Direkt zum Inhalt

WOPFINGER-MANN DER 1. STUNDE IM RUHESTAND

06.04.2005

EDV am Bau ist zu einem unverzichtbaren Tool geworden. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss sich die Bauwirtschaft das Expertenwissen entweder selbst aneignen oder das fehlende Know-how zukaufen. Doch Letzteres kann teuer werden. Der Trend weist in Richtung „selbst können“, die Bedienerfreundlichkeit der Programme hat sich deutlich verbessert. AutoCAD ist laut den jährlichen Umfragen der TU Wien die von der planenden und ausführenden Bauwirtschaft am häufigsten verwendete CAD-Plattform. Das Zeichenprogramm dient der Erstellung, Bearbeitung und der weitergehenden Nutzung von Daten. CAD-Software unterstützt Planer beim Vorentwurf, dem Entwurf und der Ausführungsplanung, aber auch die Gebäude- und die Projektverwaltung ist damit möglich.
Speziell für Planer entwickelt wurde ArchiCAD. Damit können dreidimensionale Modelldaten, Materialeigenschaften, Stücklisten bis zu Preisen gespeichert werden. Auf Knopfdruck ist auch ein Virtual-Reality-Panorama des Bauwerks per Internet möglich sowie ein Austausch mit anderen Projektteilnehmern via Internet über die Entwürfe. Beliebt bei Planern ist auch das Programm Allplan FT. Wände, Linien, Dächer oder Treppen passen sich automatisch an, wenn z. B. die Geschoßhöhe verändert wird.
Was mit Computern alles möglich ist, weiß vor allem die planende und ausführende Bauwirtschaft – Spezialaufgaben wie z.B. Simulationsprogramme für Lawinenvoraussagen, in der Erdbebenforschung oder das einfache Zeichnen am Computer zur Planung von Gebäuden, Tiefbaustellen wie auch zur Veranschaulichung von möglichen veränderten Stadtteilen sind möglich. Mittels Computersimulation konnte z.B. gezeigt werden, dass der über 150 Meter hohe Kölner Dom trotz seiner filigranen Türme und spitzen Fensterbögen überraschend erdbebensicher ist. „Auch wenn in Köln ein Erdbeben der Stärke sieben vorliegt, würde der Dom das noch schaffen“, erklären die Statiker Michael Mistler und Wolfram Kuhlmann. Ausgeklügelte Computersimulations-Programme machen diese Voraussagung möglich.
Doch auch die Ingenieurbranche ist längst in die virtuelle Welt eingetaucht. Bei einer internationalen Tagung der Gesellschaft für Photogrammetrie und Fernerkundung ISPRS trafen sich rund 400 Computerexperten in Graz. Dabei wurde die klassische Disziplin der Photogrammetrie mit der so genannten Computer-Vision verbunden – Photogrammetrie erfasst und vermisst „berührungslos“ Objekte. Hier sind Computer unverzichtbares Werkzeug.
Sich den virtuellen Welten zu verschließen, raubt jede Chance auf Wettbewerbsfähigkeit. Auch die EU-Erweiterung macht zusehends Druck. Denn: Die Kollegen aus den östlichen Nachbarländern können auf hohes Know-how, den Umgang mit den so genannten neuen Medien und Planertools betreffend, verweisen. Weiterbildung ist hier das Stichwort für die österreichische Bauwirtschaft.

