Direkt zum Inhalt

Wiens erster mehrgeschossiger Holz-Wohnbau

06.10.2005

"In dieser Wohnhausanlage wird ein gänzlich neues Wohnbaukonzept verwirklicht. Erstmals wird Holz als Baustoff auch im mehrgeschossigen Wohnbau verwendet und damit ein natürlicher Werkstoff, der Ressourcen schont und viele ökologische Vorteile bringt. Bauträger profitieren in der Verarbeitung des Rohstoffes Holz von dessen geringem Gewicht bei der Verarbeitung und der Möglichkeit der trockenen Bauweise. Die späteren Bewohner freuen sich über ein ausgewogenes, natürliches Raumklima und niedrige Heizkosten aufgrund seiner wärmedämmenden Eigenschaften.

Die Grundlagen zur Verwirklichung dieses Pilotprojektes wurden von der Stadt mit der Novellierung der Bauordnung im Jahr 2001 geschaffen. In Kooperation mit Feuerschutz -Experten, Bauträgern und Architekten wurden Kriterien, die den Brandschutz im vollen Ausmaß sichern, erarbeitet. Strenge Vorschriften gelten vor allem für die Verlegung von Kabeln. Die Verarbeitung dieses einmaligen Naturstoffes im mehrgeschossigen Wohnbau, ist nun möglich, es wird zudem der Niedrigenergie-Standard erreicht. Auch guter Schallschutz, Feuersicherheit und Erdbebensicherheit sind gewährleistet ", erklärte Wohnbaustadtrat Werner Faymann am Mittwoch anlässlich der Präsentation von Wiens ersten mehrgeschossigen Holzwohnbau, an der auch Bezirksvorsteher Ing. Heinz Lehner und Sozialbau-Direktor Dr. Herbert Ludl teilnahmen.

Ökologie - erneuerbarer Rohstoff Holz

Österreichs Waldfläche nimmt jährlich um ca. 7.700 Hektar pro Jahr zu, jährlich wachsen daher 27,3 Mio Kubikmeter dieses Rohstoffes nach. Fast 1 Milliarde Kubikmeter Holz stehen zur Verfügung.

Der Baustoff Holz ist ein geschlossenes Stoffkreislaufsystem - es bindet während des Wachstums Schadstoffe, kann nach dem Ende seiner Produktlebensdauer umweltfreundlich energetisch verwertet werden und sichert durch die Bewirtschaftung der Waldflächen den Schutz der heimischen Kulturlandschaft sowie der Artenvielfalt.

Der Brandschutz hat besondere Bedeutung

Bisher war die Errichtung von Wohnhäusern in Holzbauweise nur bei ebenerdigen Gebäuden, Gebäuden der Bauklasse I und Gebäuden im Grünland möglich. Entsprechend dem Fortschritt der Technik und in Hinblick auf die flächenmäßige Begrenzung von Brandabschnitten können in Wien nun Wohnbauten bis zu drei Geschossen und einem Dachgeschoss in Holzbauweise errichtet werden. Wenn das Erdgeschoss aus massiven Baustoffen ausgeführt ist, ist auch die Errichtung eines vierten Hauptgeschosses mit Außenwänden aus Holz möglich. Die äußeren Abschlüsse des Dachgeschosses müssen in diesem Fall unbrennbar sein oder - um einen Brandüberschlag vom obersten Hauptgeschoss auf das Dachgeschoss zu verhindern - zurückversetzt sein.

In Gebäuden mit mehr als zwei Hauptgeschossen müssen die Außenwände hochfeuerhemmend und an der Außenseite zumindest schwer brennbar sein. Trennwände und tragende Scheidewände müssen ebenfalls hochfeuerhemmend ausgeführt werden. Das Gebäude ist durch feuerbeständige Wände und Decken so in Gebäudeabschnitte (Brandabschnitte) zu unterteilen, dass zwischen diesen, beziehungsweise den Außenwänden, Geschossflächen von insgesamt maximal 1.000 m2 (auch verteilt über mehrere Geschosse) entstehen.
Bei Anordnung einer automatischen Löschanlage (Sprinkler) sind Flächen in größerem Ausmaß zulässig, wobei das Auslösen der Anlage eine Alarmierung der Feuerwehr und der Bewohner des Gebäudes bewirken muss.

Das Holzbau-Wohnprojekt Spöttlgasse 7, 1210 Wien

Das Fundament, die Garage und das Erdgeschoss bestehen aus Beton, darüber entstehen vier Holzgeschosse mit Massivholzplatten als tragende Struktur. Insgesamt werden 154 geförderte Mietwohnungen errichtet, 41 davon auf der Stiege drei in traditioneller Bauweise.
Die unterschiedliche Erfahrungswerte werden in einem Langzeitvergleich evaluiert.

Auch die Lage und Umgebung bieten viele Vorteile - ein neues Siedlungsgebiet, umgeben von niedriger Bebauung, mit guter Infrastruktur. Kindergärten, Schulen und Nahversorger, auch Arztpraxen sind ausreichend vorhanden. Vom öffentlichen Verkehr mit den Linien 26, 232, 533 und der S 3 gut erschlossen, sind die Neue Donau und der Marchfeldkanal als Erholungsräume auch in der
unmittelbaren Nachbarschaft.

Die Stadt hat dieses Wohnbauprojekt mit insgesamt 7,9 Millionen Euro gefördert. (6,1 Mio. Euro Neubauförderung plus 1,8 Mio. Euro Superförderung). Die Gesamtbaukosten liegen bei 18,34 Millionen Euro.

o Geplante Eigenmittel: pro m2: ca. 50 EUR
o Geplante monatliche Belastung: pro NW( Nutzwert): ca. 7,08 EUR
o Garage: 57 EUR

Baubeginn war im Frühjahr 2003. Die ersten Mieter werden in wenigen Tagen einziehen.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
Werbung

Weiterführende Themen

Recht
23.09.2020

Bankgarantien als Sicherstellung sind in der Baubranche gang und gäbe. Alternativen dazu ­bieten mittlerweile auch Versicherungen.

Recht
21.09.2020

Unzuverlässigen Unternehmern droht nach dem Bundesvergabegesetz 2018 (BVergG) eine jahrelange Vergabesperre.

Recht
21.09.2020

Es obliegt dem Kläger, einen behaupteten Mangel zu beweisen. Gemäß § 924 ABGB leistet der Übergeber nur für Mängel Gewähr, die bei der Übergabe vorhanden sind. 

Normen
21.09.2020

Die neue ÖNorm EN 17333 „Charakterisierung von Einkomponentenschäumen“ ist im Frühsommer dieses Jahres erschienen und soll durch einheitliche Prüfverfahren Qualität sichern.

Recht
21.09.2020

Subunternehmen versuchen oftmals bei erlittenem Schaden den Bauherrn dafür verantwortlich zu machen. Der OGH hat nun einen solchen Versuch zurückgewiesen.

Werbung