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Wissen bündeln, Kosten sparen

23.07.2010

Denkmalschutz und Bauwirtschaft überschneiden sich häufig. Zwei junge Unternehmer bündeln ihr Wissen gekonnt und bieten eine neue Form von archäologischen Dienstleistungen und zeitgemäßem Bauen.

Bauwirtschaft und Denkmalpflege sind untrennbar miteinander verbunden. Häufig gilt noch das Vorurteil, dass Denkmalschutz, speziell auch im archäologischen Sinn, ein Hindernis darstellt und Kosten verursacht. Dass das nicht immer so sein muss, zeigen die Gründer der Firma Novetus, Alexander Stagl und Cyrill von Planta. Die beiden haben sich mit ihrem Unternehmen darauf spezialisiert, ihr jeweiliges  Wissen und Know-how in einer gemeinsamen Dienstleistung anzubieten und so  einen Nutzen für alle zu generieren.

Umfassendes Tätigkeitsspektrum
Alexander Stagl, Archäologe, und Cyrill von Planta, Architekt, verbinden archäologische Dienstleistungen und bauhistorische Untersuchungen in einer ganz neuen Unternehmensform. „Unser Tätigkeitsspektrum umfasst grundsätzlich drei Schwerpunkte: erstens Untersuchung, Forschung und Expertise, zweitens Beratung und Entwicklung von Folgekonzepten und drittens Organisation und Umsetzung“, erklärt Stagl. Neu ist daran vor allem der Ansatz, dass zwischen Forschung und Ausführung eine wichtige Brücke geschlagen wird. „Wir sind uns durchaus bewusst, dass es bereits erfahrene Architekten auf dem Gebiet gibt, allerdings beschäftigen sich diese meist sehr gezielt und ausschließlich mit einzelnen Fachgebieten. Der Unterschied, den wir bieten wollen, ist in erster Linie der wichtige Praxisbezug aus der Bauforschung heraus“, erklärt von Planta.

Jedes Denkmal, ob Bodendenkmal oder monumentales Bauwerk, erfordert eine individuelle Herangehensweise an das jeweilige Projekt. Novetus kooperiert daher mit zahlreichen renommierten Personen und Institutionen, um die Wünsche des Kunden einerseits, aber auch die Erfordernisse des Projektes andererseits optimal umsetzen zu können. Dabei legen die beiden Jungunternehmer auch Wert auf die richtige Herangehensweise: „Wir verwenden moderne Methoden, um möglichst schnell zu brauchbaren Ergebnissen zu gelangen. Der Einsatz von moderner Technik ist in weiterer Folge auch ein Garant für effizientes Arbeiten und damit schließlich auch eine Kostenersparnis“, führt Stagl aus.

Win-Win-Situation
„Führen archäologische Funde auf Baustellen zu Verzögerungen, oder sollen historische Gebäude umgebaut werden, ist eine Beratung und Beteiligung von Fachleuten zwingend notwendig, um ein Projekt erfolgreich abwickeln zu können. Wer in diesem Bereich auf Fachleute verzichtet, riskiert unabsehbare Folgekosten“, betont von Planta. Von diesem Konzept sind auch innovative Baumeister wie Isabella Leeb überzeugt: „Wir haben in Österreich und vor allem in Wien eine Vielzahl von historisch wertvollen Gebäuden, aber auch zahlreiche Bodenschätze, die zur Erhaltung und Pflege eines Sonderfachmannes bedürfen. Meines Wissens ist Novetus die erste staatlich unabhängige Firma, die diese Art von Dienstleistung anbietet. Durch die Bündelung von Wissen können gezielt Kosten gespart werden. Es wird eine Win-Win-Situation aller Beteiligten hergestellt. Vor allem auch für den Bauherrn und die Ausführenden bieten sich hier gute Möglichkeiten und ein Zusatznutzen“, so Leeb.

Erfolgreiche Projekte
Nicht nur in der Theorie klingt das Angebot von Novetus vielversprechend. Die ersten Projekte wurden bereits realisiert und geben den Unternehmern recht: Ihr Konzept hat Erfolg. Das erste große Projekt, das sowohl beim Archäologen als auch beim Architekten noch immer Freude hervorruft, war die Restaurierung eines barocken Jagdhauses bei Schwechat. Das Gebäude wurde zwischen 1750 und 1770 errichtet und in der Zwischenzeit mehrmals umgebaut. Als sich der Besitzer 2009 für eine Restaurierung entschied, waren die Geschichte, Nutzung und das originale Aussehen noch völlig unbekannt.

„Die Recherche ergab, dass es sich ursprünglich um ein jagdlich genutztes Lusthaus handelte. Verschiedene Bauphasen konnten definiert werden – Bau 1750 bis 1770, Umbau 1815 bis 1825, moderner Anbau 1989 und weitere Umbauten im 20. Jahrhundert“, berichten Stagl und von Planta. Schließlich wurden von Novetus Ausführungsplanung, Koordination der Facharbeiter und die Aufsicht über die Arbeiten vor Ort übernommen. Es wurden sämtliche An- und Umbauten der Neuzeit entfernt und der barocke Kern wiederhergestellt.

Auch das Projekt „Schloss Kobersdorf“ barg einzigartige Herausforderungen. Die Ausgangslage bestand darin, dass aus den historischen Quellen eine romanische Burg im Bereich des Gartenhofes vermutet wurde. Zudem wurde eine größere Gruft bzw. Krypta vermutet. Verursacht durch verwitterte Mauerspangen, ergaben sich überdies statische Probleme im Arkadengang des Westtraktes. Novetus wurde mit der Aufgabe betraut, mittels geophysikalischer Methoden nach den Überresten der romanischen Burg zu suchen.

Die Messungen mit Elektromagnetik und Geoelektrik wurden in Kooperation mit der Geologischen Bundesanstalt durchgeführt. Bei der Analyse und Auswertung der Messergebnisse wurden einige Architekturelemente der romanischen Gebäude lokalisiert. Die korrodierten Eisenspangen konnten exakt geortet und in der Folge ersetzt werden. Zu den abgeschlossenen Projekten gehören ebenfalls archäologische Grabungen (zum Teil in Kooperation mit der Stadtarchäologie Wien) zur Freiräumung von Bauplätzen.
Zusätzlich zur fachlichen Kompetenz und den angebotenen Dienstleistungen verstehen sich die Jungunternehmer auch als Mediatoren zwischen dem Bundesdenkmalamt und dem Bauherrn. In diesem neuen Berufsbild und der fächer­übergreifenden Zusammenarbeit sehen die beiden für alle Beteiligten ein großes wirtschaftliches Potenzial.

Diana Danbauer

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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