Problemloser Datenaustausch
Laut einer Studie von Bene-Consulting, einer Tochter von Bene, die auf die Planung von Büroräumen spezialisiert ist, sind 22 Prozent der Befragten überzeugt, dass Bürogebäude in Zukunft an Bedeutung verlieren werden. Minicomputer, Mobiltelefon, Computer werden den Büroarbeitsplatz ersetzen. Dies gilt verstärkt auch für Planer und Ausführende. Die CAD-Generation ist im Kommen. Zum effizienten Umgang mit dem Computer zählt auch die Nutzung von Internet und E-Mail. Planer greifen auf verschiedene Server-Stationen zurück, wo Daten (Pläne) ausgetauscht, betrachtet, verändert werden können. Mittels Kennwort können nur Zugangsberechtigte zugreifen – und virtuell miteinander kommunizieren. Aber auch diverse „Downloads“ können Planungshilfe leisten.
Eine häufige Problemstellung, mit der die Bauwirtschaft konfrontiert ist, ist der reibungslose Datenaustausch: Grundbedingung dafür ist die Kompatibilität der Systeme. Wenn nun mehrere Nutzer zugreifen können sollen, wird es häufig schwierig. Ferdinand Hohenwarter, proman: „Projektmanagement besteht im Wesentlichen aus Information und Kommunikation. Was liegt daher näher, als die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) für das Projektmanagement einzusetzen. Man stelle sich vor, der gesamte Bauakt samt Planarchiv, Schriftverkehr etc. befindet sich auf einem Server irgendwo im Internet und alle Projektteilnehmer, unabhängig von ihrer Firmenzugehörigkeit, haben darauf einen (nach Rechten differenzierten) Zugriff. Projektplattformen bieten alle Sicherheiten, die notwendig sind, das Vertrauen der Anwender zu garantieren: Nur registrierte Mitglieder haben Zugang, der Datenverkehr verläuft verschlüsselt und die entsprechenden Rechenzentren verfügen über Sicherheitseinrichtungen, von denen eine gewöhnliche Firma nur träumen kann. Jeder Zugriff von Anwendern wird registriert und jede Änderung eines Dokuments führt automatisch zu einer neuen Version, wobei die alte erhalten bleibt. Geheime Änderungen sind unmöglich. Hauptvorteile derartiger Projektplattformen sind: ständige Aktualität, Zugang rund um die Uhr, Beschleunigung des Projektablaufs, Vermeidung von Druck und Portokosten, Vermeidung von Reisekosten, Vermeidung von Konflikten und Doppelarbeit als Folge von unterschiedlichen Informationsständen. Die sich daraus ergebenden Kostenersparnisse werden auf bis zu 15% geschätzt. Kein Wunder, dass Projektplattformen derzeit einen Siegeszug, vor allem bei Großprojekten, angetreten haben.“
Bei der Fülle an angebotenen Programmen ist es aber auch nicht einfach, das für das eigene Büro geeignete Zeichenprogramm zu finden. Von den großen Softwarehäusern werden als Entscheidungshilfe Demos, Studentenversionen, Schulungs-CD, Lightversionen, abgespeckte Laptop-Versionen, Vollversionen mit Freischaltlizenzen oder Add Ons angeboten. Meist bestimmen neben marketingstrategischen Gründen Erfahrungen aus dem Studium oder die überwiegende Ausrichtung der Software bei Kollegen und Projektpartnern die Wahl eines Produktes. Nach wie vor haben Anwenderfreundlichkeit und Funktionalität einen hohen Stellenwert, jedoch gewinnen auch Grafik und Layout an Bedeutung. Die Zukunft gehört dem vom Datentyp unabhängigen, netzwerkweiten Datentausch und gesteuerten Projektzugriff für Teams unterschiedlicher Profession. Brachliegenden Softwareressourcen in den Büros ist mit regelmäßigen Schulungen entgegenzuwirken.

Kalkulationssoftware für den Bau
Das Grazer Softwarehaus Alfred Zechner Ges.m.b.H. ist seit 1991 im Bereich Kalkulationssoftware für das Handwerk und Baunebengewerbe auf dem Markt. Nachdem immer wieder die Frage aufgetaucht ist, warum es nicht auch ein Programm aus der Softwareschmiede in Graz für das Bauhauptgewerbe und Architekten gibt, hat sich Alfred Zechner dazu entschlossen, seine Produktpalette mit der neuen Software Z-Kalk®zu erweitern. „Speziell für Baumeister und Architekten wurden die K-Blätter und eine dritte Gruppierung in die Leistungsbeschreibung eingefügt. Zu ,Lohn‘ und ,Material‘ gibt es auch die Möglichkeit ,Sonstiges‘ zu verwenden. Außerdem findet man viele Innovationen in der Kalkulation“, erklärt Zechner.
Z-Kalk® unterstützt den Betrieb von der Anbotslegung über die Rechnung bis zur Nachkalkulation. Wenn alles fertig kalkuliert ist, wird das Angebot per Knopfdruck in eine Auftragsbestätigung oder auch in eine Rechnung umgewandelt. Mit den Schnittstellen zu Lohn- und Finanzbuchhaltung erfolgt die Datenübertragung effizient und problemlos. Durch eine so genannte Replikation ermöglicht Z-Kalk® das Arbeiten mit einer Datenbank in mehreren Filialen. Somit müssen Adressen, Angebote, Rechnungen oder Kalkulationen nicht mehrmals angelegt werden und man ist immer am neusten Datenbankstand. Als besonders praxisgerecht erweist sich der modulare Aufbau. Jeder Anwender stellt sein individuelles Softwarepaket, passend für seinen Betrieb, zusammen und zahlt nicht für Produktelemente, die nie genützt werden.

