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Die neuen XPS Top 30 Platten von Austrothermerreichen erstmals eine Dicke von 220 Millimetern. Foto: Austrotherm.Eine neune Lösung für die  Dämmung von Kellerdecken:  Decrock von Rockwool. Foto: Rockwool.Der neue Zwischenklemmfilz Family Uniroll aus dem Haus Isover. Foto: Isover.Foto: LPSDie neuen XPS Top 30 Platten von Austrothermerreichen erstmals eine Dicke von 220 Millimetern. Foto: Austrotherm.Eine neune Lösung für die  Dämmung von Kellerdecken:  Decrock von Rockwool. Foto: Rockwool.Der neue Zwischenklemmfilz Family Uniroll aus dem Haus Isover. Foto: Isover.Foto: LPS

Woran glauben sie?

03.02.2014

Stetige Weiterentwicklung treibt Stoffe an ihre Grenzen und die Industrie zu neuen Produkten. Doch wie und womit dämmt man 2014?

 

Grauer EPS, verbesserte Werte der Wärmeleitfähigkeit bei Mineralwolle, weiterentwickelte PU-Schäume und Aerogel-Platten – die Dämmstoffindustrie ist stetig in Bewegung und forscht in verschiedenste Richtungen. Doch trotz aller Innovationen leidet die Dämmbranche auch unter der aktuellen Rezession im Bauwesen.

Das Jahr 2014 sollte zwar laut dem Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) der Baubranche ein Wachstum von 0,5 Prozent bescheren, doch die Vorjahre wirken noch nach. Bei Baubewilligungen war in den Jahren 2011 bis 2013 ein Rückgang von 15,3 Prozent im Hauptsegment Hochhaus, Ein- und Zweifamilienhaus sowie Mehrfamilienhaus zu verzeichnen. Die Baustarts gingen im vergleichbaren Zeitraum um rund neun Prozent zurück. „Die Wirtschaftskrise hat auch am Dämmstoffmarkt ihre Spuren hinterlassen“, erklärt Roland Hebel, Geschäftsführer der Steinbacher Dämmstoff GmbH, die Gründe dafür. „Überkapazitäten und ein knallharter Preiskampf – um die wesentlichen zu nennen.“ Stark positive Einflüsse verspreche er sich jedoch von der wirtschaftlichen Entwicklung in den osteuropäischen Nachbarländern, da diese laut Prognosen schneller zulegen werden als der Osten. 

Forcierung des Bewusstseins

Ähnlich sieht Franz Böhs, Geschäftsführer der Rockwool Handels-GmbH Österreich, die Situation. Für ihn liegt die Lösung aber auch in einer Forcierung der thermischen Sanierung und in einer höheren Sanierungsrate. „Gerade bei schwierigen konjunkturellen Rahmenbedingungen stärken nachhaltige Energieeffizienzmaßnahmen die Beschäftigungssituation und reduzieren die Abhängigkeit von Energieimporten“, so Böhs. Doch gerade das Thema Energieeffizienz ist noch nicht ganz beim Endverbraucher angekommen.

Laut einer aktuellen Studie ist zwar Energieeffizienz für 53 Prozent aller Befragten wichtig, aber kein Muss-Kriterium bei einer Immobilie. „Es ist die Aufgabe der Dämmstoffindustrie, aktiv Überzeugungsarbeit für mehr Energieeffizienz zu leisten“, stellt Monika Döll, Marketing-Managerin von Isover, fest. „Wir müssen die Wahrnehmung der Bauschaffenden schärfen und qualitative Produkt- und Systemlösungen für Neubau und Sanierung zur Verfügung stellen.“ Diese Kombination könnte positive Auswirkungen auf die Konjunktur haben und somit auch auf die Dämmstoffindustrie. Hinzu kommen externe Faktoren, die diese Entwicklung unterstützen. „Es ist zu erwarten, dass die Energiekosten zum Heizen und Kühlen auch in Zukunft überproportional steigen werden“, meint Wilfried Jung, Geschäftsführer der LPS GmbH. „Um diesen Kostendruck entgegenzuwirken, werden in diesem Jahr auch die Investitionen in den thermischen Verlustschutz bei Gebäuden weiterhin steigen.“ Darauf bauen auch die Dämmstoffhersteller und versuchen zusätzlich mit neuen Produkten und Innovationen ihre Marktposition zu behaupten.

