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Wissenstransfer und Fachdialog

12.11.2010

Ein Infrastruktursymposium bot einen Überblick über den aktuellen Stand der Projektrealisierung aller für die kommenden Jahre anstehenden großen Bahnprojekte, mit trotz Sparpakets gewaltigen Investitionssummen.

Für die Budgetjahre 2011 bis 2014 muss die Bahn am meisten sparen. Einsparungen in der ÖBB-Struktur sollen in den nächsten vier Jahren insgesamt 250 Millionen Euro bringen, Sparmaßnahmen bei Bahn-Infrastruktur­investitionen ebenfalls 250 Millionen Euro. Die 250 Millionen Euro, die durch Einsparungen in der ÖBB-Struktur aufgebracht werden sollen, sind genau aufgegliedert. Alleine die Effizienzsteigerung durch das neue Bundesbahngesetz 2009 (Verschmelzung Infrastruktur, Bau und Betrieb) soll einen Effekt von jährlich 20 Millionen Euro, in Summe also 80 Millionen Euro bringen. Das gleiche Ausmaß erhofft man sich von Effizienzsteigerungen im Verschub durch gemeinsame Produktion. Von Einsparungen bei den Führungskräften wie auch in der Verwaltung erhofft sich die ÖBB rund 30 Millionen Euro an Spareffekt.

Die 250 Millionen Euro umfassenden Sparmaßnahmen bei den Bauten bestehen aus 150 Millionen Euro bei Koralmtunnel und Brennerbasistunnel. Beim Brennertunnel wird nun mit dem Hauptstollen erst 2016 begonnen. Von 2011 bis 2016 seien „umfangreiche Erkundungsarbeiten und Vorbereitungsmaßnahmen“ mit einem Investitionsvolumen von rund 1,2 Milliarden Euro geplant.
Die Strabag erhielt vor wenigen Tagen den Zuschlag in der Höhe von 570 Millionen Euro für das Baulos des Koralmtunnels (KAT 2). Mit der Umsetzung des Bauloses wird noch Ende 2010/Anfang 2011 begonnen. Die Strabag wird in Zusammenarbeit mit der Jäger Bau GmbH zwei parallele, eingleisige Tunnelröhren mit je 20 Kilometer Länge errichten. 85 Prozent der Auftragssumme gehen an die Strabag. Insgesamt wurden laut ÖBB bis dato rund 1,3 Milliarden Euro in die Errichtung der Koralmbahn investiert. Nach seiner Fertigstellung wird der Koralmtunnel mit 32,5 Kilometer der bis dahin längste Eisenbahntunnel Österreichs und einer der längsten der Welt sein. Beim Bau kommen zwei Tunnelbohrmaschinen mit 9,9 Meter Durchmesser zum Einsatz. Aus den 8,5 Millionen Tonnen Ausbruchsmaterial werden eine Million Kubikmeter Beton für die Innenauskleidung des Tunnels hergestellt.

Gewaltige Investitionen
Rund 250 Vertreter aus dem Bahnsektor, der Wissenschaft sowie der Bauwirtschaft und Studenten kamen zum Infrastruktursymposium der Technischen Universität Wien. Im Mittelpunkt standen die Großprojekte der ÖBB sowie aktuelle Entwicklungen in der Sicherheitstechnik und im Projektmanagement. Das ganztägige Infrastruktursymposium fand unter Federführung von Norbert Ostermann, Vorstand des Instituts für Verkehrswissenschaften an der TU-Wien, und Georg-Michael Vavrovsky, Vorstand der ÖBB-Infrastruktur AG, statt. Projektleiter und leitende Techniker der ÖBB boten in 14 Vorträgen einen breiten Überblick über die aktuellen Großprojekte der ÖBB sowie über die dabei angewandten Projektmanagementinstrumente. Das Spektrum der Themen reichte vom künftigen Hauptbahnhof Wien über den Lainzer Tunnel und den viergleisigen Ausbau der Westbahn und des Unterinntals über Semmering-Basistunnel neu und Koralmbahn bis hin zu Innovationen im Bereich der Sicherungstechnik. Den Abschluss bildete ein Vortrag über Schlüsselfaktoren des erfolgreichen Projektmanagements.

Herausragende Ingenieurleistungen
ÖBB-Infrastrukturvorstand Georg-Michael Vavrovsky: „Die ÖBB investieren so viel wie nie zuvor in den Ausbau der Bahninfrastruktur in Österreich. Möglich ist das vor allem dank hervorragender Ingenieurleistungen und einer sehr guten Zusammenarbeit mit unseren Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft. Mit diesem Symposium ist es uns gelungen, den Fachdialog mit unseren Partnern zu fördern und gleichzeitig Know-how an die nächste Generation von Ingenieuren weiterzuvermitteln.“ Derzeit arbeitet die ÖBB-Infrastruktur AG gemeinsam mit dem BMVIT an einer Evaluierung möglicher Einsparungspotenziale bei allen Großprojekten. „Unser gemeinsames Ziel ist, sinnvolle Einsparungsmöglichkeiten zu erreichen – ohne gleichzeitig das Gesamtkonzept für eine moderne, leistungsfähige Bahninfrastruktur aus den Augen zu verlieren“, so Georg-Michael Vavrovsky abschließend.

(Redaktion: Gisela Gary, Bauzeitung)

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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