Zeichenprogramme für Experten
Über eine Registerkarte im „AutoCAD® DesignCenter™“ können Anwender von einem zentralen Standort aus auf Inhalte eines lokalen Laufwerks, eines Netzwerks oder unter autodesk.com zugreifen. „Architectural Desktop“ bietet traditionelle Zeichnungs- und Planungswerkzeuge in einer AutoCAD®-Umgebung und ermöglicht somit effizientere Arbeitsabläufe durch die Nutzung intelligenter Gebäudemodellobjekte. Zu GRAPHISOFT’s „ArchiCAD 8“ reiht sich „ArchiPHYSIK 3.6 light als gute Hilfe für Bauphysikgutachten: U(k)-Wert, Luft- und Trittschall, Diffusion (Glaserdiagramm), eine Bibliothek mit 3300 Baustoffen und vieles mehr wird hier geboten. Mit „ArchiPHYSIK 3.6“ sind zudem Energiekennzahlen für alle Bundesländer wie auch Formular-Ausdrucke gemäß Bauordnungen und Wohnbauförderungen abrufbar.
Nemetschek bietet mit seiner Programmlinie Allplan mit Organisation-, Planstruktur- und Grundeinstellungen, Vorgaben, Arbeitsmasken und Referenzdateien, 2D-/3D- und Hybridkonstruktion wichtige Tools an. Zudem kommt eine sinnvolle strategische Kooperation mit Auer Bausoftware, in Österreich das führende technisch-betriebswirtschaftliche Programmpaket am Bau. Eine große Zukunft wird auch in der oben erwähnten Verknüpfung mit der Internettechnologie gesehen. Dazu zählt VRML: 3D interaktiv im Browser, XML: Datenbankfunktionen über das www, Flashanimationen, Photo Shop mit seinen unzähligen Plug-ins und Filtern sowie die Aufbereitung und Bereitstellung für das Internet. Der österreichische IT-Lösungspartner A-Null bietet mit seiner ArchiPHYSIK-Version ein Softwarepaket speziell für Bauphysiker, Statiker und Architekten, um während der Planung des Gebäudes zu überprüfen, ob die bauphysikalischen Maßnahmen der Bauordnung entsprechen. Relevante Indikatoren wie U-Wert, Schallschutz, Dampfdiffusion oder Speichermasse können mit ArchiPHYSIK innerhalb kürzester Zeit und ohne Hintergrundwissen errechnet werden.

Zukunftsvision BIM
In der Diskussion der Fachwelt steht derzeit das BIM, building information modelling, (übersetzbar als „Bau-Informations-Modellierung“). Schwerpunkt ist die Integration von Planungs- und Geschäftsprozessen auf der Basis digitaler Bauwerksmodelle, die in allen Bereichen der Bauwirtschaft und des Facility Managements eine beträchtliche Effektivitätssteigerung, Risikominimierung und Qualitätsverbesserung erwarten lässt. Bauwerksmodelle sollten über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks Gültigkeit besitzen und genutzt werden können. Die dafür erforderlichen objektorientierten Schnittstellen müssen entsprechend herstellerunabhängig formuliert werden. Dieses Ziel hat sich die Industrie-Allianz für Interoperabilität (IAI) gesetzt, ein internationaler Zusammenschluss von über 650 Unternehmen der Baubranche in 22 Ländern. Bauherren, Planungsbüros, Fachingenieure, Bauunternehmen, Baustoffindustrie, Gebäudenutzer, Softwarehäuser sowie Hochschulen und Forschungseinrichtungen arbeiten an der Definition einer weltweit gültigen, plattformübergreifenden Objektsprache – der Industry Foundation Classes (IFC) –, mit dem Ziel, ein gültiges Austauschformat für das BIM zu schaffen. In diesem einheitlichen Datenmodell werden neben den bekannten Leistungsphasen vom Entwurf bis zur Dokumentation alle Lebensphasen eines Gebäudes einschließlich Umbau oder Abriss erfasst.