Wärme, Druck, Schall

Die Lösungen für effizienten Wärmeschutz sind vielfältig – genauso wie die Weiterentwicklungen und Produktneuheiten der einzelnen Firmen. Bei Austrotherm setzt man beispielsweise auf die Weiterentwicklung der eigenen XPS-Kompetenz. So wurde mit dem XPS Top 30 (30–60 mm: λD = 0,035 W/mK; 80–120 mm: λD = 0,036 W/mK; 140–220 mm: λD = 0,038 W/mK) erstmals eine Dämmplatte mit 220 Millimeter Dicke entwickelt. Diese soll vor allem bei der Keller- und Bodendämmung sowie bei Umkehrdächern zum Einsatz kommen und eigne sich für jegliche Niedrigenergie- und Passivhäuser. Auch bei den XPS-Top-70-Platten (50–60 mm: λD = 0,032 W/mK; 80–100 mm λD = 0,035 W/mK), die vor allem als Bodenplatten zum Einsatz kommen, wurde die Dämmleistung und vor allem die Druckbelastbarkeit erhöht.

Ebenfalls auf die Dämmung von Decken, in diesem Fall der Kellerdecke, zielt die jüngste Neuheit der Steinbacher Dämmstoffe ab. Der Steinopor KDE Plus (80+3, 100+3 mm: λD = 0,030 W/mK) ist ein Kellerdeckenelement, das aus dem grauen Dämmstoff EPS Plus besteht und mit robusten, stoßfesten Schutzplatten und einer umlaufenden Nut-Feder-Verbindung versehen worden ist. Großer Wert wurde auch auf die einfache Verlegung in wenigen Arbeitsschritten gelegt.

Aus dem Hause Rockwool kommt auch eine neue Lösung für die Dämmung von Kellerdecken. Die Kellerdeckenplatte Decrock (60–180 mm: λD = 0,036 W/mK) ist eine durchgehend wasserabweisende und schallabsorbierende Steinwolledämmplatte zum Betonieren bei Decken. Die Montage erfolgt dabei durch einfaches Einlegen in die Schalung. Weitere Produktneuheiten sollen im Laufe des Jahres noch folgen, vor allem im Bereich Rockpanel.

Gleich mehrfach erweiterte auch Isover das Angebot des eigenen Dämmstoff- und Foliensortiments. Mit dem Mineralwolle-Zwischenklemmfilz Family Uniroll 035 (100 mm: λD = 0,034 W/ K) soll eine Vereinfachung der Verlegung gewährleistet sein. Unter schwimmendem Zement und Fließestrichen kommt die TDRT-Trittschall-Dämmrolle (λD = 0,033 W/mK) zum Einsatz. Die Dämmrolle ist speziell für Verlegung bei Fußbodenheizungen mit Tackersystem geeignet.

Ökologisch wertvoll

„Bei uns gibt es zwei große Themen in diesem Jahr“, erklärt Siegfried Glück, Bereichsleitung Vertrieb und Marketing, Geschäftsleitung Capatect. „Einerseits ist es die Umstellung auf HBCD-freie Flammschutzmittel in den Dämmstoffen. Das zur Sysnthesa-Gruppe gehörende Dalmatherm-Werk wird diese bereits im April 2014 umsetzten. Andererseits spielt die Hagelsicherheit unserer Stoffe eine große Rolle.“ Um diese Sicherheit und eine damit einhergehende höhere Widerstandsfähigkeit und Lebensdauer zu erreichen, arbeitet man mit einer Carbonarmierung. Trotzdem liege vor allem bei der Hanfdämmung das Hauptaugenmerkt auf Ökologie und Regionalität.

Gänzlich andere Wege geht man bei LPS. Die oberösterreichische Firma entwickelte einen eigenen Wärmereflexionsstoff für den baulichen Energieverlustschutz. Die Hybridgebäudeisolation Lupo Therm ist universell für Dach, Wand, Fassade, Decke und Boden einsetzbar und basiert auf dem Prinzip der Reflexion des radiativen Wärmestroms. Dabei sollen 99 Prozent des Wärmestromes reflektiert werden.

