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WK-Wahlen

09.02.2005

Im März 2005 finden die Wirtschaftskammer-Wahlen statt. Damit formiert sich auch die
Standesvertretung der Bauwirtschaft in einigen Bundesländern neu.

Die Wirtschaftskammern (die Wirtschaftskammer Österreich und die neun Landeskammern) und deren Fachorganisationen (Fachverbände und Fachgruppen) sind politische Organisationen. Ihre Organe werden alle fünf Jahre neu gewählt. Die Mitglieder wählen den Landesinnungsausschuss. Die Wählergruppen – die größten sind der Wirtschaftsbund, der Wirtschaftsverband und die Fachliste der gewerblichen Wirtschaft (Ring freiheitlicher Wirtschaftstreibender) – bringen Wahlvorschläge mit den von ihrer Gruppe aufgestellten und gereihten Kandidaten ein.
Die Bundesinnung Bau vertritt mit den neun Landesinnungen die Interessen von rund 10.000 österreichischen baugewerblichen Unternehmen auf nationaler und internationaler Ebene wie zum Beispiel im Europäischen Verband der Bauwirtschaft (FIEC). Aber auch mit den EU-Stellen findet ein enger Austausch statt. Das Baugewerbe ist mit rund 100.000 Beschäftigten der größte private Arbeitgeber Österreichs.
Bei den Wahlen im Jahr 2000 wurde die Reform der Wirtschaftskammer gestartet, die Schaffung besserer wirtschaftlicher Rahmenbedingungen für die Unternehmer war ein wesentliches Ziel. Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl ist überzeugt, dass beides zu guten Teilen auch gelungen ist: „Minus 30 – plus 30. Das war das Ziel der Kammerreform. Und wir haben dieses Ziel erreicht. Minus 30 Prozent, was die Beitragsleistungen der Kammermitglieder betrifft, plus 30, was die Serviceleistung der Wirtschaftskammer für ihre Mitglieder angeht. Der Wirtschaftsbund“, so Leitl, „hat in den letzten Jahren federführend für ein unternehmerfreundlicheres Klima durch eine Reihe von Entlastungsmaßnahmen in Österreich gesorgt.“ Umgesetzt wissen möchte Leitl schon innerhalb der nächsten zwei Jahre Erleichterungen für Kleinst- und Kleinbetriebe, wie etwa die so genannten Einnahmen-Ausgaben-Rechner. Die Schaffung eines Existenzsicherungsfonds für in Not geratene Unternehmerinnen und Unternehmer sowie ein Nahversorger-Sicherungspaket. Darüber hinaus werden unter anderem eine weitere Lohnnebenkostensenkung, die Abschaffung der Kreditvertragsgebühr und der Werbeabgabe oder etwa der Fall der Mindest-Körperschaftsteuer und eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten eingefordert.

Altbewährte und frische Köpfe
Einige Bundesländer gewähren der bau.zeitung bereits vor der Wahl exklusive Vorausblicke. In Wien hat Landesinnungsmeister Herbert Grüner schon bei der letzten Fachgruppentagung im Herbst 2004 seinen Rückzug angekündigt – Walter Ruck als Spitzenkandidat für die Position des Landesinnungsmeisters wie auch Isabella Leeb als Stellvertreterin stehen für die Führungspositionen in der Landesinnung Bau Wien bereit. Als Schwerpunkte der künftigen Innungsarbeit in engem Zusammenwirken mit den insgesamt 17 Köpfen des Landesinnungsausschuss streichen sie hervor: „Die Wahrung und Anerkennung der hohen Qualität des Baumeisterberufs, faire Auftragsvergaben – Stichwort Bestbieterprinzip – und die massive Bekämpfung der Betrugsfirmen.“
In Niederösterreich sind die Würfel in der Führungsetage gefallen – als neuer Landesinnungsmeister steht Robert Jägersberger parat. Manfred Schuster verabschiedete sich vor wenigen Tagen im Rahmen der 19. Baustudienwoche in Puchberg am Schneeberg. ,,Wir haben in Jägersberger den idealen Kandidaten für diese Wahl. Fachlich kompetent, bestens qualifiziert, engagiert und couragiert. Bei ihm ist das Amt in guten Händen. Als Baumeister und selbstständiger Unternehmer weiß er ob der Sorgen und Wünsche der Klein- und Mittelbetriebe in unserem Land bestens Bescheid und wird für diese eintreten und deren Interessen wahrnehmen“, so Manfred Schuster. Große Aufgaben kommen auf Jägersberger zu: ,,Bekämpfung der organisierten Schwarzarbeit und ein wirksames Sozialbetrugsgesetz, Mehrwertsteuersenkung bei Dienstleistungen am Bau, Reduzierung der Lohnnebenkosten, zur Sicherung von Arbeitsplätzen, Forcierung des Bestbieterprinzips, Aus- und Weiterbildung der Facharbeiter“, listet Schuster einige wichtige Punkte auf, die es in Zukunft zu realisieren gilt. Als Innungsmeister-Stellvertreter wurden Erwin Krammer, Krems, Gerhard Lahofer aus Bad Pirawarth nominiert. „Um auch in der Zukunft die entsprechenden Erfolge für die niederösterreichischen Baumeister erbringen zu können, haben wir ein 3-Säulen-Programm erarbeitet“, erklärt Jägersberger, „Schwerpunkte sind Imageverbesserung, Steigerung der Konkurrenzfähigkeit der Baumeisterbetriebe sowie eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Betriebe.“
In Oberösterreich bleibt die Führungscrew aller Voraussicht nach, so Walter Bierleutgeb, Geschäftsführer Bau OÖ. Als Ziele formuliert Bierleutgeb: „Ein großes Anliegen ist für uns die Wohnbauförderung, die zwar durch den Finanzausgleich gesichert ist, aber wir haben massive Probleme, die Zuteilung betreffend. Zudem wollen wir uns für unsere Mitglieder für kleine Baulose einsetzen, der Anteil an öffentlichen Aufträgen geht zurück, neben Infrastrukturprojekten, bei denen wiederum das Problem ist, dass diese Aufträge für kleinere Unternehmen nicht interessant sind. Hier wollen wir verstärkt Lobbying betreiben in Richtung Auftraggeber, damit er z. B. einen Straßenbau in mehreren Teilstücken vergibt, aber auch gegenüber unseren Mitgliedern. Wirtschaftliche Kooperationen sind die Zukunft, Partnerschaften, die aber weit über eine Bau-Arge hinausgehen. Zudem wollen wir auch die Baumeisterprüfung evaluieren, die Abwicklung und Organisation betreffend, es gibt eine neue Prüfungskommission. Auch das Thema Lehrlinge werden wir weiter forcieren und unterstützen.“