Software zur Fahrzeugentlastung
Die Softwarelösungen für die Bauwirtschaft reichen über den Planungs- und Baubereich weit hinaus. Das Unternehmen Simma überzeugt Holcim, den weltweit führenden Produzenten von Zement, Zuschlags- und Baustoffen, von einem Softwarepaket zur Optimierung ihrer Transporte. Franz Kapusta, Prokurist Transportbeton Holcim, dazu: „Wir haben uns für die Lösung von Simma entschieden, um eine Optimierung der Transportentfernungen und damit der Fahrzeugauslastung zu erreichen. Dadurch soll auch eine pünktlichere Belieferung der Kunden ermöglicht werden. Weitere Gründe für die Entscheidung sind die einfache Bedienbarkeit des Programms und die Zusatztools wie Statistiken und Auswertungen, die administrative Tätigkeiten wie z. B. Frachtabrechnungen wesentlich erleichtern.“ Die von Holcim gekaufte Software CMS (Concrete Management System) beinhaltet in einem modularen System alle erforderlichen Softwaremodule für den Geschäftsablauf in der Baustoffindustrie (Beton, Kies, Trockenputz). „Die Basis dafür ist eine zentrale Datenbank (Microsoft SQL-Server), auf welche die einzelnen Softwaremodule (.Net Technologie) zugreifen. Ziel dieses Softwarepaketes ist die Optimierung der Kosten innerhalb des gesamten Geschäftsablaufes (für Hersteller und Kunden)“, erklärt Siegi Simma. Module für Projektverwaltung, Auftragsbearbeitung mit Fuhrparkdisposition, Produktion, Fakturierung, Labor, Lagerverwaltung, Materialwirtschaft sind verfügbar. EDV am Bau überwindet scheinbar alle Grenzen. Die virtuelle Welt erzeugt Druck in der Baubranche. Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen die Programme jährlich aufgerüstet werden.

Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
Werbung

Weiterführende Themen

Berthold Kren ist seit Juli CEO von Lafarge und war bislang bei Lafarge Holcim für den Bereich Geocycle Asien verantwortlich.
Aktuelles
28.10.2020

Lafarge-CEO Berthold Kren zieht Bilanz über seine ersten hundert Tage im Amt: Arbeiten zwischen Corona, Facharbeitermangel und der Vision, den CO2-Fußabdruck der Zementwerke auf null zu senken. ...

Arbeitsgruppen  entwickelten im Rahmen  des Kongresses der  IG Lebens­zyklus Bau ­Strategien für den  Umgang mit Green-Deal- Herausforderungen.
Aktuelles
27.10.2020

Welche Rolle spielt die Bau- und Immobilienwirtschaft im Green Deal? Und könnte sie sogar davon profitieren? Die IG Lebenszyklus Bau suchte Antworten.

Modulbau: Die ­Baustelleninfrastruktur am Abschnitt H51 Pfons–Brenner des ­Bauvorhabens Brenner-Basis­tunnel spielt alle Stücke.
Aktuelles
27.10.2020

Modulbauspezialist Recon installierte die Baustellen­-Infrastruktur am Abschnitt H51 Pfons–Brenner.

Recht
21.10.2020

Eine aktuelle Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) bestätigt den Weg des österreichischen Gesetzgebers.

Recht
21.10.2020

Gemäß § 1336 Abs 3 S 1 ABGB kann zusätzlich zu einer Vertragsstrafe ein die Vertragsstrafe übersteigender Schaden geltend gemacht werden. Dabei handelt es sich jedoch um dispositives Recht.

Werbung