Die angebotenen Dämmstoffe und Materialien könnten also nicht unterschiedlicher sein, dennoch eint alle Firmen eine Besonderheit: In der Forschungs und Entwicklungsabteilung wird an neuen Stoffen und Verbesserungen gearbeitet.

Hausgemacht

„Unser Ziel ist es, Dämmstoffe effizienter zu machen, sprich bei reduzierten Dicken noch höhere Leistungswerte zu erreichen“, erklärt Roland Hebel die Forschung von Steinbacher. Zusätzlich wolle man den Kunden sowohl in der Verarbeitung als auch in der Handhabbarkeit der Dämmstoffe entgegenkommen und ihnen noch einfachere Prozesse bieten.

Bei Capatect glaubt man an einen anderen Weg. „Die Entwicklung in Richtung Hochleistungsdämmstoffe stößt wirtschaftlich sowie auch verarbeitungstechnisch an ihre Grenzen“, konstatiert Siegfried Glück. „Die eigene Forschung und Entwicklung ist stark auf ökologische Dämmstoffe fokussiert. Der Energieeinsatz und die Recyclingeigenschaften werden derzeit untersucht und optimiert.“ Man forsche an verschiedenen Pflanzenarten im Bereich der nachwachsenden Rohstoffe – Rohrkolben seien hierbei sehr interessant – und versuche die Lebensdauer der Materialien zu erhöhen. „Dabei kann man mit geringem Mehraufwand Jahrzehnte gewinnen.“ 
Bei Isover verortet man die Zukunft in einem Mutli-Komfort-Konzept. Dabei versucht man innovative Produkt- und Systemlösungen für eine nachhaltige Bauweise zu schaffen. Im Fokus stehen dabei der Komfort für die Nutzer und der Mehrwert für alle Bauschaffenden. „Die Entwicklung geht immer mehr weg vom Produkt hin zum Systemgedanken“, beschreibt Monika Döll die Richtung. „Aus diesem Grund sehe ich ein großes Potenzial hinsichtlich möglicher Synergieeffekte mit anderen Stoffen und Materialien. Welche das sind, wird uns die Zukunft zeigen.“ 

Angewandte Forschung

Das Thema Innovationen von Wärmedämmstoffen beschäftigt auch diverse Forschungseinrichtungen. Das Forschungsinstitut für Wärmeschutz (FIW) München veröffentlichte vor kurzem eine Metastudie über Dämmstoffe. Unter dem Namen „Technologien und Techniken zur Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden durch Wärmedämmstoffe. Metastudie Wärmedämmstoffe – Produkte – Anwendungen – Innovationen.“ veröffentlicht, widmet sie sich unter anderem auch der Zukunft des Dämmens. Aerogelen wird dabei großes Potenzial attestiert, wenn es gelingt die derzeit hohen Herstellungskosten, bedingt durch den sehr energieintensiven Herstellungsprozess und die bisher unverzichtbare überkritische Trocknung der Gele aus dem Sol-Gel-Prozess, zu senken. Forschungsbedarf wird aber noch hinsichtlich des Verhaltens bei dauerhafter Exposition mit Feuchte und hohen Temperaturen sowie der gesundheitlichen Langzeitwirkungen verortet.

Zwei parallele Ansätze werden bei der Weiterentwicklung von organischen Schäumen wie zum Beispiel PU-Schäumen verfolgt. Einerseits versucht man über alternative Zellgase unter Beimischung von Additiven die Wärmeleitfähigkeit zu reduzieren und andererseits arbeitet man an sogenannten „Nanoschäumen“, ein neues Schaumsystem mit deutlich kleineren Poren. 

Mineralwollprodukte werden laut FIW bald an ihre physikalischen Grenzen stoßen (λD = 0,029 W/mK). Innovationen seien aber vor allem durch Kombination hochwärmedämmender Stoffe in Mineralwolle oder bei Weiterentwicklung mit einem Bezug zu einer konkreten Anwendung zu erwarten.
Welcher der Stoffe bzw. welche der Dämmtechniken sich durchsetzen wird, können aber selbst die Forscher noch nicht sagen. Fest steht, dass zum Erreichen der Klimaziele 2050 der EU sich noch einiges ändern wird.

Autor/in:
Christoph Hauzenberger
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