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Wiener Bauordnung wird erweitert

18.06.2008

Zentrales Element der Techniknovelle ist neben der Definition von energetischen Mindestanforderungen an Gebäuden auch die Erstellung des Energieausweises. Wien als Vorreiter für die Bau- und Immobilienszene.

Die Techniknovelle 2007 umfasst zwei wesentliche Neuerungen. „Zum einen werden die neuen bautechnischen Vorschriften, wie sie in den Richtlinien des Österreichischen Instituts für Bautechnik (OIB) definiert wurden, in die Wiener Bauordnung übernommen, zum anderen setzen wir damit die sogenannte EU-Gebäuderichtlinie um“, erklärt Michael Ludwig, Wohnbaustadtrat. Zentrales Element der Techniknovelle 2007 ist neben der Definition von energetischen Mindestanforderungen an Gebäuden auch die Erstellung eines Energieausweises sowie der verpflichtende Nachweis über die Einsetzbarkeit alternativer Systeme bei allen Neubauten mit einer Gesamtnutzfläche von mehr als 1.000 Quadratmeter wie etwa Energieversorgungssysteme auf der Grundlage von erneuerbaren Energieträgern.

Derzeit weisen die technischen Bauvorschriften der einzelnen Bundesländer teils erhebliche Unterschiede auf, die insbesondere für die Bauwirtschaft ein Hindernis und höhere Kosten bedeuten. Laut Berechnungen, die die Forschungsgesellschaft für Wohnen, Bauen und Planen (FGW) im Auftrag der Vereinigung industrieller Bauunternehmen Österreichs (Vibö) angestellt hat, würde eine österreichweite Harmonisierung eine Einsparung in der Höhe von etwa zwei bis vier Prozent der Baukosten bewirken. „Durch die Übernahme aller sechs OIB-Richtlinien in die Bauordnung, schafft das Land Wien nun die Voraussetzungen für eine mögliche, bundesweite Harmonisierung der bautechnischen Vorschriften“, betont Ludwig.

Energie sparen und Wärmeschutz

Dabei wurde den Themen „Energieeinsparung und Wärmeschutz“ besonderes Augenmerk geschenkt. Die OIB-Richtlinie 6 legt in einem ersten Schritt für Mehrwohnungsneubauten einen maximalen Heizwärmebedarf von 52 kWh/m² und Jahr fest. „Im Bereich des geförderten Wohnungsneubaus liegt Wien bereits heute deutlich unter diesen Anforderungen. So werden seit rund zehn Jahren in Wien ausschließlich Wohngebäude gefördert errichtet, die zumindest den Niedrigenergiestandard – das heißt einen Heizwärmebedarf von weniger als 40 kWh/m² pro Jahr – erreichen. Mit der Forcierung von Passivhäusern, die einen durchschnittlichen Heizwärmebedarf von 15 kWh/m² und pro Jahr haben, setzen wir darüber hinaus einen weiteren Meilenstein im ökologischen Wohnbau. Dadurch leistet die Stadt Wien einen weiteren, wichtigen Beitrag zur Reduktion von CO2-Emissionen und damit zum Klimaschutz“, betont Ludwig.
Ziel der Gebäuderichtlinie ist es, die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden unter Berücksichtigung der klimatischen Verhältnisse sowie der Anforderungen an die Gebäudenutzung und der Kostenwirksamkeit zu verbessern. Daher legt die Techniknovelle 2007 Mindestanforderungen an den Heizwärme- und Kühlbedarf von Gebäuden fest.

Vergleichbarkeit von Immobilien

Die Gebäuderichtlinie ist zugleich die Basis für die Erstellung und Vorlage eines Energieausweises, also eines Nachweises über die Gesamtenergieeffizienz eines Gebäudes. Ab Inkrafttreten der Techniknovelle ist die Vorlage eines Energieausweises bei Einreichung um eine Baubewilligung für einen Neubau, Zubau oder eine Sanierung verpflichtend. Entspricht dieser den gültigen Richtlinien nicht und werden die Mängel nicht korrigiert, so weist die Baupolizei das Projekt zurück. Ebenso muss der Energieausweis bei Verpachtung, Vermietung oder Verkauf vorgelegt werden. In jedem Fall ist laut dem Energieausweis-Vorlage-Gesetz das Zustandekommen eines neuen Miet- oder Kaufvertrags verpflichtend, bei bestehenden Verträgen besteht keine Vorlagepflicht. „Der Energieausweis macht Immobilien vergleichbar und gibt den künftigen Mieterinnen und Mietern oder Eigentümerinnen und Eigentümern Auskunft über den zu erwartenden Energieverbrauch“, erklärte Ludwig. Gebäude mit einem geringeren Heizwärmebedarf werden im Wert steigen, während Gebäude, die einen hohen Heizwärmebedarf haben, in ihrem Wert eher sinken werden. Durch die Regeln des Marktes sollen private Hauseigentümer noch stärker zu Sanierungsmaßnahmen motiviert werden.

Gisela Gary

aus: bau.zeitung 24/08, S. 16

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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