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Zahl der Arbeitsunfälle halbieren

23.09.2005

Balance für Körper und Geist ist die Devise von Trainerin Barbara Hausjell, die im Auftrag der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) ein entsprechendes Präventivprogramm speziell für das Baugewerbe entwickelte. Franz O. ist Bauarbeiter: von Wind und Wetter gezeichnetes Gesicht, die Hände schwielig. Er steht gebeugt, sieht mit seinen 47 Jahren wie 57 aus. Vor Kurzem ließ sich O. im Rahmen des Unfallverhütungs- und Vorsorgeprogrammes Baufit der AUVA untersuchen. Im Gespräch mit Hausjell erörterte er seine Situation. Ihr Anliegen ist, Stress im Allgemeinen und hier im Besonderen den Arbeitsstress auf Baustellen in positiv nutzbare Energie zu transformieren.
Markus Roubin, Sicherheitsfachkraft bei Habau, berichtet von den positiven Veränderungen im Unternehmen nach der Arbeit mit Hausjell: „Das Baufit-Programm punktete bei allen involvierten Mitarbeitern im Besonderen mit seinen Soft Skills. Zu Beginn des Führungs- und Mitarbeitercoachings standen ein bzw. mehrere Einzelgespräche mit der obersten Führungsebene. Parallel dazu wurde das Mitarbeitercoaching initiiert, mit den Polieren. In der überaus kurzen Zeit, die dafür zur Verfügung stand, verstand es die Trainerin mit den Mitteln der Supervision gemeinsam mit einer erheblichen Anzahl von Mitarbeitern auf der Baustelle Megacooking berufliche und private Problemzonen zu klären und Lösungsstrategien mit den Betroffenen zu skizzieren sowie wertvolle Akzente für die weitere Entwicklung und Realisierung von Umsetzungsstrategien in Krisensituationen von und für einzelne Arbeitnehmer zu setzen.“ Für die Abwicklung der psychologischen Betreuung der Verwaltung – Geschäftsbereichsleiter, Bauleiter, Techniker und Sekretärinnen – wurde einvernehmlich die Form eines Ganztagsseminars gewählt. Baumeister Jörg Oppolzer betont die besonderen Effekte von Baufit: „Unsere Unfallzahlen sind von März bis Juni dieses Jahres gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 55 Prozent zurückgegangen.“ Oppolzer wollte seinen Mitarbeitern den Arbeitsalltag erleichtern und das Bewusstsein für Stress und dessen Auswirkungen schärfen: „Wir brauchen gute und gesunde Mitarbeiter, die wir möglichst lange im Unternehmen beschäftigen können. Nur so können wir unsere bewährte Qualität tagtäglich für unsere Kunden herstellen.“
Das Baufit-Programm brachte darüber hinaus frischen Wind und viel bessere Stimmung in das Baumeisterunternehmen. Ein Beleg dafür sei, dass seine Mitarbeiter die Ausgleichsübungen von selbst weitermachen. Oppolzer ist von Hausjells Arbeit und ihrem Team von Balance of Mind begeistert. Hausjell erklärt die besonders gute Kooperation mit Oppolzer: „Auch für uns war dies kein gewöhnliches Projekt, die Zusammenarbeit mit dem Bauunternehmen Oppolzer hat außerordentlich gut geklappt. Uns wurde von Beginn an viel Vertrauen entgegengebracht.“ Hausjells Augen leuchten, denn mit solchen Projekten erreichte sie ihr spirituelles und ganzheitliches Lebensziel: Menschen glücklich zu machen.

Expertentipps annehmen
Die AUVA beauftragt seit einem Jahr Experten wie Barbara Hausjell mit Balance of Mind, Erkenntnisse von Studien zur Prävention von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten – sie sind multikausal bedingt – im Bau- und Baunebengewerbe umzusetzen. Sie tut dies und trägt die Kosten im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrages zur Unfallvermeidung. Das umfassende, interdisziplinär ausgelegte Paket des Baufit-Programms besteht aus einer einleitenden und ausgehenden medizinischen Grunduntersuchung, psychologischer und sportwissenschaftlicher, ergonomischer Beratung für die Arbeiter unter Einbindung der Unternehmensführung sowie Sicherheitschecks im Unternehmen.
Arbeitsunfälle zu vermeiden und Berufskrankheiten vorzubeugen bedeutet für die Betroffenen Lebensqualität und hat zudem erheblichen volkswirtschaftlichen Nutzen. Die AUVA belegt dies mit einer Rechnung: Ein in die Prävention investierter Euro spart sieben Euro Unfallfolgekosten. Jahr für Jahr erleiden erschreckende zehn Prozent der Arbeiter einen Arbeitsunfall. Nicht zuletzt profitieren Unternehmen: Ein Einsparpotenzial von 400 Millionen Euro, das durch Vermeidung der enorm vielen und langen Krankenstände realisiert werden kann, prognostiziert die AUVA. Bisher erzielte Ergebnisse des Präventivprogrammes sind besser als Prognosen.
Einer der Mitarbeiter des von der AUVA beauftragen Unternehmens Balance of Mind ist der Sportwissenschaftler Christian Vieri. Er analysiert Fehlhaltungen und selbstschädigende Bewegungsabläufe: „Es wäre nicht zielführend, den Arbeitern von oben herab und als Externer zu sagen, wie sie körperschonender und sicherer und womöglich gleich schnell oder effizient vorgehen sollen.“ Also macht sich Vieri schmutzig, zeigt, wie man Ziegel und Zementsäcke richtig hebt, was man nach Überkopfarbeiten für überstrapazierte Muskel tun kann.
„Die Auseinandersetzung mit den durch das Projekt Baufit und von Frau Hausjell und ihren Mitarbeitern von außen herangetragenen Inhalten lehrte uns den ,Blick über den Tellerrand’ unserer oftmals berufsbedingt eingefahrenen Sichtweisen und trug so u. a. zum Erreichen der gesteckten Projektziele bei“, zeigt sich Roubin begeistert.

Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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