei Stickoxiden und Quecksilber vor, jedoch seien bestimmte Grenzwerte wie etwa der organische Gesamtkohlenstoff, HCB oder Kohlenmonoxid sehr hoch angesetzt oder existieren gar nicht.

Was tun?

Zu den wichtigsten abgeleiteten Maßnahmen zählen laut Greenpeace ein Verbot des Einsatzes besonders problematischer Abfälle, strengere Auflagen der Behörden beim Einsatz von Abfallarten, die bedenkliche Verunreinigungen enthalten oder enthalten können, spezifische Rauchgasmessungen beim Einsatz von kritischen Abfällen sowie eine konsequente Eingangskontrolle für Abfälle durch die Zementwerke. Ausgehend vom Vergleich der Luftemissionen sieht Greenpeace bei jedem der Zementwerke Investitionsbedarf in Umweltschutztechnik. So sollten mittelfristig eine Quecksilberabscheidung sowie eine Rauchgasnachverbrennung Standard sein.

Kritik und Einladung zum Dialog

Der Bericht von Greenpeace lässt auch die Vereinigung der österreichische Zementindustrie (VÖZ) nicht unbeeindruckt. Zwar sei dieser nur eine quantitative Auswertung der Verwertung von Abfällen handle und biete so keine ausreichende Grundlage, um ein Urteil abzugeben, dennoch wolle man den Dialog suchen. „Wir wollen weiterhin mit Greenpeace über verschiedene Lösungsansätze beraten“, so Sebastian Spaun, Geschäftsführer VÖZ. „Wir verfolgen hierbei allerdings einen qualitativen Ansatz. Welche Qualität müssen die jeweiligen Einsatzstoffe aufweisen, welche Anforderungen an Probenahme und Analyse sind zu stellen und wie haben die konkreten Bedingungen ihres Einsatzes - Einsatzort, Temperatur und Mengen - auszusehen.“

Ebenso verwies Spaun auf die Tatsache, dass zwar auf Grund detaillierter Formulierungen rund 1.500 Abfallarten vom Gesetzgeber definiert sind, aber in der Regel nicht mehr als zehn bis 20 verschiedene in einem Zementwerk zum Einsatz kämen. „Greenpeace zeigt aber auch einen Lösungsansatz auf, dem wir sehr positiv gegenüberstehen“, so Spaun weiter. „Die Forderung nach einer Ergänzung der Genehmigung von Abfallarten danach, welche Qualität die jeweiligen Einsatzstoffe aufweisen müssen, welche Anforderungen an Probenahme und Analyse zu stellen sind und wie die konkreten Bedingungen ihres Einsatzes - Einsatzort, Temperatur und Mengen - auszusehen haben, entspricht genau dem, was von der österreichischen Zementindustrie bereits auf freiwilliger Basis umgesetzt wurde.“

Der Zement-Report von Greenpeace

Autor/in:
Christoph Hauzenberger
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