Imageverbesserung als Ziel
In Tirol wird vermutlich in der Führungsmannschaft alles beim Alten bleiben, erklärt Heinz Lemmerer, Geschäftsführer Bau Tirol. Die Tiroler Bauinnung hat sich einige Ziele für die kommende Periode gesetzt. Dazu Lemmerer: „Selbstverständlich werden wir uns für eine professionelle Abwicklung der WK-Wahl im Baubereich einsetzen. Weitere Arbeitsschwerpunkte sind der Kampf um den Erhalt der Wohnbauförderung, die Durchführung des Tiroler Bau-Zenit 2005, die Weiterführung der Lehrlingswerbung und Imageverbesserung, der Einsatz des Lehrlingsexperten, die Erwachsenenbildung in der BauAkademie. Wir wollen auch mehr Öffentlichkeitsarbeit leisten.“ Zudem soll zwei Mal pro Jahr die Tiroler Bauvorschau druchgeführt werden. Betreffend der Kollektivvertragsverhandlungen arbeiten die Tiroler emsig an optimalen Ergebnissen.
Aus Salzburg sind noch keine Vorwahlprognosen eingetroffen, über die Arbeitsziele ist sich die Salzburger Bauinnung allerdings klar. Als Kandidaten parat stehen wieder Hartmut Spiluttini, als Stellvertreter Peter Kreuzberger wie auch Eva Maria Habersatter-Lindner. Maximiliane Laserer, Geschäftsführerin Bau Salzburg, will vor allem noch stärker in die Lehrlingswerbung investieren: „Dazu zählen Besuche der Baumeister, damit sie mehr Lehrlinge aufnehmen, aber auch Besuche in den Schulen, um den Bauberuf bei den Jugendlichen wieder attraktiv zu machen. Wir werden auch wieder an der Berufsinformationsmesse teilnehmen, um uns dort zu präsentieren.“ Als Teil einer aktiven Öffentlichkeitsarbeit wird auch 2005 wieder der Bau Champion gewählt und die wall of fame vergrößert. „Zudem wollen wir auch mehr Imagewerbung leisten, unsere Botschaft ist, der Baumeister ist Generalist und verkauft Wohlbefinden. Darüber hinaus werden wir uns auch stärker an den so genannten ,Häuselbauermessen‘ beteiligen.“ Bau Salzburg will „ihre“ Baumeister „fit für die Zukunft machen durch Weiterbildungsseminare und Öffnen der Köpfe“. Zudem soll ein jährlicher Baugipfel stattfinden, damit kann die Zusammenarbeit zwischen Politikern und Bauhandwerkern verbessert werden.
In der Steiermark bleibt in der Führungsebene und im Ausschuss der Bauinnung vermutlich alles wie gehabt, meint Hans Werner Frömmel, Landesinnungsmeister Bau Steiermark: „Natürlich trifft der Wähler die Entscheidung, aber wir gehen von einer Wiederwahl aus, auch aufgrund des positiven Feedbacks über unsere Arbeit in der ganzen Funktionsperiode.“ Als Ziele beschreibt Frömmel: „Wir müssen als Informations- und Kommunikationszentrum noch stärker werden. Die Aus- und Weiterbildung muss mit Hilfe unsere BauAkademie noch weiter forciert werden. Der erfolgreiche Projektmanagement-Lehrgang ist ein gutes Beispiel, dass unser Weg richtig ist. Die Lehrlingsbewerbung und die Lehrlingsausbildung wird in der nächsten Zeit unser oberstes Ziel sein. Die Ost-Erweiterung fordert uns und wir können nur mit erhöhter Qualifikation antworten.“
Frömmel will den Mitgliedern noch mehr Infos liefern, einen elektronischen Newsletter erarbeiten und Mitarbeiterschulungen zu speziellen Sachthemen anbieten. Lobbying zu betreiben, ist weiterhin für Frömmel unverzichtbar. Dazu zählt auch das Mitwirken in politischen Gremien. Alexander Pongratz arbeitet im steirischen Wohnbauförderungsbeirat mit. Eine Wohnbauplattform wurde gegründet, mit einem aktiven Austausch zwischen Bauträgern, Politik, Architekten und Ausführenden. „Alle am Bau Beteiligten ziehen damit an einem Strang. Zurzeit wird an einer Wohnbauförderung (WBF) NEU gearbeitet. Vorarlberg könnte dabei ein Vorbild sein.“
Die Steiermark ist unter Druck. Rund 20 Prozent des geförderten Wohnbaus müssen im Holzbau errichtet werden – so lautet der politische Auftrag. „Nicht einfach für uns. Jedoch sind wir dabei, gemeinsam mit dem Holzbau eine für alle zufrieden stellende Lösung zu finden. Bauen kann nur in einem Miteinander passieren“, so Frömmel.

Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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