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Wohnen, leben, arbeiten

16.09.2009

Die Verlegung des Nordwestbahnhofes nach Inzersdorf ermöglicht die Errichtung eines neuen Wohnviertels in zentraler Lage von Wien. Bis 2025 winkt der Baubranche ein Investitionsvolumen von drei Milliarden Euro. Text: Helmut Melzer

Es ist eines der größte Stadtentwicklungsprojekte Europas und nach der Seestadt Aspern der zweitgrößte geplante Neo-Stadtteil Wiens: Auf dem 44 Hektar großen Gelände des alten Nordwestbahnhofs soll bis 2025 ein neues Wohnviertel aus dem Boden gestampft werden. Stolze drei Milliarden Euro wird das Projekt voraussichtlich kosten, das aktuell den wohlklingenden Arbeitstitel „Neue Grüne Mitte“ trägt.

Die Eckdaten beeindrucken durchaus: Rund 5.000 Wohnungen in einem parkähnlichem Umfeld sollen entstehen – Raum für 11.800 Einwohner. Eine historische Chance für die Bundeshauptstadt, wie Rudi Stricker, Stadtrat für Stadtentwicklung und Verkehr, stolz unterstreicht: „Das ist sehr bedeutsam für Wien. Wo hat man sonst solche Flächen, die alle Vorteile fürs Wohnen bieten?“ Eben in idealer Lage, am Rande der Brigittenau, nahe der Innenstadt und bei voller Nutzung der vorhandenen Infrastruktur.

Allerdings, so der Wermutstropfen, fällt der Startschuss für das Projekt frühestens 2015, oder wie Claus Stadler, Geschäftsführer der ÖBB-Immobilienmanagement GmbH, es etwas untertrieben umschreibt: „Es wird noch ein paar Tage dauern, bis die Kräne stehen.“ Denn erst muss der 1873 errichtete Güterbahnhof an seinen neuen Standort Inzersdorf, am Rande Wiens, übersiedelt werden. Und das kann noch dauern, verrät Stadler: „Ich hätte gerne den Optimismus, dass der neue Bahnhof 2015 fertig wird. Das kann sich aber verzögern. Auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung steht noch an.“

Wohnen im Park
Beim neuen Viertel, zu dessen Namensgebung jetzt auch die Wiener Bevölkerung aufgerufen wird, will man aus städtebaulichen Fehlern der Vergangenheit gelernt haben: Ruhig und grün soll er werden, der noch namenlose Stadtteil. Ohne Straßen, aber doch durchlässig. Architekt Bertram Ernst von enf architekten in Zürich, Gewinner des Planungswettbewerbes, präsentiert sein Projekt als Wohn- und Lebensraum im öffentlichen Park, integriert in die angrenzenden Stadtteile:
„Jede Straße wird aufgenommen und baulich weitergeführt – bis zur grünen Mitte. Wir haben versucht, die bestehenden Gebäudehöhen anzugleichen. Erst in der Mitte kommt es zu einer Verdichtung in der Vertikalen.“ Wesentlich ist der Parkcharakter und die Absage an den Durchzugsverkehr – bei, wenn auch beschränkter, Erreichbarkeit mit Kraftfahrzeugen. Einen weiteren Wunsch hegt da auch die Bezirksvertretung: Ein Rad- und Fußweg bis zum Kahlenberg soll die „Neue Grüne Mitte“ mit dem Erholungsgebiet Wienerwald verbinden.

Entwicklung in drei Etappen
Doch das ist alles Zukunftsmusik. Schließlich muss generell für die Zukunft geplant werden. Bis 2025 kann viel passieren. Noch ist erst ein Leitbild erstellt. Bei allen hehren Zielen im Rahmen von innerstädtischem Wohnen und Arbeiten mit höchstem Freizeit- und Erholungswert liegt der momentane Schwerpunkt bei größtmöglicher Flexibilität. Das gegenwärtige Konzept sieht eine Entwicklung in drei Etappen, sogar eines Wachstums in Baufeldern, vor. Einzelne Großinvestoren sind genauso willkommen wie Eigentümergemeinschaften.
So soll eine Vielfalt ermöglicht und das Investment­risiko minimiert werden. Begonnen wird im nordwestlichen Bereich, von der Stromstraße bis hin zur Hellwagstraße und entlang der Nordwestbahnstraße bis Höhe Wallensteinstraße. Die zweite Bauphase betrifft das Gebiet entlang der Nordwestbahnstraße bis zur Taborstraße. Die nordöstliche Fläche parallel zur Dresdner Straße schließt den Ring um den mittig angelegten Parkfreiraum.

bau.info
Leitbild Nordwestbahnhof
Investitionsvolumen: drei Milliarden Euro
Arealfläche: 44 Hektar
Davon Grünanlagen: 10 Hektar (23 Prozent)
Bruttogeschoßfläche: rund 750.000 Quadratmeter
Davon Wohnfläche: 66 Prozent, rund 5.000 Wohnungen
Einwohner: 11.800
Arbeitsplätze: 5.100

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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